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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1936-09-15 · 17 (15.9.1936) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
12 (1936)
Issue
17 (15.9.1936)
Date
1936-09-15
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Nr. 17 Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Seit» s Jüdischer Boden — -er Garant des Ausbaus Oie Z. O. <3. übergibt uns folgenden Artikel zum Abdruck: Schwere Monate hat der jüdische Jischuw Palästinas jetzt hinter sich, und noch wissen wir nicht, welches bas Ende sein wird. Und zu den Schwierigkeiten in Palästina gesellen sich die Nöte der Galuth; in vielen Ländern Europas, ja selbst in überseeischen Staaten wird die Judenfrage aufgerollt; nirgendwo scheint es einen Nuhepunkt und einen Lichtblick zu geben. Dennoch haben diese letzten Zähre und Monate wieder die große Tugend bewiesen, die das jüdische Volk in den Jahrtausenden seiner Wanderschaft durch die Welt immer ausgezeichnet hat: Lebenswille, Optimismus, unzerstörbarer Glaube an das Judentum. Ohne diese Tugend hätte das jüdische Palästina nicht die vergangenen vier Monate überstehen können und würde alles Kommende nicht überstehen. Aber wenn nicht das große Jawort der Diaspora hinter all diesen Äemühungen um ein neues Leben steht, dann ist unsere Anstrengung umsonst. Auf jeden einzelnen Juden kommt es an, daß er seine Verantwortung erkenne, die heute auf ihm ruht. Unsere Verantwortung ist: das Sterben unserer Gemeinschaft zu verhüten, Leben zu schaffen: Wir schaffen Leben, indeiii wir zum ersten Mal nach 2000 Jahren einer einzigartjgen Leidensgeschichte versuchen, aus dem passiven, allen Gewalten der Erde schutzlos ausgelieferten Juden endlich wieder einen kräftigen, selbstbewußten, von der Arbeit seiner Hände lebenden Menschen zu machen. Wir schaffen Leben, indem wir einen Loden bereiten, den wir unser Eigen nennen können, der uns ernährt, der uns trägt, zu dem wir »Heimat* sagen dürfen. Ein Jeder, der noch einen Funken lebendigen jüdischen Gefühls in sich trägt, wird spüren, daß es keine größere Aufgabe geben kann, als die Arbeit für diesen grandiosen Versuch, allen Widerständen der Welt zum Trotz aus einer zerrütteten und verschütteten Gemeinschaft wieder ein Volk zu schaffen. Wohl befinden sich bereits Tausende von Ounam Loden in Palästina in jüdischen Händen. Aber tatsächlich ist doch nur ein Zehntel des bebaubaren Lodens in unserem Besitz. Große Anstrengungen aller Juden werden nöttg sein, um diese Grundlage für die Entstehung eines jüdischen Volkes zu bereiten: Land und Siedlungsfläche. Oie Lodenflächen, die gekauft werben müssen, sind zu groß, als daß Privatleute oder Privatgesellschaften sie erwerben und verwerten könnten. Das ganze jüdische Volk muß sich vielmehr im Keren Kajemeth Lejisrael das finanzielle Instrument schaffen, mit dem die fn'edliche Eroberung Palästinas vollzogen werden kann. In der Zeit vom l. Oktober 1932 bis zum 31. März 1936 hat der Keren Kajemeth Lejisrael allein 720 728. - Pfund Sterling für Loden auf dem Lande und 38 338.- Pfund Sterling für Loden in der Stadt investiert. Diese riesigen Kapitalien sind die Äausteine für neues jüdisches Leben, das im Lande unserer Väter entsteht. Aus diesen Mitteln sind unter Mitwirkung der deutschen Abteilung der Jewish Agency große Lodenkomplexe für jüdische Einwanderer aus Deutschland erworben worden. Im Emek Ehefer ist u. a. die Siedlung Kfar Jedidja mit 30 Familien entstanden. In Jokneam (Emek Jesreel) konnte die zionistische Jugendgruppe »Werkleute*, die im Jahre 1933 den Weg zum Zionismus fand, auf dem Loden des KKL angesiedelt werden. In der Nähe von Äet Schaan ist ein großer Äodenkomplex von 6000 bis 8000 Ounam erworben worden, auf dem bereits die aus Deutschland stammende religiöse Jugendgruppe des Kibbuz Nodges arbeitet. In dem neuen Siedlungsgebiet in der Haifa Äay sind vorstädtische und landwirtschaftliche Siedlungen für Juden aus Deutschland auf dem Loden des Keren Kajemeth begründet worden. Im landwirffchaftlichen Teil von Kirjat Lialik arbeiten 23 Familen, im vorstädtischen