Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 20 (1.11.1936)
- Date
- 1936-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 20 Seite 3 Gemeindeblatt der Jsraelitischen Religion-gemeinde Dresden hatten und viele leider wegen Platzmangels wieder umkehren mußten. Zum ersten Male trat in diesem Gemeindeabend die neugegründete Znstrumental-Gemeinschafi auf, die mit einer Händel'schen Ouvertüre zu »König Salomo* den Auftakt bildete und erfreulich zeigte, daß sich bereits unter den 20 Spielern der Streichinstrumente ein echter orchestraler Zusammenhalt gebildet hat, so daß unter der umsichtigen Leitung von Walter Goldmann sowohl die ruhigen wie die energisch fugierten Teile voll zur Geltung kamen. Auch in der Sinfonie von Philipp Emanuel Lach waren schöne Klangwirkungen > $0l. «Ätnja zu hören. Besondere Hervorhebung verdienen die edele Beseelung des Andante und die frische Beschwingtheit der beiden Ecksähe, die bei einem so jungen Klangkörper überraschten. Für unsere Dresdner Veligionsgemeinde sprach der geschästsführende Vorsitzende Max Lester in warmherzigen Worten aus, was alle bewegte. Aus Verehrung für den Jubilar hätten sich alle die Anwesenden wie zu einem Familienfest zusammengefunden. Winters nie sich wandelnde Energie und Gojtvertrauen habe auch die ganze Gemeinde gestärkt, und wie ihm, der als Neunundzwanzigjähriger 1886 hier sein Amt antrat, frühere Vorsteher wie Adolf Salzburg, Max Elb, Vichard Mattersdorff, Oskar Lester'vertrauten, so blicken noch heute deren Kinder in gleicher Freundschaft und Dankbarkeit zu ihm auf. Mit Vecht stellte er ihn mit seinen großen Vorgängern Zacharias Frankl, der 1836 -1854 und Wolf Landau, der von 1854-1886 in Dresden wirkte, aus eine Stufe. Oie Bitte, als väterlicher Freund der Gemeinde den Vabbinerplah in der Synagoge zu behalten, war der ganzen Gemeinde aus der Seele gesprochen. - Dieser Vede folgte ein zu der Feier von Vaphael Hofstein in seiner schlicht religiösen Art komponierter Psalm (Esso enoj), wobei in der innigen Melodik sowohl die Sehnsucht nach Hilfe, wie in der unkomplizierten Harmonisierung die seelische Sicherheit des Behütetseins schön zum Ausdruck kam; paglin brachte die Uraufführung dieser neuen Vertonung des berühmten 121. Psalms mit echtem künstlerischen Takt zur Geltung. Rabbiner Or. Wolf feierte hierauf in einer formvollendeten Ansprache den Jubilar als seinen Meister, Lehrer Und Freund, Er wies auf ein weises Wort unserer Lehrer hin, die da fordern jedem Ehre zu erweisen, von dem man auch nur »einen Abschnitt oder eine Vorschrift* gelernt habe:, so habe König David von Ahitopel nur zwei Dinge gelernt und ihn doch »Meister und Lehrer* genannt . . . Wieviel mehr sei er als jüngerer Rabbiner seinem ehrwürdigen Amtsbruder zu Dank verpflichtet, von dem er nicht nur aus Schriften und Gesprächen, Vorschriften und Abschnittegelernt, sondern von ihm gleichsam erzogen worden sei für die Führung des heiligen Amtes ^n seiner Seite. »Bimkaum gebaulim al taamaud* - sei ein Mahnwort Professor Winters, aber an dem Platze der Großen zu stehen, da wo Zacharias Frankl, Landau und auch Winter gepredigt haben, erfordere e,s eine besondere. Haltung, den Dienst auszuüben. Verantwortung und eine gewisse Furcht erfordere das Amt, aber die Angst vor der Gemeinde »Emo de zibburo* dürfe niemals die Ehrfurcht vor dem Höchsten »Firas Aboschcm* verdrängen. Dieses sei die stetige Überzeugung Winters gewesen,, der als rechter Führer vor allem sein Gewissen gefragt und auch ihn gelehrt habe, ans Furcht vor Go« furchtlos sein Amt zu verwalten. Nachdem weitere musikalische Darbietungen den Abend bereichert hatten, - ui,d zwar sang der Kinderchor der Jüdischen Schule einige einfache einstimmige hebräische Weisen unter Leitung von Kantor Halmos, weiter trug Kantor Halmos selbst eine eigene echt jüdische Komposition in rhapsodischem Stile eindrucksvoll vor (»Omar Rabbi Eleasar*), an der Orgel mit farbigen Registern begleitet von Walter Goldmann -, hielt unser allverrhrter Rabbiner Professor Or. Winter selbst eine kurze Oankesrede. Als erster Herzensregung gab er Gott die Ohre, indem er mit den wunderbaren Schlußversen aus dem oi. Psalm »Zikrocni* (»Er rief mich an und ich erhöre Jet. @tn|ü - ihn . . .*) begann. Bei einem Rückblick auf seinen Lebensweg betrachtete er besonders diese Herausführung aus den Bedrängnissen, wie Gott ihm »Ehajim wecheßed* Leben geschmkt und Gnade erwiesen habe, damit er seine ihm gesetzte Bestimmung erreichen konnte. Denn in geistigen Kämpfen um die Wahrheit unserer Religion habe er ernst und treu sich zu bewähren bemüht. Nach diesem Aufblick zp Gott wolle er den Blick auf die geliebte Gemeinde richten, und nun dankte er in seiner klaren und selbst in der Rührung überlegenen Art allen, die ihn mit Ehrungen