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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1936-09-01 · 16 (1.9.1936) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
12 (1936)
Issue
16 (1.9.1936)
Date
1936-09-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seu« 2 i'lrtneinJf Man der 3) r a e11111 dp e n Sie 11 g t o n g e m e i n 5e Dre « ve „ lit. 16 Unbekümmerter sich finden, der nicht mitmacht, der mit frischem Wort dazwischenfährt. Wir bringen unsere Tage hin wie ein Geschwätz!* sagt ja auch der psalmist. Sr sagt es, damit wir aufhären! Was soll dennherauskommen bei diesen »Unterhaltungen über die Gegenwart", in denenkeineswegs von den wirklichen Zusammenhängen der Gegenwart die Nede ist, sondern nur vom zufälligen Sies und Das: Haben Sie schon gehört?, wissen Sie schon?, glauben Sie auch, - - fa was glauben wir eigentlich? Glauben, nein wissen könnten wir immerhin schon Das, was wichtiger ist, als alle unzusammenhckngenden Einzelheiten der Gegenwart: das Prinzipielle, Gesetzmäßige und Unveränderliche an der Geschichte des Zudentums. Sie, die Geschichte ist nicht »tote Vergangenheit", sondern ebenso wie unsere Gegenwart zur Geschichte gehört, genau so gehört auch unsere Geschichte zur Gegenwart, wirkt in sie hinein und bestimmt das £et>en jedes Einzelnen von uns. Das haben wir ja gerade jetzt erfahren, und dann liegt ein ungeheurer Trost. Denn wenn ofi gesagt wird, die Geschichte wiederhole sich nicht, so kann dem entgegen gezeigt werden, daß die jüdische Geschichte eine einzige Kette immer sich gleichender, gesetzmäßiger Wiederholungen ist. Alle Strafandrohungen der Propheten haben sich in allen Jahrhunderten immer wieder erfüllt, aber auch alle Verheißungen! Diese Erkenntnis erfüllt uns mit neuer Krast und läßt keine Verzweiflung aufkommen. Freilich ist es richtig: die Tagessorgen können durch geschichtliche Erkenntnis nicht beseitigt werden - nicht die Sorge der Väter, die abends ihre Tageseinnahme aus der Gchieblade nehmen und sich fragen, wie sie ihre Lieben durchbringen sollennicht die Sorge der Mütter, unserer jüdischen Mütter, die als Hausfrauen - ofi schwerer als der Mann - den Nahkampf mit dem Leben führennicht die Ratlosigkeit der Jugendlichen, die nicht wissen, auf welchen Äeruf sie sich vorbereiten sollen, denn oft genug hat einer ein halbes Fahr oder länger seine beste Kraft an die Erlemung bestimmter Äerufsfertigkeiten gesetzt, und dann bietet sich ihm eine unvorhergesehene Gelegenheit zu ganz etwas änderm, und er kann diese neue Möglichkeit nun nicht wahmehmen - diese Tagessorgen bleiben und keine geschichtliche Erkenntnis erseht die praktische Arbeit, die zu ihrer Äeseitigung, zur Lösung der Gegenwartsnöte geleistet werden muß. Aber eines vermag die geschichtliche Erkenntnis: sie gibt uns - mehr als nur Hoffnung - die Gewißheit: wir werben diese Sorgen meistern. So hat schon in alten Tagen der Prophet Jesaja voll Dank gejubelt: »Gott, der Herr, gab mir eine Zunge, den Matten mit dem Worte zu stützen!" Za wohl: mit dem Wort, hinter dem ein wirklicher Gedanke steht und die Erkenntnis unserer Geschichte. Wir alle sind matt und krank, und uns alle stützt und heilt das Wort der Geschichte. Da faßt die Zugend neuen Mut, denn nun weiß sie - scheint uns die Zukunft auch verhängt wie durch Dornen - daß es durch Dornen vorwärts geht. Und die Men, wenn sie sich auch fragen, ob sie wohl noch die Tage der Gesundheit schauen werden, so gilt doch für sie: die jüdischen Eltern sollen l . j Ein Begriff für beste Stoffe j r und vorbildlichen Schnitt!! . * Für Ihre Reise Anzug, Costüm | und Mantel von echt englischen j I Harris Tweed! 