Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 3 (24.1.1937)
- Date
- 1937-01-24
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/4892693-6725280-5770328--2612-4895141- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 2 ÖenwinWblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Nr. 3 ICH SUCHE lauftnd Gelder für fteteiligung in -»Industrie und Handul, lum Teil gegen hypothekarische Sidierheiten bei günstiger Verzinsung und an* gemessenem Gewinnanteil. Zuschriften an Wirtschaftsberater Dr. Hans-Dietrich Pohly, Dresden A 24, Semperstraße 4 stärken. Eie will ihm das Gefühl geben, daß er einer Gemeinschaft angehört, zu der er sich in Würde und mit Stolz bekennen darf. Dazu aber muß in erster Neihe diese Gemeinschaft einig sein. Diese Einigkeit zu wahren sind auch Sie berufen. Sie werden in den Jahren Ihrer Amtsperiode zu manchen Fragen das Wort zu nehmen haben, über Arbeiten zu sprechen haben, über deren Methoden und Durchführungen nicht immer volle Einmütigkeit bestehen kann. Jede abweichende Auffassung soll hier in diesem Saal jedoch immer unter Anerkennung der berechtigten Empfindungen des anders denkenden Juden zum Ausdruck kommen. Wir stehen am Beginn einer Amtsperiode der Gemeindevertretung, die gekennzeichnet ist von einem Umfang der Verantwortung, wie sie unsere Ahnen nicht zu tragen hatten. Wir haben für unsere Menschen hier zu sorgen, aber auch unser Augenmerk mit besonderer Eindringlichkeit darauf zu richten, daß der fortdauernde Auswanderungsstrom in geregelten Bahnen seinen Lauf nimmt damit die Menschen, die unsere Gemeinden verlassen, um in anderen Erdteilen neue Existenzen zu suchen, die Bedingungen erfüllen, um Brot und Nahrung zu finden, aber auch dem jüdischen Namen Ehre zu machen. In diesen beiden wesentlichen Aufgaben ist der bedeutsame Inhalt der gegenwärtigen jüdischen Arbeit zum Ausdruck gelangt. In diesem Hause, im Hause der Gemeinde, pflegen wir nicht um theoretische Erkenntnisse zu ringen. Hier bemühen wir unS um die besten Methoden der täglichen Arbeit. Wir freuen uns, daß aus den Neihen der Gemeinde uns neue Helfer erstanden sind. Ich bitte Sie, sich gegenseitig mit Wohlwollen zu begegnen, immer daran zu denken, daß wir Glieder ein und derselben Gemeinschass sind, daß Sie die Ehre haben, Träger der Traditionen zu sein, die in unseren jüdischen Gemeinden wirksam sind, und nicht zu vergessen, daß Sie hier Mitwirken an der Aufrechterhaltung der wichtigsten I nstitution, über welche die Jubenheit verfügt, der Jüdischen Gemeinde. Immer soll Sie daS Bewußtsein erfüllen, daß Eie nicht, um irgendwelcher Interessen hier sitzen,sondern um der Erhaltung der jüdischen Gemeinschaft willen. Das wird Ihnen die Kraft geben, Ihre ganze Persönlichkeit für diese leitende Idee einzusehen, die wahrhaftig ebenso groß und heilig ist wie manches andere jüdische Ideal. Wir lernen Kiddusch machen Von Oberkantor Hanns John Jacobsohn Seit einiger Zeit ist es Brauch in den Berliner Synagogen, im Anschluß an den Freitagabend-Gottesdienst in einem Nebenraum der Synagoge »Kiddusch" und »Hamauzi" zu machen, »Schir hamaalauß" zu singen und zu "benschen".") Diese schöne Einrichtung kann jedem, dem es versagt ist, am eigenen Tische Kiddusch zu machen - und deren gibt es viele in der Großstadt-, ein klein wenig von der Stimmung des entbehrten häuslichen Freitagabends ersehen. Wer aber die häusliche Sabbatseier nie kennen gelernt hat - und deren gibt es mehr in der Großstadt -, dem wird eine solche Feier, und sei sie noch so stimmungsvoll, nie und nimmer etwas von jenem eigenen Neiz vermitteln können, etwas von der unvergleichlichen, einzigartigen Weihe, die der Freitagabend des religiösen jüdischen Hauses ausstrahlt. Wie aber lernen wir Kiddusch machen? Mit der immer wiederkehrenden Feststellung eines besonders bei der Jugend vorhandenen Bedürfnisses nach religiöser Erneuerung - schon mutet es fast wie ein Schlagwort an - allein ist es nicht getan. Auf diesem Gebiete ist bisher nichts Nennenswertes geschehen. Hier sind insbesondere musikalische Lücken auszufüllen. Manche sind zur Selbsthilfe geschritten und singen zu Hause den Kiddusch so nach, wie sie ihn vom Dorbeter in der Synagoge hören; dies aber ist ganz verfehlt. Sie besitzen in der Negel nicht die gesanglichen und künstlerischen Qualitäten dazu, auch ist der häusliche Nahmen ein anderer als der synagogale. In den jüdischen Schulen wird seit drei Jahren das Studium palästinensischer Tanzlieder in hebräischer Sprache oder chassidischer Spottlieder in mehr oder weniger kultiviertem Jiddisch mit Hochdruck betrieben, und es ist erstaunlich» welches Übermaß an pädagogischem Eifer und künstlerischem Emst auf diese Dinge verschwendet wird. Ein Bruchteil davon würde auöreichen, um jedem Schulkinde beizubringen, wie man am Freitagabend zu Hause Kiddusch macht. Damit wäre manchem jüdischen Hause ein schönes, kostbares Stück alten Erbgutes wiedergegeben, das ihm abhanden gekommen ist, auf das jeder Jude aber einen berechtt'gten Anspruch hat und auf dessen Besitz er stolz sein darf. Aber der Lehrstoff liegt auf einem unbequemen Grenzgebiet, in das man sich nur ungern wagt: dem Gesanglehrer fehlen die liturgischen, dem Neligionslehrer die musikalischen Kenntnisse. (Ausnahmen bestätigen die Negel!) Oer Hauptgmnd aber ist wohl darin zu suchm, daß es bisher an einem *) Wir haben In Dresden eine ähnlich« Einrichtung bei den Jugend» feiem nach dem Sabbat-Donnittaggottesbienst. brauchbaren Lehrbuch fehlte. Einige der großen chasonischen Unter richtswerke (Baer, Friedmann u. a.) enthalten zwar die häusliche Liturgie, sie sind aber für den Gebrauch des Dorbeters zugeschnitten und für die Allgemeinheit zu umfangreich und zu teuer. Als ein Versuch, diesem Mangel abzuhelfen, entstand dte Arbeit, die unter dem Titel »Sabbatklang und Festessang" als musikalischer Wegweiser für die häusliche Sabbat- und Festesfeier im philoverlag erschienen ist. (Wir kündigen die hier genannte, äußerst rühmenswerte Schrift des Verfassers noch an andrer Stelle an. Ned.) Sie will den musikalischen Laien in der Gestaltung der häuslichen Feiern unterweisen und ist sowohl für die Schule wie für den Selbstunterricht gedacht. Sie enthält neben kurzen Hinweisen auf die praktische Übung der häuslichen Nitualbräuche die textunterlegten Melodien der traditionellen Gebete und Gesänge die das häusliche Sabbat- und Festtagsritual begleiten. Musikalische Kunst- FURDIE JÜDISCHE WINTERHILFE I EINTOPF 1 SAMMLUNG AM Vt.FEBRUAR V» I 193? dT