Teil stehen auf 386 Ounam 200 neue Wohnhäuser für Juden aus Deutschland, die ihrem Äeruf in der Stadt Haifa selbst nachgehen. Auch bedeutungsvolle Erziehungs-Institute sind auf diesem durch, den KKL erworbenen Loden errichtet worden. Das durch seine Tätigkeit in Deutschland rühmlich bekannte Erziehungsheim »Ahawah* hat seine Arbeit nach Palästina verlegt und dort in der Nähe von Haifa auf dem Loden des KKL eine Ausbildungsstätte für jüdische Waisen aus Oeuffchland und Kinder der Jugend-Alijah errichtet. In Jagur steht dos auf dem Loden des Keren Kajemeth. in Erinnerung an den verstorbenen Ludwig Tieh geschaffene Hanbwerkszentrum kurz vor der Eröffnung. Damit sind nur Äeispiele aus der umfangreichen Äodenerwerbs- und Sieblungstätigkeit des Keren Kajemeth aufgezählt worben, die noch weiter fortgesetzt werden könnten. So müßte man auch davon sprechen, daß der Keren Kajemeth allein in etwa 23 Siedlungen Ergänzungskäufe vorgenommen hat, um für Siedler aus Deutschland Naum zu schaffen, daß ca. 1000 Kinder der Jugend- Alijah ausschließlich auf den auf Keren Kajemeth-Loben errichteten Siedlungen leben. Daraus ergibt sich, welche Bedeutung der Keren Kajemeth astein für die Juden aus Deutschland besitzt, es wird aber auch zur Genüge klar, daß eine gewaltige Anstrengung zur Mobilisierung neuer Mittel für den Äodenkauf in Palästina erforderlich ist, um den ständig wachsenden Drang zur Siedlung befriedigen zu können. Die Zahl der in den letzten Jahren auf KKL-Äoden neu angesetzten Siedler beträgt ca. 3000. Don der großen Zahl der aufs Land gegangenen Juden leben 79 Prozent allein auf dem Loden des KKL. Diese Zahlen veranschaulichen ganz klar, welche Funktion der Keren Kajemeth hat, zugleich aber auch, was an Aufgaben übrig bleibt, um das den Palästina-Aufbau tragende Ideal zu verwirklichen: Auf dem Loben Erez Israels eine wirtschaftlich und sozial vernünftig gegliederte Gemeinschaft zu schaffen, deren Grundlage eine mit dem Loden und der Arbeit verwurzelte jüdische Äevölkerung ist. Zu dieser Erwägung tritt noch eine besondere, gerade durch die augenblicklichen Ereignisse wieder wichtig gewordene Überlegung Hinz». Je größer die uns gehörenden Siedlungsgebiete sind, umso größer wird die Sicherheit für uns. Oie Unruhen haben gezeigt, daß die dicht besiedelten jüdischen Gebiete einen Schutzwall gegen Überfälle darstellen. Oie zusammenhängenden Siedlungen sind auch eher in der Lage, sich energisch zur Wehr zu setzen als hier und da verstreute Siedlungspunkte. Zu Nosch Haschanah wird der KKL eine große Aktion zugunsten seines Fonds durchführen; dann wird jeder Jude Gelegenheit haben, seine Solidarität mit dem Jischuw in Palästina unter Äeweis zu stellen. Mit schönen aber unverbindlichen Phrasen helfen wir unseren Srüdern im Lande nicht - wir helfen ihnen nur, indem wir ihnen materielle Güter opfern, ihnen, die in diesen Monaten ihr Leben geopfert haben, und dem jüdischen Volk, das den Mut und den Willen zum Leben hat. Niemand wird sich ausschließen, wenn der Nus an ihn ergeht. In Dresden haben flch eine Anzahl Frauen und Männer bereit erklärt, die Mitglieder unserer Gemeinde zu besuchen, um Spenden für den Jüdischen Nationalfonds entaegrnzunehmen. Es Ist eine schwierige, aufopfernde Arbeit, welche größte Selbstüber- Windung erheischt, und die mir aeleistet werden kann von Menschen mit Idealismus und mit Liebe für Ihr Volk. Wir bitten d'e Mitglieder unserer Gemeinde, diesen ehrenamtlichen Sammlern ihre schwierige Aukaobe so leicht als möglich zu machen, fl« freundlich zu emvfanaen. unabhängig davon, ob man in der Lage ffL größere ober kleine Äeträge zu spenden. Sebenket! Alles, was der Keren Kajemeth sammelt und was er er« wirbt, gehört dem ganzen iüdischen Volk. Deshalb treten wir an all« heran und erwarten Interesse und Unterstützung von Jedermann. Oie Ortskommisflon des Keren Kajemeth für Dresden H. Schocken Zionistische Ortsgruppe Dresden A. FIschl BUCHHANDLUNG KARL STRAUSS Waisenhausstrasse 25 FERNSPRECHER NR. 14 535 NEUERSCHEINUNGEN . ANTIQUARIAT . JUDAICA

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