Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 3 (24.1.1937)
- Date
- 1937-01-24
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Gemeltldeblail der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Amtliches Organ des Semeindevorstandes MeilWMM derMMii" " " - - - Verantwortliche Schriftleitung: Leo Anfchel, Dresden / Verlag: Israelitische Religionsgemeinde Dre<b«n«A. 1, Zeughausstraße 3 / Auf 14051 und 17887 / / Verantwortlich für den Inseratenteil: Iac. Eternlicht. Dresden «A. 24, Altenzester Straße 34 / Fernruf Nr. 48029 / Annahmestelle für Inserate ebenda / Die 4 mal gespaltene 4L»mm»Zeile tostet 22 Pfennig, laufend Rabatt / Druck: A. Sruhnert, Drrsden-A. l, Ammonstr. kl XIII. Iahrg. Dresden, den 24. Januar 1937 Kummer 3 4 Auch unserer neuen Gemeindevertretung zum Geleit: Anläßlich der ersten Sitzung unseres durch Linheitrliste neu gewählten Eemeinderates, der am 2l. Januar 1937 erstmalig zusammengetreten ist, veröffentlichen wir einen Kurzug aus den beherzigenswerten warten, die der vorfitzende der Berliner Demeinde-vorstander, Herr Vir. Heinrich Stahl, an die neugebildet« kepräsentantenoersammlung der Gemeinde Berlin am 10. Januar 1937 gerichtet hat. — (Lin Bericht über di« erste Sitzung unserer Dresdner Gemeinderater-folgt in der nächsten Nummer.) Uns alle erfüllt das Bestreben, aus den jüdischen Menschen, aus Juden jüdische Gemeinschaft und Judentum zu gestalten. Beide Voraussetzungen erfüllt die Jüdische Gemeinde. Sie ist Judentum, weil fle die Lehre verkörpert, die unsere Sendung ist, sie ist auf dem Wege zur jüdischen Gemeinschaft, weil sie die Vereinigung aller Juden ist, weil in ihrem Haus alle Menschen jüdischen Stammes ihr Heim gefunden haben. Wir haben in früheren Fahren zuweilen unter unS Meinungsverschiedenheiten über die Grenzen und den Ginn der Gemeindeaufgaben gehabt. Heute wissen wir, daß die Jüdische Gemeinde alle Formen des jüdischen Lebens zu pflegen hat, daß sie den jüdischen Menschen hilfreich in den Beschwernissen des Tages zur Seite treten soll, daß in ihr sich alles vereinigt, was die bedeutsamen Dinge unseres jüdischen Lebens ausmacht. Oie Zeit ist keineswegs so fern, in welcher in manchen jüdischen Kreisen die Bedeutung der Gemeinde und der von ihr zu leistenden Arbeit nicht sthr hoch eingeschäht wurden. Man wgr gerne bereit/ diese Arbeit denen zu überlassen, die sich von jeher für fle lnterefsterten, während man meinte, für sich selbst die für wichtiger gehaltene Arbeit in den Organisationen reservieren zu sollen. Wo solche Auffassungen früher bestanden haben, sind sie, wir haben das wohl alle sehr deutlich gemerft, in der Hauptsache verschwunden. Die Gemeinde ist die jüdische Gemeinschaft, und in den Teilen, wo sie noch nicht vollendet ist, der Weg zu ihr. Das will aber auch besagen, daß die Menschen, die an führende Position in der Gemeindearbeit gestellt sind, sich ausschließlich als Träger der jüdischen Gemeinschastsidee empfinden. Dies ist «in Verlangen, welches seine restlose Erfüllung finden muß. Wir haben alleeine bestimmte Anschauung von dem Weg des Judentums, von seinem Wesen und seiner Geschichte. In der Gemeinde jedoch, hier wo vir daS Vertrauen eines jeden Juden brauchen, wo wir jedem die gleichen Rechte zugestehen, von jedem die gleiche Pflichterfüllung verlangen, sind wir ausschließlich Vollstrecker der Auffassung, welche der ganzen jüdischen Bevölkerung gemeinsam sein soll. Da steht im besonderen die Auffassung, daß die Gemeind« in erster Reihe alle religiösen und sozialen Obüegenheiten nach ihrem besten Können und mit den besten Mitteln zu erfüllen hat, über welche sie verfügt. Ideen sind wichtig, sie nehmen Einfluß auf die Gestaltung jüdischen Schicksals; wesentlicher jedoch ist die Arbeit am Menschen, die Arbeit zur Durchführung derjenigen Ideale, die in unserem jüdischen Kreise allgemeine Gültigkeit haben. Hier ist die Domäne der Gemeinde, in dieser praktischen Arbeit auf allen Gebieten jüdischen Lebens soll sie führen, diese Arbeit soll sie unter Berücksichttgung aller in der Gemeinde vorhandenen Anschauungen durchführen. Es zeugt für wenig Verständnis für das Wesen der Jüdischen Gemeinde, wenn die Meinung vertreten wird, dieser oder jener Gemeindevorsteher wolle der prattischen Gemeindearbeü aus dem Grunde eine bestimmte Form geben, weil er irgend einer jüdischen Anschauung besonders zugetan sei. Sie dürfen überzeugt davon sein, baß die Beratungen und Entscheidungen des Gemeindevorstehers in den vergangenen Fahren^ in denen wir eine besondere Verantwortung zu tragen hatten, immer ausschließlich vom Gesichtspunkte der Interessen der jüdischen Gemeinschaft diktiert gewesen sind. Ich darf dieser Feststellung die Hoffnung hinzufügen, daß auch der neu zu wählende Gemeindevorstand in gemeinsamer , Arbeit misIhnen einÄbgleitrn, von dieser Linie nicht zulasten wird. Sie sitzen hier, um dem Gemeindevorfland mit Ihrem Rate zur Seite zu stehen. Die Gemeinde erwartet von Ihnen, daß Sie in diesem Gaal sich lediglich zu Sprechern der Interessen und Auffassungen der Gesamtgemeinde machen. In welchem jüdischen Kreise Sie auch sonst wirken, hier sind Sie zu Ihrem Telle Hüter der Geschlossenheit und Einheitlichkeit der Gemeinde. Diese Einheitlichkeit und Geschlossenheit haben wir als ein köstliches Gut übernommen. Es zu wahren und zu mehren, muß Ihnen als der beste Inhalt Ihrer Lebensarbeit erscheinen. Und ich füge dem hinzu, daß ich jede Haltung verurteile, die auch nur indirekt geeignet sein könnte, dieses Gut zu mindern. Wir sind heute auf unsere eigene Kraft angewiesen, wir können nur so viel an Leistung vollbringen, wie es unserer eigenen Substanz und unseren eigenen Anstrengungen entspricht Zu zeigen, daß wir imstande sind, alles was lebendig in uns ist, zu pflegen, zu beweisen, daß wir die Fähigkeit haben, die sozialen Verpflichtungen gegenüber unserer Gemeinschaft in weitestem Umfange zu erfüllen, ist in unsere Hand gegeben. >. Es ist keine kleine Verpflichtung, die wir haben, denn daS Soziale umfaßt alles, was der Erhaltung des jüdischen Menschen dient, seiner Existenz und seiner Position. Die Gemeinde will aber auch - und sie hat dies durch vielfache Maßnahmen ermöglicht - die geistige und kulturelle, aber auch die seelische Position des Juden ^517852854^^^79894