Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 20 (1.11.1936)
- Date
- 1936-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Gemeindeblatt der Israelit«,chen Neligion-gemeinde Dresden Nr. 2 schon durch den sehr gelungenen An- und Umbau unserer Synagoge seine große Eignung dafür bewiesen hatte, unter praktischer Benutzung von bestehendem ungewöhnlich ideenreiche Neubauten erstehen zu lassen. Alle Schwierigkeiten wurden mit großer Energie überwunden, so daß dieses Gebäude unter tatkräftiger Unterstützung besonders auch unseres geschästsführenden Gemeindevorstehers besser bereits nach einem halben Fahre - zur Wiederkehr des Todestages des uns allen unvergeßlichen Ör. Heinrich Arnhold - .zur Einweihung bereit war. Wem war nicht das Her; wehmütig aber auch freudig bewegt, als man aus dem schönen parkettierten Haupt-'aale des neuen Kinderhort-Baues den Blick auf die Brühl'sche Terrasse und auf die »Oer Gondelhafen" genannten Parkanlagen bis an die Elbe hin schweifen lassen konnte und dabei an Heinrich Arnhold denken mußte, der für Schönes wie Soziales stets gleicherweise ein so ossenes Her; hatte. Oie Einweihung dieses neuen Kinderhortes fand am Sonnabend, den 10. Oktober, nach dem Gottesdienst statt. In einer kurzen Borfeier in der kleinen Synagoge gedachte zuerst der geschästssührende Vorsitzende des Gemeindevorstandes, Herr Max Lesser, der älteren Generationen des Hauses Arnhold, die ihre große Menschlichkeit und soziale Einstellung durch außergewöhnliche Stiftungen bewiesen hatten: so Max Arnhold durch seine »Soziale Stiftung", in deren Vorstand Geistliche aller Konfessionen für streng loyale Verteilung der Erträgnisse sorgen sollten, ebenso wie Georg Arnhold das früher nach ihm genannte Bad gestiftet hat. Es ist gewiß tief im Sinne von Or. Heinrich Arnhold, der stets für alle jüdischen Belange reges Interesse gezeigt und zuletzt auch dem Gemeinderate ongehört hatte (wenn ihn leider auch seine Erkrankung an der Teilnahme an den Sitzungen verhinderte), daß nunmehr ihm zu Ehren seine Witwe diesen Bau gestiftet hat. Ihr, als der Vorsitzenden des Kinderhortes, übergab dann Baumeister Brauer zur Eröffnung des Heimes einen kunstgewerblich prächtig entworfenen Schlüssel, nachdem Brauer noch einen kurzen Überblick über die Geschichte dieses wohlgelungenen Bauwerkes gegeben hatte, für das sich alle Mitarbeiter bis zum letzten Lehrling in eifrigster Arbeit eingesetzt hatten. S. MATTERSDORFF PRIVATBAN KH AUS GEGRÜNDET SEESTRASSE RUF 25955 Oer Bau selbst war im Eingangsraum mit schönen Pflanzen um das Bild Heinrich Arnholds geschmückt, dessen zwei Söhne und eine Tochter, sowie zahlreiche Angehörige der Arnhold'schen und Mattersdorff'schen Familien ebenfalls der Feier beiwohnten. Hexx Rabbiner Or. Wolf überreichte eine kunstvoll getriebene Mesusa und sprach aus diesem Anlaß weihende Worte über das neue Heim. Ein Rundgang zeigte den geladenen Anwesenden die ausgezeichnete Raumoerteilung: außer dem vierfenstrigen Hauptsaal ist noch ein damit in Verbindung stehender großer Raum im l. Geschoß vorhanden; oben weiter auch genügender Platz für die Bestände der »Kleiberkammer"; zu ebener Erde und im Souterrain sind kleinere Spiel- und ümkleideräume sowie das Bad. Sicher wird auch bald eine Verbindung mit der dicht dabei gelegenen Mittelstandsküche der Iüdischen Gemeinde hergestellt. So weist dieses von Frau Or. Lisa Arnhold mit edlem Herzen und zugleich klarem Sinn für das Notwendige gestiftete Werk hoffnungsvoll in die Zukunft. In diesem Sinne drückte auch Architekt Brauers Geleitspruch