Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 20 (1.11.1936)
- Date
- 1936-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Genieindeblait der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Amtliches Organ -es Gemeindevorstandes MMIfltt dllMMl," ~ . Verantwortliche Schristleitung: Leo Anfchel, Dresden / Verlag: Israelitische Religionsgemeind« Dresden-A. 1, JeughauSstraße 3 / Ruf 14031 und 17887 / / Verantwortlich für den Inseratenteil: Zar. Sttrnlicht. vresden-A. 19, Stübel-Allee 35 / / Ruf 34185 / / Annahmestelle für Inserate ebenda / / Oie 4 mal gespaltene 4H-mm-Zeile kostet 22 Pfennig, laufend Rabatt / Druck: A. Gruhnert, Dresden-A. 1, Ammonstr. 61 Dresden, den 1. November 1936 j: XII. Zahrg. Rümmer 20! Bildung und Bildungsmöglichkeiten Für viele unserer Menschen haben die Ereignisse der letzten Jahre auch eine Umwandlung ihres geistigen Lebens bedeutet. Infolge der Gesetzgebung sind viele Juden, aus den geistigen Berufen herausgedrängt; die Aussichtslosigkeit, in einem geistigen Beruf fernerhin ihr Brot verdienen zu können, hat die Jugend veranlaßt, die Schulen zu verlassen, Universitäten zu meiden Die Zahl der „von Beruf“ geistigen Menschen nimmt ab. Hand in Hand damit geht eine Mißachtung der geistigen Bildung überhaupt. Mit der Hinwendung zu „praktischen“ Berufen geht zu einem großen Teil das Streben nach geistiger Bildung verloren. In dieser Entgeistigung des Lebens sehen wir eine Gefahr. Der gebildete Mensch ist gegenüber dem ungebildeten der menschlich höher zu wertende. Bildung bedeutet immer die Gestaltung des rohen Stoffes. Durch die Bildung soll auch der Mensch als ein körperlich wie geistig bildungsfähiges Wesen sich zur möglichen Kulturhöhe entwickeln. Der gebildete Mensch ist aber auch der reichere Mensch. Er sieht mit geöffneten Augen, er versteht das Leben besser, er wird sich seines Menschentums mit mehr Freude bewußt. Das Erziehungsideal des Judentums ist gekennzeichnet durch das Wort „Thora im derech-erez“, d. h. geistig religiöse Bildung, verbunden mit weltlicher Beschäftigung. Nicht der Nur-Gelehrte, aber auch nicht der Mensch, der nur seiner Arbeit lebt (am haarez), bedeutet den höchsten Menschentyp. Der Mensch soll immer wissen, daß er der irdischen und der geistigen Welt zugleich angehört. Die Abwendung vom geistigen Schaffen und die seelische Verarmung, die damit verbunden ist, müssen uns heute mit Sorge erfüllen. Nicht allein das Wissen um jüdische Dinge ist gering geworden, auch der allgemeine Bildungsstand geht immer mehr zurück. Die Gemeinde ist sich ihrer Verpflichtung bewußt, jeder Not, der geistigen sowohl wie der körperlichen, nach Möglichkeit zu steuern. Sie beabsichtigt darum, Bildirngskurse einzurichten, die es dem Bildungswilligen ermöglichen, sich Wissen anzueignen. Unter dem Namen „Jüdisches Lehrhaus“ sind in anderen Gemeinden bereits solche Einrichtungen getroffen, ^enn auch in Dresden der Name „Jüdisches Lehrhaus“ geprägt wird, so geschieht das aus dem Grunde, die neuen Einrichtungen in das Gesamtgefüge der geistigen Arbeit des Judentums in Deutschland einzuordnen. Wir sind uns dabei dessen bewußt, daß'weder die Zahl der Lehrenden noch der Lernenden so groß sein wird, um den Namen zu rechtfertigen. Immerhin mag .der Hoffnung Ausdruck gegeben werden, daß die Kraft und der Wille der geistig Schaffenden die große Zahl ersetzen. Dr. W. Es wird demnächst ein Plan der Kurse veröffentlicht werden. Inzwischen bitten wir unsere Mitglieder, im besonderen die jugendlichen Menschen unserer Gemeinde, um Anmeldungen, zugleich aber auch um Mitteilung, für welche Wissensgebiete besonderes Interesse besteht. Israelitische Religionsgemeinde Dresden. Einweihung des Heinrich «Arnhold-Baues Unser Dresdner jüdischer Kinderhort hat nunmehr ein eigenes Heim erhalten, daß alle Anforderungen nach moderner hygienischer Ausgestaltung und schöner sowie zentraler Lage voll erfüllt. Durch die hochherzige Stiftung von Frau Lisa Arnhold ged. Mattersdorff zum Gedächtnis für ihren vor einem Jahr am 10. Oktober verstorbenen Gatten, Or. Heinrich Arnhold, konnte dieser geradezu ideal schöne Sau unter Äenuhung weniger bereits bestehender Baulichkeiten für die Zwecke des Kinderhortes aufgeführt werden. Das herrlich und friedlich gekegene Gelände hinter dem unserer Gemeinde gehörigen Grundstücke Zeughausstraße l, welches mit der Synagoge verbunden ist, bot den angemessenen Äaiplah, und Herr Saumeister Architekt Frih Ärauer entschied sich im Einvernehmen mit der Spenderin und dem Gemeindevorsiand mit raschem Entschluß für den Ausbau dieses Platzes, wie Srauer auch ■^M^MB^^Bi^^HMmüafllllllllllllllllllllMlllllllllllllimilllllllllllllllllllllllllMIIIIIIIIIIII Dienstag, den 3. November 1936 abends 8 Uhr Henriette-Schie-Saal GEMEINDEABEND Landgerichtsdirektor .0 D T. Wachtel, Leipzig Leiter der Mitteldeutschen Bezirksstelle des Hilfsvereins det Juden in Deutschland e. V., spricht Uber „Planmäßige Auswanderung“ Eintritt frei! iMiiuiiiiiiiiiMiimii»iHiiiiiM<iiiiMi»iiin»iiiiii 0934810919396^273894