Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 17 (15.9.1936)
- Date
- 1936-09-15
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 4 Gemeiadeblatt der Jsraelitischeu Religion«gemeinde Dresden Nr. 17 Form und Inhalt / Ein Wort über den E.-V. Dom <r.-D. gehen uns nachstehende Ausführungen zu: Eentral-Verein Am 12. August dieses Wahres ist m das Vereinsregisier beim Amtsgencht Berlin unter Nr. 3267 eingetragen worden, daß der Eentralverein Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens e. D. seinen Namen geändert hat und nunmehr Jüdischer Eentralverein e. V. heißt. Die Zweckbestimmung des Vereins (§ 2), die im Zusammenhang mit einer Reihe formaler, gleichfalls zur Eintragung gelangter Satzungsänderungen neu bestimmt ist, lautet nunmehr: »Der Verein bezweckt die pflege des jüdischen Lebens sowie die seelische, rechtliche und wirtschaftliche Betreuung der kn Deutschland lebenden Juden/ Oie innere und äußere Wandlung des in Deutschland lebenden Judentums stellt sich als ein Ereignis von geschichtlichem Ausmaß dar. Diese nicht allen Juden von Anbeginn bewußte Tatsache ruht auf uns als eine »kalte, immer neu zu erfüllende Forderung: Zn Israel soll sich jeder «Einzelne für die Gesamtheit verantwortlich fühlen. Oie Organisationen des Judentums sind lebendiger Ausdruck dieser Forderung. Zn ihnen sind nicht nur die Menschen einer bestimmten Willensrichtung, eines mehr oder weniger fest umriffenen Zieles vereinigt, sondern hier wirken die jüdischen Menschen, deren geistige und seelische Grundhaltung jenen einheitlichen Willen formt, der das Judentum auf seinem Jahrtausende alten Weg durch die Zeiten immer wieder bas Haupt hat erheben lassen. Ls ist der Wille zum Judentum, zum Glauben der Väter, zur Bejahung jüdischer Schicksalsgemeinschaft über Raum und Zeit hinaus. Nicht ohne Reibung haben die großen jüdischen Organisationen ihre Arbeitsgebiete im jüdischen Raum gegeneinander abgegrenzt, ihre Arbeitsmethoden konzentriert, ihre Leistungen verstärkt. Welcher Art und welchen Umfangs diese Leistungen sind, die nach außen nicht immer zutage treten, dafür ist die Tätigkeit des E.-V., der sich soeben als Jüdischer Eentral-Verein von neuem den Juden Oeusschlands vorsiellte, ein charakteristisches Beispiel. Er ist die Organisation des Rates, er ist der Lotse, der manches jüdische Schlcksalsschiff in stürmischer Zeit in einen Hasen steuern konnte. Benno Zacob sagt an einer Stelle seiner Einführung in den Pentateuch: handeln ist das redendst» Zeugnis des Gefühls; in der peinlichen Sorgfalt prosaischen Tuns kann mehr Empssndung liegen als in den schönsten Worten." Diese Worte stehen als mahnendes Motto über der Arbeit des E.-D. Sein Wirken und Sorgen, die opfervolle Arbeit seiner Menschen, an deren seelische Spannkraft außerordentliche Anforderungen gestellt werden, ist bei aller Betonung dessen, was vernunstsgemäß und zweckmäßig für die Gesamtheit ist, vom jüdischen Gefühl beherrscht. Dank einer vierzig Zahre alten Tradition hat der E.-D. für alle seine Arbeitsgebiete (Wirsschaft, Recht, Sozialpolitik, Kultur usw.) besonders sachverständige Mitarbeiter heranziehen können. Wer einmal einen Vormittag im Wartezimmer in der Gmser Straße verbracht hat, wer mit den Ratsuchenden sprechen konnte, ehe sie in einem Zimmer des langen Ganges verschwanden oder nachdem sie aus einem dieser Zimmer zurückgekommen waren, der weiß, wie vielfach, wie speziell die Sorgen und Wünsche, die Hoffnungen und Befürchtungen der Männer und Frauen sind, der weiß auch wieviel seelischer Taft und wieviel stilles Einfühlungsvermögen neben der selbstverständlichen Sachkenntnis dazu gehören, um nicht nur zu raten, sondern um individuellen Rat zu erteilen. Das ist die besondere Note dieser E.-V.