unser , aller Empfinden voll aus: Das ist des heut'gen Tages tiefer Sinn, Daß wir bewußt bekennen uns zum Leben; Denn unseres Toten Ehrung liegt darin, Äaß wir dies Werk der Zukunft übergeben. Und ist auch schwer und trüb' die Zeit, - . Wir führen^aus, zu was sie uns entboten. Und winden- Kränze der Unsterblichkeit, Indem wir dankbar sind dem teurrn Toten. Eva Büttner Fesffeiern zum 50jährigen Amfsjubiläum unseres Rabbiner Professor Dr. Jakob Winter Daß ein so seltenes Amtsjubiläum eines allgemein verehrten Geistlichen, der noch dazu seine ganze Amtszeit der gleichen Gemeinde gewidmet hat, zu einem ganz ungewöhnlichen, wohl einzigdastehenden Ereignis für diese Gemeinde werden würde, war vorauszusehen. Aber alle Erwartungen wurden noch übertroffen durch dieses elementar heworbrechende Zusammengehörigkeitsgefühl, das sich in diesen Tagen zwischen dem größten Teil der Dresdner Gemeinde und ihrem ehrwürdigen greisen Rabbiner erwies. Es war gleichsam eine reiche, wohlverdiente Ernte, die Professor Winter da für sein SO jähriges treues und stetiges Wirken entgegengebracht wurde. Als Einleitung' zu den Feiern konnte die vorige Rümmer unseres Gemeindeblattes gelten, welche als Festnummer zu dem SOjährigen Rabbinerjubiläum ausgestattet war und ein Geleitwort von Rabbiner Or. Baeck, eine Würdigung der Gesamtpersönlichkeit Professor Winters aus der Feder des Gemeindevorstehers Max Leffer, eine Behandlung der wissenschastlichen Leistung Professor Or. Winters durch Herrn Rabbiner Or. Wolf, dte Gratulation der Sächsischen Rabbinerkonferenz sowie eine poetische Huldigung für Professor Winter als Kanzelredner enthielt. Ein Festgottesdiensi in der Synagoge zu Ehven des Iubilars brachte als Höhepuntt eine Festpredigt von-Herrn Rabbiner Or. Leo Baeck, dem Präsidenten der Reichsvertretung der Iuden in Deutschland und Vorsitzenden des Allgemeinen Rabbinerverbandes. Anknüp end an das Oeuteronomiüm-Wort (Kap. 31 D. 12), wonach vor allen Männern, Frauen, Kindern und Fremdlingen das Gesetz verkündet werden soll: »jiscsimeu ulemoon jilmecku« »auf daß sie'höret, und lernen . . umriß der Redner die hohe Aufgabe des Rabbiners und der mit ihm schicksalsmäßig verbundenen Gemeinde. Bei dem großen Überblick über die Geschichte der Dresdner Gemeinde in den letzten 100 Fahren fand er für Winters Persönlichkeit als einen stetigen, niemals schwankenden Charakter ehrenvolle Worte; gerade in dieser suchenden Zeit der letzten SO Fahre (1886 erwähnte er als das Geburtsjahr von Nietzsches »Fenseits von Gut und Böse") erwies sich Winter als ein schlichter Träger der Tradition, der nie dem Tage, der Sensatton, dem Modemen oder dem politischen sich unterworfen hat und deshalb ein unverändert sicherer Führer blieb. - Diese eindrucksvolle Rede Or. Baecks, deren hohes Niveau die das Gotteshaus füllende Gemeinde stark fesselte, war umrahmt von neu einsiudierten Psalmen des verstärkten Synagogenchores unter der hingehenden Leitung von Grete Anschel-Hofsiein. Unser Vorbeter trug einen »Mischeberach" vor, welchen er zu Ehren des Iubilars als einen »Thomi" durch besonders ausgewählte Gebetsworte und Huldigungen erweitert hatte, unter Benutzung liturgischer Melodien von Raphael Hofstein. Oas Mußafgebet hatte unser greiser Ehasan R. Hofsiein, der über 40 Fahre an Winters Seite amtiert hatte, sogar selbst übernommen und ergriff die Gemeinde besonders durch seine zu Herzen gehende »Keduschah" in der Tefillah. Am Abend fand ebenfalls in der Synagoge eine große Festveranstaltung statt, zu der gegen 2000 Besucher Einlaß gefunden