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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1937-03-15 · 6 (15.3.1937) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
13 (1937)
Issue
6 (15.3.1937)
Date
1937-03-15
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Itr.6 Seite 3 * CIcmciBlellaH lei Israelitische» Heltgtonlgemetnbe Diellen denen sie an den kommenden Abenden ihre Arbeitsgemeinschaft beschäftigen wird. Daß unser Lehrhaus auch Sprachkurse in seinem Lehrplan hat, entspricht lebhaftem Bedürfnis: Englisch, Spanisch und besonders Iwrith; letzteres wird in der sehr modern aufgebauten hebräischen Sprachschule von 3. Schöner gelehrt. Herr Prof. Wahle, der frühere Weimarer Leiter des Goethe- Archivs sieht in Dresden wohnend), behandelte am ersten seiner Goethe-Abende den »Jungen Goethe", woran sich Rezitationen Goethe'scher Gedichte durch Siegfried Lewinsky anschlossen. Diese Vorlesung enthielt einen überreichen Inhalt, den der große Goethe-Forscher in eine bis ins letzte burchgearbeltete, kunstvoN zusammengedrängte Form gebracht hatte. Aus seiner tiefen Kenntnis des Goethe'schen Schaffens, insbesondere auch der Tagebücher und Briefe, konnte Prof. Wahle alle Entwicklungsstadien dieser tttanlschen Iugend vor seinem (den Heinrich-Arnhold-Saal überfüllenden) Hörerkreis verlebendigen, oft mit Goethes eigenen Worten, - so, wenn er z. 25. Goethes innere Überfülle schildern will« »Ich möchte beten wie Moses im Koran", "Herr mache mir Raum ln meiner engen Brust!" - Oie Iugendlynk, der Goetz, Werthers Leiden, die hymnischen Gedichte wie »Prometheus", »An Schwager Kronos", „Mahomet" - und der sogenannte »ürsaust" wurden zugleich mit der Lebensentwicklung des Genies behandelt, und schließlich gab Prof. Wahle einen schönen Ausblick auf Goethes Verhältnis zu Spinoza, dem er von allen Philosophen wie er sagt, zumeist vertraute. »Was' mich aber besonders an Spinoza fesselte", schreibt er in Dichtung und Wahrheit, war die grenzenlose ilneigennühigkeit, die aus jedem Satze hervorleuchtete..." Denn auch Goethes »höchste Lust, meine Maxime, meine Ausübung war: uneigennützig zu sein in allem". So hat Spinoza mitgeholfen, den Titanismus des jungen Goethe zu bändigen. Herrliche Worte Goethes der Selbsterziehung zur großen Menschlichkeit, Anschluß »an die Waisen, göttlich Milden" schloffen den Abend. Eva Büttner A' Beendigung der Arbeitsgemeinschaft »-Das naturwissenschaftliche Weltbild der Physik"' ' In zirka 10 Abenden wurde das Thema »Das naturwissenschaftliche Weltblld der Phystk" behandelt. Zunächst mußten die Zuhörer mit den schon ln der Schule behandelten Grundlagen, speziell mit der Mechanik und dem Aufbau der Materie wieder vertraut gemacht werden Das Ziel der weiteren Abende war, die Ausgangspunkte der neueren physikalischen Forschung, Relativitäts- und Quantentheorie, den Hörem in ihren Gmndzügen zu erläutern. Darauf wurde, soweit es ohne weitergehende Voraussetzungen möglich war, auf die der Quantenmechanik und der Wellentheorie zugrunde liegenden Ideen eingegangen. Ieweils anschließend wurden die Folgerungen aus diesen neuen Erkenntnissen und Begriffsbildungen für die heutige Vorstellung der physikalischen Welt besprochen. In Anbetracht des doch für viele femliegenben und unanschaulichen Stoffes war die Mitarbeit vieler Zuhörer sehr erfreulich. Ich möchte zum Schluffe meinen Hörem für ihre manchmal sicher nicht leichte Mitarbeit und Aufmerksamkeit danken, ebenso wie dem jüdischen Lehrhaus für die liebenswürdige Bereitstellung der technischen Mittel der Vorlesung. Dresden, den 11. März 1937 Rudolf Strauß (»»♦♦»»»» ei.. j PASMC £ Ca. | j HERRENSCHNEIDER j 1 HEMDENMACHER j j PRAGER STRASSE 32 — FERNRUF 19284 j HANS 6ERSON Amtsgerichtsrat i. R. Dresden Al Feldherrenplatz 6 ♦ Fernsprecher: 626 3 2 DR» EMIL HUR WITZ Dresden A 16, Gabelsbergerstr. 