Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 17 (15.9.1936)
- Date
- 1936-09-15
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/4892693-5739433-5770198--2516-4895052- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Sette 2 u>tnutn>eilfltt bet Jsraelttriche» Nelt-ton»gemeiube Dresden Nr. 17 einmal in ihre Schul und in ihr Beth hamidrasch, zu den Gräbern der Familien und der Frommen, sie gehen zu ihren Nachbarn und bitten ihnen das Unrecht ab, das sie ihnen vielleicht angetan haben, und schließlich gehen sie auch zu dem Fluß, der durch ihren Ort fließt und bitten, er möge ihnen gut gesinnt sein, denn seine Wasser werden in bas Meer münden, in dasselbe Meer, dessen Wogen sie einer neuen Heimat zuttagen: »Das Kleine ist mit dem Großen irgendwie verbunden, das Alte mit dem Neuen, das Begrenzte mit dem Unbegrenzten. Und die Elemente, dir an ihrer Stelle wirtten, Werden irgendwann ^wieder lebendig und vermählen sich dem neuen Lebens - Als am Vorabend des Bausch Haschono-Festes zum ersten Mal die Trennwand hochgezogen war, die unsere ehrwürdige Synagoge von dem neuerbauten Gemeindesaal scheidet, und damit unser Gotteshaus 350 weiteren Betern zu den Feiertagen Baum gegeben hatte, erinnerte sich die Gemeinde in Dankbarkeit der edlen Gtifterin, Frau Henriette Schie s. A., deren feinerzeitige Zuwendungen den Bau ermöglicht hatten. Am 25. Oktober (Schabbos Bereschis) fand dann der erste Gottesdienst in dem neuen Baume selbst statt, der während der Wintermonate an den Freitagabenden und Sabbatvormittagen als Synagoge diente. Aber auch sonst erwies sich der Neue Saal - oder wie wir ihn seht zur Ehrung der Stifterin nennen wollen: Henriette-Schie-Saal — als ein rechter Segen für die Gemeinde. Zn ihm fanden nicht nur Kultur- und Vortragsveransialtungen statt, sondem 'auch eine ganze Anzahl von Abenden der Vereine und Organisationen; ihnen gab der neue Baum erst den langentbehrten Bahmen. Oie Jüdische Winterhilfe -1935/36 gehörte wohl mit zu den beglückendsten Manifestationen jüdischen Solidaritätsempfindens. Mit der Bewahrung ihrer Hilfsbedürftigen vorWlnterSnot zum ersten Mal auf sich allein gestellt, hat auch unsere Dresdner Gemeinde - wie übrigens überall im Beich, dies sei zur Ehre der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland gesagt - ihre Pflicht getan. Oie Mittel, die zur Betreuung der überaus zahlreichen Winterhilfsempfänger nötig waren, wurden au'gebracht. Es hat sich dabei ein Maß von Hilfsbereitschaft auch bei den Menschen gezeigt, deren tättge Mitarbeit erbeten werden mußte, daß wir nur hoffen möchten, ein gleiches Maß von Opferfreudigkeit stets und bei allen Aufgaben, deren Erfüllung unserer Gemeinschaft obliegt, anzutreffen. Wenige Wochen trennen uns von dem Neubeginn des gewaltigen Winter- Hilfswerks. Möge die Stimmung der Hohen Feiertage, welche unsere Herzen allem Guten und Edlen zugetan sein läßt, den edlen Vorsah in uns reifen lassen, auch im kommenden Jahre blich in den- Neuen Saal immer dann, wenn das pfiichtgebot an uns ergeht; zum vollen Einsatz mit Geld und Zeit bereitzustehen. Oer Ausbildung der Zugend war die besondere Sorge der Gemeinde zugewendet. Für die ältere Zugend wurden Fortbildungskurse, hauptsächlich auf sprachlichem Gebiete eingerichtet. Oer Berufsausbildung dient die Lehrwerkstätte für Schlosserei sowie der Kursus der Fn'edhofsgärtnerei (llm eine möglichst vielseitige Ausbildung zu gewährleisten, wird z. Zt. ein Gewächshaus errichtet). Auch dem Ausbau der Gemeindebibliothek wurde fortlaufend Beachtung geschenkt. Fast alle Neuerscheinungen auf dem Gebiete der jüdischen Literatur deutscher Sprache konnten der Bücherei 'V - 4 Gewächshaus im Bau zugeführt werden, was zu einer wesentlich steigenden Benüherzahl geführt hat. Zu einer der wichtigsten Institutionen ist die vom jüdischen Schulverein geleitete Volksschule geworden. Sie vereinigt gegenwärtig, zirka -155 Kinder in fünf Klassen. Zum Osiertermin sieht die Eröffnung einer weiteren Klasse (6. Schuljahr) bevor. An Schulneulingen für -1937 sind bisher 33 gemeldet. Oie Klassen sind überfüllt, doch ist es gegenwärtig leider unmöglich, nsue Klaffen einzurichten, sodaß manches Aufnahmegesuch zurückgesiellt werden mußte. Oer Geists der Schule ist ein denkbar guter; es darf wohl ohne Phrase von einem rechten Vertrauensverhältnis zwischen Schule und Elternhaus gesprochen werden. Während der Sommerferien wurden Ferienlager für Mädchen und Knaben in porschendorf und in Bautzen durchgeführt. Auch durch Verschickung von Kindern nach Teplitz (durch das großzügige Entgegenkommen dortiger Freunde) und Kistingen konnte das Notwendige an Erholungsfürsorge geleistet werden. Werfen wir einen Blick auf die Gemeindearbeit, die im neuen Zahre zu leisten sein wird, so gilt unsere Sorge in erster Linie der Mittelaufbn'ngung für die Erhaltung von Existenzen, die Zurverfügungstellung von Zuschüssen für die Ausbildung und, soweit erforderlich, für die Auswanderung. Gerade nach der letzten Bichtung steigen die Anforderungen sehr, da neben Palästina mehr noch als bisher die Überseeauswanderung in Frage kommt, die besonders teuere Passagen erfordert. Besondere Fürsorge gilt unfern Kindern, nichts soll ungetan bleiben, was dem jungen Geschlecht zur Festigung der körperlichen Gesundheit und der seelischen Tüchtigkeit nottut. Wir werden gleich zu Beginn des Synagogenjahres die Genugtuung haben, einen Bau seiner Zweckbestimmung übergeben zu können, der in erster Linie dem Kinderhort dienen wirb: Durch eine großzügige Stiftung der Witwe deö Herrn Or. Heinn'ch Arnhold war es möglich, daS Gartengebäude des Gemeindeanwesens Zeughausstraße l unter gleichzeitiger Errichtung eines Gelen'ügels zum „Heinrich-Arnhold- Bau* auszugestalten. Zn diesem Bau, der auch einen kleinen Saal enthält, konnte neben lustigen und schönen Bäumen für den