1 1! | 1 POSNER & CO., HERRENSCHNEIDER :! HEMDENMACHER : | PRAGER STRASSE 32 — FERNRUF 19284 | erst noch gefunden werden, die nicht unter all ihren Tränen dennoch Trost darüber empfinden, daß sie es sind, die nach geschichtlicher Fügung eine Zeit des Abstiegs auf sich zu nehmen haben, damit die Kinder, unsere geliebten Kinder, eine neue Zukunst gewinnen —_ wir wissen nicht, wo und wie, aber wir wissen, daß es so kommt. Das ist heilig und gewiß. Mit diesem Bewußtsein meistern wir alle unsere Krankheit. Es schweigen alle übersüssigen und mutlosen Krankengespräche, und aufs neue regt sich, gesund und siegreich, der Wille zum Leben, zur wirklichen Arbeit. Nun erst können wir arbeiten. Oie durch geschichtliche Erkenntnis geheilte Seele nimmt wahr, baß auch dem Körper die Kraft zur Gesundung noch inne wohnt: die materielle jüdische Hilfsarbeit der Gemeinden und Zentralinstitutionen wird zum Erfolge führen: nun stellen wir uns in die Neihen, nun stellen wir unserer jüdischen Gemeinschaft und allen ihren Einrichtungen unsere ganze Kraft zur Verfügung, wissend: dies Werk ist nicht vergebensaufrecht und gesund werden wir in die Zukunft schreiten, wir Kranken - bald nur noch krank gewesen. Oie Türe öffnet sich, die Türe dieses Wartezimmers Weltgeschichte, und bei der Hand faßt Uns Oer, dem wir wieder vertrauen gelemt haben: der Herr der Geschichte, der die Treue hält denen, die im Grabe schlummern, Israels Stammvätern, und - in der Treue zum uralten »Bund", zu diesem undurchbrechbaren Gesetz, das er selbst über Zsrels Geschichte aufgerichtet hat - auch uns ein heilender Arzt ist. Wir sind krank, wieder genesen - das ist wahr! Eindrücke von einer Warschauer Reise V. Jüdische Maler im Warschauer Nafional-Museuin Inmitten der „Allen Stadt", >vo die 360jährigen schmalen, Nohen Häuser skchen mit ihren charakteristischen Torbogen, Bemalungen und Höfen «unter ihnen die berühmte Weinstube der Familie Fukier, in der auch E. Th. Hoffmann getrunken und seine Erzählungen geschrieben hat», liegt in der Podwale-Straße das Nakional-Museum. Es enthält eine hochansehnliche Bildergalerie mit besonders wertvollen altdeutschen Gemälden (Türer, Grünewald, Scheufflin,, Niederländische Äunft (u. a. ein Selbstportrait Rembrandts und Bildnis der Saskia), gute Franzosen und Ztaliener (so: ein Etädtebild Dresden von Eanaletto). Sehr reich ist die polnische Zkunst vertretenes würde natürlich zu iveit führen, alle die ausgezeichneten und in Deutschland fast unbekannten polnischen Künstler zu erwähnen, nur Wimmlers Portraits und Josef Brandts große Schlachtenbilder (Schlacht bei Grunewald-Masuren gegen die Ordens, ritter) und die stimmungsvollen Weichsel-Landschaften der Malerin Krzyzanowska will ich hervorheben. Bon moderneren Meistern, die uns als Juden besonders interessieren, sind zu nennen: Leopold Horowitz mit zwei glänzend lebendigen Bildnissen von Frau Dembowsky und von Kronenberg, weiter Alexander Lefler (1814—1884) mit einem Werkstatt-Interieur im Rembrandtschen Halbdunkel und einem an Feuerbach gemahnenden Frauenportrait Julie Lesser, Wojciech Gerson mit - Portraits, Landschaften Und Genre-Bildern, und unter den modernsten Malern hängt ein Portrait „Jacob Glaß" von Alina Bondi. Eines der eindruckvollsten Bilder der Galerie stammt von Alexander Gierymski (1849—1901), der in Europa weit herum-

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