25 * Fernsprecher: 6 256 8 beehren sich anzuzeigen, daß sie vom Herrn Reichswirtschaftsminister als Devisenberater für jüdische Auswanderer zugelassen worden sind. Zu Krau Beliy Arons Sv. Geburisiag Am s. März feierte ihren SO. Geburtstag unser ehrwürdiges verdienstvolles und allgemein beliebtes Gemeindemitglieb, Frau Betty Aron, geb. Fuchs. Ihrer sozialen Arbeit in-der Dresdner Gemeinde, die sie ganz besonders intensiv 1915 -1925 in dem Kinderheim in Qberrochwih, am Kinderhort nnd im Mädchenheim der Fraternitasloge leistete, wird stets dankbar gedacht werden. Vis in die letzte Zeit besuchte die geistig und auch körperlich noch rüstige Greisin die Abende für »Erwerbstätige und alleinstehende Frauen und Mädchen" und nahm auch an allen Kultumeranstaltungen interessierten Anteil. Ist sie doch durch ihre beiden hochbegabten Söhne: den bedeutenden Pianisten Paul Aron und den ideenreichen Regisseur und Musiker Dr. Willy Aron, sowie durch ihre Enkelin Frl. Dr. Alice Apt, an unserer Iüdischen Schule und am Lehrhaus, eng mit dem künstlerischen und wissenschaftlichen Leben verknüpft. Eine Krankheit, die sie vor vier Wochen ergriffen hatte, hat sie gut überstanden.,Wir wünschen der von Alt und Iung in allen Lagem anhänglich verehrten Jubilarin noch weitere Iahre guter Gesundheit und voll zufriedener Genugtuung nach ihrem pflichtenreichen Leben, auf dem Gottes Segen ruhte. E. B. Alfred Tleumeyer 20 Lahre Vor einigen Wochen konnte Herr Obersilandesgerichtsrat i. R. Or. Alfred Reumeyer (München) das siebente Lebensjahrzehnt vollenden. Auf ausdrücklichen Wunsch des Jubilars darf die jüdische Presse von diesem Ereignis erstjetzt Rotiz nehmen. »Rat Reumeyer", wie der Jubilar von seiner vertrauteren Umgebung kurz genannt wird, gehört zweifellos zu den markantesten Persönlichkeiten der Judenheit in Deutschland. Sein hervorragendstes Verdienst ist es, die jüdischen Gemeinden Bayerns in einem Verband geeint zu haben, der sowohl nach seinem - juristischen Unterbau, wie auch nach der Zweckmässigkeit seiner Verwaltung eine Musierkörperschast darflellt, die vielen ähnlichen Verbänden Deutschlands aber auch des Auslandes (Italienisches Iudengesetz von 1931!) zum Vorbild gedient hat. Seit Gründung des Bayerischen Verbandes 1920 steht Rat Reumeyer an der Spitze des Verbandes. Gleichzeitig ist er Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde München. Sein weiteres Ziel war, die jüdischen Landesverbände in einem Reichsvervand zu einen. Rachdem die Reichsvertretung der Iuden in Deutschland zunächst auf aydere Art zustänbegekommen war, hat dieses Ziel nun durch die Konstituierung des sog. Rats der Reichsvertretung, in dem die Landesverbände als mitbestimmende Faktoren vertreten sind, neuestens in wesentlichen Grundzügen Verwirklichung gefunden. Sah der Reumeyer'sche Gedanke die Schaffung einer Verwaltungskörperschast vor, deren Vertreter aus allen Teilen des Reichs - nach der seinerzeit herrschenden Meinung durch allgemeine unmittelbare Wahlen - entsandt werben sollten, so wurde die Rekchsvertretung zunächst durch den Zusammentritt der großen überlokalen Organisattonen des Iudentums geschaffen. Inzwischen hat sich jedoch die Rotwendigkeit ergeben, auch den Reumeyer'schen Grundgedanken mit zu verwerten und die Landesverbähde und Gemeinden als Träger der

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