Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 2 (15.1.1937)
- Date
- 1937-01-15
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 2 Nr. 2 Temetabeblatt der Israelitische« Religtoadge meinde Dredbeo Elsen Äaum wissen wir alle - nicht wir haben ihn gepflanzt, und dennoch können wir ihn immer pflanzen. Oie Lehre Israels heißt UNS der „<5j chajim", der Äaum des Lebens, And vielen von uns schien er im winterflarren Schlaf zu ruhen - bis die blinden Augen den Schimmer des Safts erkennen und das stumpfe Herz den Glauben pochen fühlt: diese Zweige werden grünen, diese Zwerge werden immer grünen! Und wenn die Kinder unserer Zukunft die Ääume der Genesung in den Heimatboden senken, so können wir in diese Kinder die Wurzeln jenes Äaumes senken, wir sind's, die ihnen die Lehre ins junge Herz geben - wer sonst als wir kann sie die hohen Gebote lehren, die zu Lehrern der ganzen Menschheit mit einer großen, fordemden, schweren Sittlichkeit wurden. Wir können die Wurzeln dieses „Ou sollst" in den Äoden ihrer Herzen senken, daß das Land nicht nur ein fruchtbares Land, daß es das jüdische Land werde! Jeder Vater, jede Mutter in der Gola, die an Ehamischa astar b'schwat ein Ääumchen - Zweig vom heiligen Äaume! - in ein Kind pflanzt, tut das gleiche, was drüben die Kinder tun. Und wenn nicht jubelnde junge Menschen, Lieder, strahlende Sonne, Fahnen und stolzer Zukunftsmut die feierlichen SCHIFFSKARTEN nach allen Erdteilen El SEN BAHN FAHRKARTEN zu Originalpreisen Besorgung von Visa für alle Staaten Gesellschaftsreisen nach Palästma Buchungsstelle der Schweizer Hotel-Plan-Reisen Dr. Hurwitz, Gabelsbergerstraße 25 Augenblicke gestalten helfen, wenn in aller Stille über ein paar fremden, heimatnahen Früchten andachtsvolle Lippen den Segen sprechen - so ist es doch das Gleiche. Es ist die Einheit des jüdischen Menschen mit seiner Lehre, seinem Volk, und die Worte des Oankes in der Äeracha stärken uns in dem Glauben, mit dem der junge Äaum, der Ehaluz, das Gebot ausgepflanzt wird in fromm bereiteten Äoden, in dem Glauben, der uns nie verließ und uns nie verlassen wird: „Seine Zweige werden grünen." M.W. Brasilien als Einwanderungsland für Juden Man schätzt die Zahl der in den letzten drei Zähren in Ärasilien eingcwanöerten ZUden auf etwa 3000. Zn den letzten Monaten sind Erschwerungen für die Einwanderung eingetreten. Es dürste deshalb von Interesse sein, einmal fesizustellen, welche Aussichten eme Auswanderung nach Ärasilien für Zuden bietet und aus welchen Gründen Erschwerungen für die Einwanderung kommen mußten. Ärasilien ist ein Land, welches etwa ibmal so groß wie Oeutschland ist. Oie sich jährlich um zirka 4 vermehrende Äevölkerungszahl ist jedoch nur etwa 4 5 so groß wie diejenige Deutschlands. Sie konzentriert sich aus die Küstengebiete, welche verhältnismäßig dicht bevölkert sind, während das Innere des Landes ganz schwach besiedelt und zum großen Teil unerschloffen ist. Oie brasilianische Regierung ist gegen jede Vermehrung des Großstadlproletariats, sie hat dagegen ein großes Interesse an der Erschließung des Hinterlandes. Oas Innere des nördlichen Teils von Ärasilien kommt für eine Einwanderung von Europäern kaum in Frage, da die klimatischen Verhältnisse und die Lebensbedingungen unmögliche sind. Dagegen ist schon das Klima in Mittelbrasilien absolut erträglich; und im Süden entspricht es etwa dem Klima des südlichsten Teiles von Europa. Für Seßhastmachung aus dem Lande kommen nur Massensiedlungen in Frage, und ich habe den Eindruck, daß solche unter zwei Äedingungen jede Unterstützung der Regierung finden würden: Erstens müßten die Einwanderer die Verpflichtung übernehmen, längere Zeit, mindestens 5 Fahre, ihren Wohnort im Lande nicht zu wechseln. Oie zweite Bedingung wäre die, daß die Einwanderer ernstlich willens sind, sich dem Lande anzupassen, d. h., in kürzester Zeit die