Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 21 (15.11.1936)
- Date
- 1936-11-15
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit« 2 ©emeinbeblott bei Israelitische» Heltgtonigemttnbe Dresden Nr. 21 fluchten zu nennen? Wer wagt, Ahasver als Gleichnis des jüdischen Weges und Wesens anzunehmen? Laßt es uns richtig sehen: Wir sind nicht zu ewigem Wandem verflucht. Verirrte Kinder sind wir, die heim können, wenn sie nur den Weg wiederfinden, den Weg zum Quell ihres Lebens, zum Saum des Lebens, zu der wahrhaften Sicherheit, die jenseits von Völkern und Zeiten und ihren Schicksalen liegt. Sie allein sind ewig. Darum geht durch die jüdische Legende di« Gestalt eines anderen Wanderers, eines Unerkannten, eines Fremden, von dessen Spuren aber nicht der Fluch, sondern der Gegen zeugt, den er zurückläßt. Auch er ein »ewiger.3nbe*, der durch die Zetten der Galuth hingeht mit dem immer lebendigen Trost der Verheißung, daß die Erlösung für Zion kommen wird: Nicht Ahasver - Elijahu hanawi. M. W. Der Bunte Karren: Ein Weg zu jüdischer Kunst Die Leipziger Kleinkunstbühne als Beispiel Sie Debatten und die Auseinandersetzungen um die Klarstellung unseres Kulturraumes werden mit jedem Tag lebhafter. Dies ist ein Äeweis dafür, daß auf diesem Gebiet starke Kräfte im Spiele sind, die bisher noch keine Äefriedigung finden konnten. Tatsächlich ist die entscheidende Aufgabe, die uns mit der Aufhebung der Kulturgemeinschaft zwischen Juden und Umwelt gestellt war, in den vergangenen Jahren keineswegs gelöst worden. Diese Aufgabe erwies sich allerdings sehr bald schon als eine ganz außergewöhnliche. Außergewöhnlich, sowohl im Hinblick auf die Tragweite ihrer Ziele, als auch hinsichtlich der Schwierigkeiten, die sich der prak^ tischen Durchführung in den Weg stellten. Das einmalige, tiefgreifende Problem, das uns die Zeit so plötzlich brachte, hieß: Eine neue und zugleich eigene Kulturordnung schaffen. Eine Forderung, die nur bewältigt werben kann, wenn eine Gemeinschaft zu höchstem Einsatz ihres materiellen und ideellen Gutes bereit ist,, und vor allem auch, wenn sie imstande ist, die produktiven Kräfte weitestgehend zur Entfaltung zu bringen. Diese Einsicht liegt so nahe und ergibt sich beinahe zwangsläufig aus unserem Verhältnis innerhalb Deutschlands, daß es nur schwer verständlich bleibt, warum eine solche Erkenntnis erst heute allmählich sich durchzusehen beginnt. Eine der Hauptgründe für diese Tatsache dürste wohl darin zu suchen sein, daß weite Kreise des Judentums, und namentlich die Führer, die vom Staat geforderte Absonderung unseres kulturellen Lebens mißverstanden haben. Man war ursprünglich der Auffassung, diese Trennung sei nur als eine räumliche, d. h. organisatorische, gedacht, und man könne darum die Äindungen in der alten Form aufrechterhalten. Heute wird kaum jemand noch bestreiten wollen, daß dies eine Illusion war, und die Absonderung als eine endgültige und fundamentale zu gelten hat. Gleichzeitig haben wir uns auch unterdessen davon überzeugt, daß uns in der jetzigen Entwicklungsphase mit dem Repetieren geläufiger Kulturwerte - und seien sie noch so kostbar und ehrwürdig - nicht, geholfen ist. Oie historisch« Situation verlangt vielmehr gebieterisch nach einer stärkeren Ausrichtung unseres kulturellen Wollens in der Richtung jüdischer Lebensinhalte und Lebensformen. In diesem Zusammenhang muß auf ein Unternehmen aufmerksam gemacht werden, das auf Grund dieser Erkenntnis bereits vor mehr als anderthalb Iahren den Mut hatte, seine Meinung praktisch zu erproben. Es ist dies die Leipziger Kleinkunstbühne »Oer bunte Karren", die von dem Schauspieler Friedwald (Fred Wald) und dem Schriftsteller Kreiter seiner Zeit trotz aller Widerstände ins Leben gerufen und heute auch von ihnen geleitet wird. Mit einer kleinen, aber vielseitigen Truppe und unterstützt von dem vorzüglichen und beweglichen Kapellmeister L. Schönbach gingen die beiden an die Arbeit und erzielten im ersten Anlauf bereits einen überzeugenden Erfolg bei fast allen Schichten des Publikums. Daß dies kein Zufallserfolg war, bewiesen dann die weiteren Programme, die womöglich noch ein stärkeres Echo bei den Zuschauern fanden. Und wenn man nach dem eigentlichen Grund dieser nachhaltigen Wirkung forschte, fand man die überraschende Tatsache einer einheitlichen Atmosphäre, die man als wahrhaft jüdisch bezeichnen muß. Dabei wird hier der Vogen sowohl thematisch wie formal beträchtlich weit gespannt. Er reicht von der deutschen TageSaktualität über das^jiddifche Motiv bis zur palästinensischen Zeitfrage, und wechselt gleichzeitig vom satirischen Ulk bis zur tragikomischen Verkörperung ostjüdischer Typen, die von Friedwald (Fred Wald) in eindringlichster Weise gestcktet werden. Immer wieder muß man bei den einzelnen Nummern aufhorchen, weil ein Ton durch alle Verwandlungen schwingt, den man bisher nur ganz selten bei anderen festsiellen konnte. Oie Darbietungen des »Lunten Karren" haben den Äeweis erbracht, daß bei uns eine Kunst durchaus möglich ist, die dem jüdischen Leben verbunden bleibt, ohne dabei das mindeste an Qualität, Zeitnähe und Schlagfertigkeit einbüßen zu müssen. , Dr. Hans Abelsohn “ Aus dem Israelitischen Familienblait vom 3. September 1936 ..... Verein peinisdter Staatsbürger jüdisAen Glaubens, e. V. in Dresden Oie ursprünglich für den 15 November 1936 angesetzte Veranstaltung findet nunmehr Sonnabend, den 28. November 1936 in den Dünnten des Italienisdien Dörfdiens, statt B.ginn 20 Uhr ~ Künstlerische Darbietungen — Tanz — Bar Freunde und Gönner sind herzlichst eingeladen Parfümerien, aaeh ausltndlsche Kempinski-Weine Qualitätswaren preisgünst. Photo £B,3u*ua9 f. eie Zusendung / Tel. 26266 / Eugeba, Galeriestraße il auch auf telefonische Bestellung zwischen Altmarkt, Neumarkt Neuerscheinung: LUCIAN SCHNELL _ l/aci&UoMst u% Htolt eine KOnstlernovelle ~ Ganzleinen RM 2 45 Zu beziehen durch jede jüd. Buchhandlung oder direkt vom Leo Alterthum-Verlag, Berlln-Charlbg. 9, Kastanien-Allae17 Geschenke