-Arbeit, daß bei aller sachlichen und personellen Ausweitung des Apparates, die Gefahr der Bürokratisierung, des Geschäftsbetriebes gebannt wurde, der Menschen in seelischer Not erschüttert und verbittert. Nicht umsonst sprechen der E.-V. und seine Mitarbeiter gern von ihren „Freunden". Oie Mitglieder und die Nichtmitglieder fühlen, daß diese freundschaftliche Verbundenheit ihnen nicht nur entgegengebracht, sondem bei ihnen selbst stillschweigend vorausgesetzt wird. Oer Ratsuchende merkt meist nichts von der Planung dieser Arbeit, von den Entwürfen und Konzeptionen, die die Gesamtheit betreffen. Sie merken, und das ist gut so, den Willen zur Existenzerhaltung und Existenzsicherung des" Einzelnen im Rahmen der durch die Gesetze gezogenen Grenzen. Dieser Wille beherrscht die Zentrale in Berlin so gut wie die über 25 Beratungsstellen im Reich. Gerade diese Landesstellen sind von größter allgemeinjüdischer Bedeutung. Hier können die, die fernab der Zentren leben, das für ihre besondere wirtschaftliche Lage Erforderliche erfahren. Von diesen Landesstellen werden immer wieder die fteinen und fteinsten Plätze besucht, um Wünsche entgegenzunehmen und Menschen in der Gewißheit zu bestärken, daß um sie gesorgt wird. Sie kommen nicht als Bittende, sondem als Fordernde. Denn sie selbst sind es ja, die aus ihren Mitteln, aus ihren Groschen das Werk erhalten. Neben dieser Kärrnerarbeit des Alltags fleht gebieterisch die Forderung nach dem geistigen Leben. Daß der E.-V. alle jüdischkulturellen Bestrebungen unterstützt, mögen sie von den Lehrhckusern oder den Kulturbünden ausgehen, möge es sich um die Erhaltung anderer geistiger Werte handeln, ist selbstverständlich. Zn seinem eigenen Organ, der E.-D.-Zeitung, mit ihrer Auflage von 40 000 Exemplaren und ihrer Verbreitung über die gesamte bewohnte Erde, gibt er ein Beispiel dafür, wie eine bestimmte jüdische Grundhaltung mit der umfassenden Weite gesamtjüdischen Denkens in Einklang gebracht werden kann. Geistig-kulturelle, praktischwirtschaftliche, religiös-philosophische, jüdisch-literarische, weltanschauliche Fragen, Probleme der Zugend, der Frauen, Unterhaltungsbedürfnis und Gammlertrieb finden gleich aufmerksame Behandlung. Korrespondenten an allen jüdischen Zentren der Welt, in allen jüdischen Gemeinden Deutschlands verleihen ihr Aktualität. Oie Fragen der Siedlung und der Wanderung, vor allem aber das Werden und Kämpfen des jüdischen Palästina stehen im Mittelpunkt der Betrachtung, der Kritik, der Forderung zum Handeln. ,/Wer in die Führung berufen wird, wird sich alS Vertreter der Gesamtheit fühlen müssen. Es gibt nur noch eine Lösung und die heißt: Alles für unser Judentum." Das sind Worte, die der vor kurzem in die Ewigkeit berufene Vorsitzende des E.-V. Julius Brodnih bei Gründung der Reichsvertretung der Zudtn in Deutschland sprach. Er durfte sie sprechen, denn er und seine Organisation waren es, aus deren Znitiative und Einordnungswillen die Reichsvertretung heworging. Stets war es ein E.-V.-Prinzip bei Wahrung des eigenen Gesichts in den entscheidenen, lebenswichtigen Fragen des Judentums die Gesamtverantwortung voran zu stellen. Die Zeit ist an die jüdischen'Organisationen mit neuen Forderungen herangetreten. Oer E.D. kann von sich sagen, daß er die Zeit verstanden hat, daß er mit der Zeit gegangen ist. Wenn er jetzt als „Jüdischer Eentral-Verein" seine Arbeit fortseht, so wird er eine alte Tradition als Vermächtnis bewahren. Seine Arbeit aber wird der Zukunft gelten, die in der Diaspora nicht als Fluch, sondern als Schicksal vor uns stehen soll. Berichtigung Zn Nummer -16 sind durch ein technisches Versehen die Namen der Verfasser zweier Artikel weggeblieben. Oer Leitartikel »Oie Geschichte, wegweisend für unsere Zeit" war geschrieben von George Go eh, Berlin, die »Eindrücke von einer Warschauer Resse* stammten aus der Feder von Frau Prof. Büttner. Hermann Haugk Nachf. KÄeizyn Herren-Hüte — Herren-Moden Prager Straße 37 Herren-Wäsche &