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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1937-01-15 · 2 (15.1.1937) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
13 (1937)
Issue
2 (15.1.1937)
Date
1937-01-15
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Amtliches Organ des Semeindevorstandes. Meil«WblM de; SUWe» AraelWeii Semeindeiinbluide; Verantwortliche Schriftleitung: Leo Anschel, Dresden / Verla-: Israelitische Religlonsgrmeinde vresbewA. l, ZeugHausstraße 3 / Ruf 14051 und 17887 / / Verantwortlich für den Inseratenteil: Iac. Sternlicht, Dresden-A. 24, Altenzeller Straße 34 / Fernruf Ar. 4802» / Annahmestelle für Inserate ebenda / Oie 4 mal gespaltene 46-mm»Zelle kostet 22 Pfennig, laufend Rabats / Druck; A. Sruhnert, Vresben-A. i, Ammonstr. 61 *!• XIII. Zahrg. Dresden, den Januar 1932 Nummer 2 Seine Zweige werden grünen Zum 15. Schwat Zwischen die Lichter des Ehanukkafestes und die Heiterkeit der purimfeier, zwischen zwei Festen also, die ihre Herkunft unserer Geschichte danken, ist uns ein lieblicher, leiser Tag' gesetzt, an dem wir uns gleichsam von der ewigen Wiederkehr unseres Schicksals lösen. Ohne Äindung an Irgendein Geschehen aus Rotzeit oder großem Gang der Äegebenheiten, abseits von allem gebotenen und gesetzten Feiertag geht durch die Tage dieser eine und sieht uns mit einem scheuen kleinen Lächeln ins Gesicht. Man muß ihn nicht feiem. (ks gibt viele unter uns, die ihn ganz vergessen hatten: Ehamischa assar b' schwat, der fünfzehnte Gchwat, den wir auch das .Reujahr der Säume" nennen. Wir in der Galuth stehen noch mitten im Winter, wenn der Tag da ist. Aber trotz frost starrem Soden ober regennassen Straßen, trotz dem trüben Grau eines bedeckten Himmels rinnt vor unseren Augen ein zarter rötlicher Hauch über winterdürre Gärten an den Säumen und den Sträuchern. Oie Säume wachen auf, der Saft steigt wieder herauf in den Stamm - und mitten in seinem Schlaf und seiner Unfruchtbarkeit rührt ihn der zarte Tag verheißungsvoll an, und wir stehen vor dem Saum und wissen ess seine Zweige werden grünen. Wir sind noch im Winter und wissen noch nichts von laubbedeckten Ästen. Oie frühen Früchte, mit denen wir die Schalen auf dem festlichen Tische Men, sind nicht auf dem Soden gewachsen, auf dem wir bas Fest begehen. Sie. sind Fremdlinge hier und kommen aus einem Land, an dessen Küsten das jNittelmeer spült. Sie sind Kinder einer heißeren Sonne. Sie sind ein Gruß von jenem Land«, bas auch wie das der Griechen und Italiener am Mtttelmeer liegt und das wir mit der Seele suchen. Dort aber, wo diese Orangen und Grape fruits, wo die Etrogim später und die großen schweren Trauben von Oagania zu Hause sind, da ist Ehamischa assar b'schwat kein Winterfest, sondern ein strahlendes Frühlingsfest nach der Regenzeit. Dort braucht sich keiner der Unfern damit zu begnügen, fremde, heimatverheißende Früchte auf den Tisch zu stellen, um den Tag zu begehen. Dort ist der 15. Schwat ein Iubeltag der jüdischen Jugend, die ihre Zukunft und die Zukunft des Landes mit Liedern und Lachen und festlichen Umzügen als ein und dasselbe dartut. Srez Israel, das baumarme, daS schattenlose, in dem das Wasser wieder erlöst werden, der Sumpf zum Acker, die Steinwüste zum Feld gemacht werden sott, Erez Israel, das sich nach Garten, Hain und Wald sehnt, feiert den 15. Schwat durch das Reupflanzen junger Säume. Aber nicht di« alten Pioniere nehmen den Spaten um die Grube zu graben, nichs die harten Hände der Lhaluzim umfassen den jungen Stamm, der in die neue Erde gesenks wird - Kinderhände pflanzen die neuen Säume, Kinderfiimmen jubeln die Lieder der neugeschentteo hebräischen Sprache über die zarte Pflanzung hin, und wer dabeistehtweiß sich's zu beuten: nicht die Säume allein wachen an diesem Tage aus dem Winterschlaf auf, in Erez Israel ist ein Land aufgewacht, ist ein Solk aufgewacht - und seine Zweige werden grünen., Wir alle wissen: der Saum, der Wald wird die Genesung für den arm gewordenen Soden von Erez. Israel bedeuten. Wir alle wissen: unsere Iugend will dem Lande und dem Volk das Heil zurückbringen, das wir durch unsere Schuld und unseren Abfalls einst und immer wieder verloren. Oie Kinder von Erez Israel, die um 15. Gchwat mit ihren jungen, mit ihren noch weichen Händen die Säume pflanzen, die haben den Willen in sich, selbst in diesen Soden gepflanzt zu sein und Wurzel zu schlagen. Viele aus der Galuth sind hinüber gegangen, und viele - leugnen wir's nicht, haben unendliche Mühe 'und Schmerzen um ihre Wurzeln dem neuen Soden einzusenken, viele stehen gebeugt und wie ein Saum, der eben erst gepflanzt wurde. Aber die Verheißung der Kinder, die gleichsam sich selbst mit ihren jungen Geschwistem den Säumen vom 15. Gchwat, auspflanzen, die werden Früchte tragen dürfen und Samen nach ihrer Art - diese Kinder, die Zweige am alten, alten Stamm, diese Zweige werden grünen. Aber es geht nicht an, daß wir, denen es versagt sein wird, Säume zu p^anzen, das Wasser zu suchen, den Soden fruchtbar zu machen, daß wir in diesem Tag der jungen Säume, in dieser ITat der jungen Kinder Israels nur den Trost für uns suchen. Rie steht ein Iude allein in einer persönlichen Trauer, nie steht ein Iude allein mit seiner eigenen Rot. Wie wir die Unfern, die um einen geliebten Toten weinen, daran erinnern, daß die größere Trauer um Zion ist, wie wir ihnen in ihren Schmerz hinein mahnend zurufen: »Gott tröste euch und alle, die um Zion trauern.. * so greift auch der süße Trost des hellen Fests nicht so nach uns, daß wir ihn mit einem Verzicht auf die eigene Leistung verbinden dürften. Was diese Meinen in Erez° Israel tun, .kann jeder von uns tun - in seiner Art. Wir können nicht mehr die Ehaluziuth des Ackerbaus, des Säumepflanzens auf uns nehmen, uns ist der Weg durch Alter und fast immer dazu durch Vermögenslosigkeit verschlossen. Aber es gibt eine Ehaluziuth des Geistes und der Seele, und' sie ist so att wie alles Echte und Wahrhafte in Israel. DU h&cUsU Ausgabe des fyimii^iiUatUs i cucUUht fauiJU am ZQ-. Januar 19371

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