Landessprache zu erlernen, auch ihrem Denken nach Ärasilianer zu werden und nicht nur für ihr persönliches Wohl, sondern auch zum Besten des neuen Heimatlandes zu arbeiten. Wenn eme große Gruppe junger Menschen, die von starkem Arbeitswillen und Idealismus-beseelt wäre, unter den angedeuteten Äedingungen ihre Seßhastmachung in Ärasilien erstreben würde - und die „Zca" macht ja wohl neuerdings ähnliche Ansiedlungs- .versuche, über deren Erfolg allerdings im gegenwärtigen Augenblick noch nichts ausgesagt werden kann, da sie erst im Anfangsstadium stehen - so müßte Großes zu erreichen sein. Ich denke da besonders an Äaumwollkulturen; Äaumwolle ist heute ein wertvolles Ausfuhrprodukt des Landes. Was kann später im Laufe der Zähre aus einer solchen Siedlung werden! Eigene Äaumwollspinnereien können auf der Siedlung, die allmählich zu einem Industriezentrum heranwächsi, entstehen, eine aufblühende Gegend Mit-vorwiegend jüdischer Äevölkerung! Aber das sind Zukunftsträume. Zunächst heißt es hart arbeiten, das Land urbar machen wt «ms-demselben das bauen, was zum Lebensunterhalt notwendig ist. Dies ist nur möglich in großen Massensiedlungen, wo einer am anderen einen Rückhalt findet und nicht vorzeitig die Flinte ins Korn wirft. Leiter einer solchen Kolonie muß ein brasilianischer Landwirt mit großer- Erfahrung sein. Ein erfahrener Lehrer für Portugiesisch und Landeskunde muß die jungen Menschen zu Ärasilianern heranbilden. Was sind nun die Gründe, die zu einer Erschwerung der Einwanderung in allen südamenkanischen Staaten geführt haben und führen mußten? Zunge und alte Leute sind herübergekommen ohne Geld, ohne Sprachkenntnisse und ohne überhaupt etwas praktisches gelernt zu haben, womit man im Ausland etwas anfangen kann. Dom Schiff aus sind sie zu den jüdischen Hilfsstellen gekommen und haben gesagt: „Hier bin ich." Es waren meist Kaufleute, auch Rechtsanwälte, di« auf diese Weise ins Land kamen. Was sollten nun die Hilfsstellen, die wirklich sehr gut arbeiten, mit diesen für Landarbeit ganz ungeeigneten Menschen anfangen. Frauen und Mädchen, die über Kenntnisse in Kinder- und Säuglingspflege verfügten oder sonst praktisches gelernt hatten oder Oienstmädchenstellungen anzunehmen gewillt waren, wurden fast ausnahmslos untergebracht. Oie Männer aber mußten, soweit Unterbringung möglich war, unglaublich schlecht bezahlte Äürosiellungen annehmen, oder sie bekamen Waren, u^i damit zu handeln oder zu hausieren. Und hier liegt der wunde Punkt: Oas ist die Vermehrung des Großstadtproletariats, die die brasilianische Regierung nicht will und die wir im Interesse unserer Iugenb selbst nicht wollen dürfen. Oas ist aber die Zukunft von 90 % derjenigen Menschen, die ohne zureichende Sprach- und ohne bestimmte Äranchenkenntnisse nach Ärasilien eingewandert sind. Oas Existenzminimum ist so niedrig, daß kaum jemand hungert, das Existenz-, Niveau sehr vieler ist aber ein bedauernswertes. Ganz anders sehen die Dinge aus, wenn jemand mit Sprachkenntnisscn und handwerklichem Wissen nach Ärasilien kommt, wobei etwas Geld allerdings dringend erwünscht ist. Man kann in diesem Land mit viel geringeren Mitteln als in Deutschland eine kleine Fabrikation anfangen, das Land kann in vielen Indusirieerzeugnissen den Eigenbedarf nicht decken, und da die Arbeitskräfte billig sind, sind auch die zu erzielenden Preise auskömmlich. Oie Industriestadt des Landes ist Sao Paulo, eine Stadt, die sich in echt amerikanischem Tempo entwickelt und heute fast l1/« Million Einwohner hat. Aber auch für kleinere Fabrikattons-Gründungen empfiehlt es sich, kleinere Mittelstädte, wie z. Ä. die seit einigen Iahren aufstrebende Stadt Äella Horigonto, die heute schon fast 100000 Einwohner haben soll, aufzusuchen. Keiner aber darf mit der Erwartung ins Land kommen, mit nichts anzufangen und in 3 Iahren ein reicher Mann zu sein. M. L.