Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 8 (15.4.1936)
- Date
- 1936-04-15
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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5fllt 2 t V) f mcintrtlall **t Wtli(ii)H((uinn>( i'mCfn Ui 8 brwegung - öeren Irifnn$ in den Händen der Veichsvertretung liegt ' einen großen Teil der jüngeren und gefunden Menschen zur Handarbeit umscbulcn, so besteht doch die große Mehrheit derjenigen Auswanöerungswilllgcn, die nicht nach Palästina gehen, aus Kaufleuten oder Intellektuellen. An diesen beiden Berufskategorien besteht aber fast nirgends wirklicher Bedarfs im Gegenteil, der Überfluß an Akademikern ist heute ein Weltproblem, das etwa in Frankreich ebenso akut ist wie in den meisten südamerikanischen Ländern, und das die jüdische Einwanderung umsomehr erschwert, als der überall wachsende Nationalismus gerade die akademischen Berufe oor Überfremdung durch gesetzliche Maßnahmen zu schützen weiß. Verhältnismäßig leicht sind unter diesen Umständen nur Chemiker und Ingenieure untcrzubringen; die Auswanderung aller anderen Akademiker ist äußerst schwierig. Auch kaufmännische Angestellte und Kausleute bilden allgemein eine schwere Aufgabe für die Auswanderungspolitiker, zumal wenn sie über kein Kapital verfügen, wie dies bei den deutschen Juden schon infolge bet Devisengesetze fast die Vegel ist. Verhältnismäßig leicht ist die Unterbringung aller Arten von Handwerkern, von Hauspersonal, Landarbeitern und Landwirten, die aber bei der Berufsstruktur der deutschen Iuden allzu selten vertreten sind. Zu diesen großen aus der anormalen sozialen Schichtung unserer Menschen entspringenden Schwierigkeiten kommen nun aber vor allem die tausendfachen und im einzelnen noch täglich wachsenden Hemmungen, die sich aus der Einwanderungspolitik der überseeischen Länder ergeben. Die Tendenz zur Einwanderungsbeschränkung ist schon in der ganzen Nachkriegszeit in der gesamten überseeischen Welt spürbar gewesen, hat aber, erst durch die Weltwirtschaftskrise ihre volle Stärke erlangt. Kein Außenstehender macht sich einen Begriff davon, welche unsäglichen Mühen unter diesen Umständen selbst eiire bescheidene auswanderungspolitische Leistung erfordert. Vergeht doch kaum eine Woche, ohne daß dieser oder jener überseeische Staat neue Einwanderungsbestimmungen erläßt,'oder noch häufiger durch seine Konsulate die'Handhabung der gellenden Bestimmungen ändert, und d. h. meistens verschärfi. Als dies muß, ebenso wie die Wandlungen der Wirtschastslage in sämtlichen überhaupt in Frage kommenden Einwanderungsländern - und die jüdische Auswanderung aus Deutschland hat sich bisher aus nicht 'weniger als 41 Länder verteilts - fortlaufend ver olgt und den ratsuchenden Auswanderungswilligen sofort übermittelt werden, wenn nicht schwerster, ost unwiederbringlicher Schaden angerichtet werden soll. Wenn doch die zahllosen Autoren, die heute ohne Kenntnis der harten auswanderungspolitischen Wirklichkeit großartige Pläne zur Errettung der deutschen Juden durch Massenauswanderungen entwerfen, einmal Einblick nehmen könnten in die tägliche Arbeit der Stelle, der die Leitung der gesamten jüdischen Auswanderung nach allen Ländern,- außer Palästina, anvertraut ist und die auch seit langem vom Neichsminister des Innern als gemeinnützige Beratungsstelle für jüdische Auswanderer anerkannt ist - es ist der Hilfsverein der Iuden in Deutschland! — Während sich im oberen Stockwerk von früh an die Zahl der Ratsuchenden so gewaltig staut, daß ofi viele dutzende Menschen gleichzeitig warten, fertigen zwei , leitende Beamte des Hilfsvereins, von denen einer eine mehr als 36jährige unersetzbare Erfahrung besitzt, einen künftigen Auswanderer