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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1936-04-15 · 8 (15.4.1936) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
12 (1936)
Issue
8 (15.4.1936)
Date
1936-04-15
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Amtliches Organ des Gemeindevorstandes Mleilunosbloir ~ ' Verantwortliche Schriftleitung: Leo Anschel, Dresden / Verlag: Israelitische ReligionSgrmeinde Dresden-A. l, Zeugbausstraße 3 / Ruf 14051 und 17887 / / Verantwortlich für den Inseratenteil: Iac. Sternlicht. Dresven-A. 1», Stübel-Allee 35 / /• Ruf 34185 / / Annahmestelle für Inserate ebenda / / Die 4 mal gespaltene 46-mm.Zeile kostet 22 Pfennig, laufend Rabatt/ Druck: A. Sruhnert. Dresben-A. i, Ammonstr. -l all» •<« XII. Zahrg. Dresden, den 15. April 1936 Nummer S Die Jüdische Winterhilfe Dresden dankt Mit freudiger Genugtuung dürfen wir bekennen, daß es dank des Opferwillens und der Einsatzbereitschaft aller Kreise unserer Gemeinschaft gelungen ist, das Versprechen einzulösen, das wir am Anfang unserer Arbeit gegeben haben; Kein Bedürftiger blieb in bieserZeit,in der wir im Kampf gegen Wintersnot zum ersten Male aus uns selbst gestellt waren, ohne unsere Hilfe. Dank sei erstattet allen Spendern und allen freiwilligen Mitarbeitern, deren materiellen und persönlichen Opfer uns die Erfüllung der schweren Ausgaben ermöglicht haben.. Echtes Semeinschastsgesühl, sich äußernd in beglückender Tat, wie es im Judentum seit Fahrtausenden vorhanden ist, hat sich in der modemen Form eines Wlnterhilsswerkes geoffenbart. Auö tief-innerlicher Religiosität - dort, wo sie schlummerte, geweckt durch di« seelischen Erschüttemngen der letzten Jahre - und anknüpsmd an uralt« jüdische Tradition, ist mit der ^Jüdischen Winterhilfe 1935/36* ein Fundament gelegt worden zu einer neuen werktätigen jüdischen Rächflenliebe. Oer heilige Ernst, mit dem wir an das eben vollendete Werk herangegangen sind, er beseele uns alle auch weiterhin. Uns, die wir in der Fürsorgearbeit stehen und in diesen Wintermonaten die Freude hatten, einmal die zusätzliche Hilfe gewähren zu können, die leisten zu können wir uns so oft vergeblich gewünscht hatten - man denke an die vielen Familien, in denen wegen langjähriger Erwerbslosigkeit des Emährers seit Fahren Kleidung und Wäsche nicht mehr nachgeschasst werden konnte, und bi« nunmehr ihre dringendsten Wünsche aussprechen dursten. Er beseele aber auch uns alle, die wir als Gebende und Mithelfenbe einmal wieder das beglückende Gefühl verspürt haben, an einem großen Semeinschastswerk mitzubauen, über die festgesetzie Zell der Winterhttfe hinaus für alle Zeit. Das pflichtbewußtsein, die Erkenntnis, daß die Rot in weiten jüdischen Kreisen ja mit Beendigung der offiziellen Winterhilfe nicht aufgehört hat zu bestehen, könnte uns veranlassen, den Dank der Winterhilfe zu schließen mit einem neuen Aufmf zum Geben. Wir möchten dies nicht tun, da wir glauben, in diesen schweren Wintermonaten, die hinter uns liegen, die Gewißheit haben erlangen zu dürfen, daß die Mitglieder unserer Gemeinschaft, deren Gewissen nun einmal wach geworden und deren Auge für die Rot des Rckchsten geschärft ist, spontan, aus eigenem Antrieb, der Gemeinschaft die Mittel und die Hilfe zuteil werden lassen, derer fle bedarf. Ein kleiner - sozusagen technischer - Hinweis auf eine Möglichkeit für jeden Juden, mit dem großen Hilfs- und Ausbauwerk der Gemeinschaft in ständiger Fühlung zu bleibeu, sei nicht unterdrückt. Viele Gemeindemitglieder sind bereits seit zwei Fahren im Besitze der sog. Blauen Beitragskarte und bekunden allmonatlich durch Kleben einer Beitragsmarke im Werte von RM 0.25 bis RM 5.- ihre jüdische Solidarität. Da die Einrichtung dieser Blauen Beitragskarte offenbar noch nicht allgemein bekannt ist, sei ihr Zweck kur; erwähnt: Mit ihr sotten erfüllt werden neben den Aufgaben der Hilfe, nämlich der Unterstützung für die Rotleidenden und Per Sorge für die Alten und Kranken, vor allem die Pflichten des Aufbaus, die Sorge für das Schulwerk, die Berufsausbildung, die Auswanderung, die Gründung neuer Existenzen. Oer Rachhall der eben verklungenen peffachtage sei stark genug, jeden von uns seiner mit keinem Zeitpuntt endenden weil stets sich erneuernden Pflicht eingedenk sein zu lassen: Hilfe und Aufbau. Jüdische Auswanderungspolitik heute Oie Arbeit des Hilfsvereins Oer Auswanderungsdrang, der die jüdische Bevölkerung des Reiches seit dem letzten Sommer und besonders seit Erlaß der Rümberger Gesetze erfaßt hat, ist an Stärke nur dem vergleichbar, der der Panik des Frühjahrs 1933 entsprang. Währmb aber damals Furcht vor dem ungewissen Schicksal das vorherrschende Auswanderungsmotiv war und tausende von Fuden ohne geeignete berufliche oder fachliche Schulung, ohne Kenntnis der Verhältnisse im Einwanderungsland einfach auf gut Glück hinauszogen, um zunächst tn irgend einem Rachbarland - wie Frankreich, Holland oder der Tfchechoflowakei die nächste Zukunst abzuwarten, ist heute die Lage ganz anders. Fetzt muß und will der jüdische Auswanderer im allgemeinen die Heimat verlassen, well er keine Erwerbsmöglichleiten mehr vorflchsieht. Er geht nicht mehr mit dem Wunsch hinaus. irgendwo auf die Möglichkeit der Rückkehr zu warten, sondem mit dem festen Ensschluß, womöglich eine neue Heimat zu finden. Deshalb will er sich auch vorher sorgfältig über die Aussichten in den Einwanderungsländern unterrichten und besitzt vielfach die Talkrast, flch sprachlich und ost auch beruflich auf dasmeue Leben vorzubereiten. Aus der chaotischen, fluchtartigen Emigration von 1933, ist eine allmähliche in hohem Maß planmäßig gelenkte jüdische Auswanderung geworden. Freilich stößt bas Bestreben, planmäßige jüdische Auswanderungspolitik in her Weise zu treiben', daß jeder Auswanderer dahin gebracht wird, wo er am ehesten Aussicht auf eine neue Listen; hat, auf ungeheure Schwierigkeiten. Sine der größten liegt in der Berufsstruktur der deutschen Fuden. Mag auch die Umschichtung»- 7934117919396^279894

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