nach dem anderen ab, währenddessen wird in den benachbarten Büros und vor allem in dem unteren Stockwerk, wo der Leiter des Hilfsvereins, Dr". Wi schnitz er, seines Amtes waltet, eine Fülle von Post, nicht nur aus allen Teilen Deutschlands, und besonders von den 13 Auswandererberatungsstellen des Hilfsverein im Reiche, sondern buchstäblich aus allen Ländern der Welt beantwortet - Briefe aus Charbin in der Mandschurei, Briefe aus Samoa in der Südsee, Briefe aus Haiti und Ecuador, und immer wieder Stöße von Briefen aus Argentinien, Brasilien, den Vereinigten Staaten und Südafrika - den zurzeit wohl wichtigsten überseeischen Einwanderungsländern. Zeitungen und Zeitschriften in den verschiedensten Sprachen werden durchgesehen, excerpiert, übersetzt; Ferngespräche aus der Provinz, aus dem Ausland werden gemeldet, Besucher aus Holland, Frankreich, England, Italien und Amerika empfangen, alles mit dem einem Ziel,. zu helfen, daß möglichst viele deutsche Iuden im Ausland eine neue Existenz finden können, ünd neben die Arbeit der Berliner Zentrale, die früher in Hamburg und Bremen je eine Zweigstelle unterhielt, ist seit einigen Wochen die Tätigkeit der 11 neu verpflichteten Auswandererberater im Reiche getreten,- in den wichtigsten Städten werden di-.': in engster Fühlung mit den dortigen jüdischen Gemeinden ihre Tätigkeit ausüben und die Berliner Zentrale von einem Teil der immer mehr anwachsenden Arbeit entlasten. Ein anderes Mittel, der jüdischen Öffentlichkeit zu dienen und die künftigen Auswanderer möglichst gut. auf ihr neues Leben vorzubereiten, war die Errichtung von Sprachkursen, die Anfang dieses Iahres vorgenommen wurde und zu einem vollen Erfolge geführt hat,- schon lernen Hunderte von künftigen Auswanderern in den Kursen des Hilfsvereins die Sprache der wichtigsten Einwanderungslänber, Englisch, Spanisch, portugiesisch; und der Hilfsverein denkt daran, auch im Reiche, soweit nötig, derartige Kurse zu errichten oder anzuregen. So werden Tausende von deutschen Iuden das teure Lehrgeld sparen, das jeder Einwanderer zahlen muß, der der Landessprache unkundig, sich eine Existenz zu gründen versucht. Wieviele deutsche Iuden mögen in den letzten drei Iahren in überseeischen Ländern eingewandert und zu einer neuen Existenz gekommen sein? Wir kennen nicht die genaue Zahl, aber man wird auf etwa 30 bis 46000 schätzen dürfen, und soviel wenigstens ist sicher, daß in Südafrika, Brasilien, Argentinien, Chile und nicht zuletzt in den Vereinigten Staaten Tausende von deutschen Juden Fuß gefaßt haben und vielfach schon ihre Verwandten Nachkommen lassen, - und daß selbst aus den Ländern, die bisher von der jüdischen Auswanderung (nicht nur aus Deutschland) wenig berührt waren, wie Peru, Ecuador, Columbien usw. immer häufiger Briefe eintreffen, die von der gelungenen Gründung neuer Existenzen, zuweilen auch schon von der Bildung der ersten Hilfskomitees in diesen Ländern zu berichten wissen. All dies bildet gewiß keinen Anlaß zur Selbstgefälligkeit für den Hilfsverein, wohl aber einen Ansporn weiterer eifriger Arbeit. Und die Schwierigkeiten wachsen immer neu. l0je Verschärfung der deutschen Devisengesehe macht die Auswanderung selbst bemittelter Elemente zu einem überaus komplizierten Problem, so daß der Hilfsverein auch in solchen Fällen immer häufiger um sachkundigen Rat gebeten wird. Das Studium der verschiedensten Transferprojekte, die Verhandlungen mit den Reichsbehörden, die ständige Fühlungnahme mit der Reichsvertretung der Iüden in Tmhiahrs-Tleuheiten Kleider / Camfitets / Mäntel / Kostüme / Btusen / Röcke / Kindersachen Besichtigen <ZL bitte zwanglos unsere umfangreichen Eüger moderner lagesutare Am Altmaikt GOLDMANN Am Altmarkl