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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1936-04-15 · 8 (15.4.1936) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
12 (1936)
Issue
8 (15.4.1936)
Date
1936-04-15
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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nt. 8 tä>e in 11 n b e M o 11 btt Jjtaelttijche» Nr ItgtonfgemetnbeDteftben Sette 3 Deutschland, sowie mit den großen jüdischen Organisationen des In- und Auslandes, in erster Linie mit der K^A und der HICEM, und häufig auch die Verhandlungen mit fremden Regierungen, all das gehört zum täglichen Brot der Mitarbeiter des Hilfsvereins. Daneben muß der gefährlichen Irreführung der jüdischen Öffentlichkeit durch wilde Projektemacher begegnet werden,- eigene pressepublikationen des Hilfsvereins und die Entsendung leitender Kräfte zu öffentlichen Vortragsabenden in den großen Gemeinden Deutschlands erfüllen diesen Zweck. So fleht der Hilfsverein der Iuden in Deutschland heute vor einer Fülle neuer Aufgaben, die er auch weiterhin mit Besiimmtheit zu bewältigen hofft, wenn er nur die verständnisvolle Förderung und tätige Anteilnahme der jüdischen Öffentlichkeit findet, auf die er ficher einen berechtigten Anspruch hat. Funktion und Bedeutung des Keren Kajemeth Lejisrael im Aufbau-Prozeß Don der Z. Q. G gehen uns nachstehende Ausführungen zu: »Ich bin ein Fremder und Einwohner bei Euch; gebt mir ein Erbbegräbnis bei Euch, daß ich meinen Toten begrabe, der vor mir liegt." Diese Worte, die die biblische Legende') den Erzvater Abraham sprechen läßt, als Sarah gestorben war, haben bis heute eine eigentümliche Äedeutung behalten; wir, die jüdische Erneuerungs-Bewegung im 20. Iahchundert der gewöhnlichen Zeitrechnung, wir kaufen das Land in Palästina, wie Abraham die Höhle Machpelah gekaufi hat. -Man kann zwar einwenden, daß unsere Vorfahren, als sie unter der Führung Iehoschuas sich Kanaans bemächtigten, auf die Methode des privatrcchtlichen Bobenkaufes verzichten konnten; sie teilten den Äoden nach dem Vechte des Eroberes unter sich auf, nachdem sie die früheren Eigentümer mit der Schärfe des Schwertes vernichtet hatten. Aber da die Zeiten vorbei sind, in denen die Mauem fester Städte vor bloßem Posaunen-Schall zerfielen, und Palästina von heute kein leeres Land ist, so kann die jüdische Siedlungstätigkeit, wo sie tatsächlich unbesetzte Böden fast nirgendwo antrifft, (wie etwa im Aegew, der Steppenlandschast im Süden), nicht anders durchgeführt bzw. vorbereitet werden, als durch Kauf und Erwerb von den bisherigen Bodenbesihern in Formen des Vechts und der Sitte, die denen in grauer Vorzeit nicht unähnlich sind. Oer erste jüdische Bodenkauf in Palästina, von dem wir hören, eben jener Kauf der Höhle Machpelah als Erbbegräbnis für Abraham und seine Familie, war der Kauf eines Einzelnen - eines Einzelnen freilich, dem verheißen war, daß er;um Stammvater eines großen Volkes werden würde. Als diese Weissagung sich erfüllt hatte, als das jüdische Volk in der Offenbarung äm Sinai erfuhr, »daß die Einwohner des Landes in seine Hand gegeben würden,"'') da wurde ihm zu gleicher Zeit ein Bodengesetz auferlegt, das auf das entschiedenste die Auswirkung jeden persönlichen Eigennutzes verhinderte?) Oie Bestimmung, daß durch das Iobeljahr in jedem 50. Iahre alle inzwischen vorgekommenen Besitzoeränderungen annulliert wurden, stellte stets die dem normalen Bedürfnis der Familien, Sippen und Stämme bei der Landnahme entsprechenden Besitzgrößen wieder her und verlieh der gesamten gesellschastlkchen Struktur auf der Grundlage kleinbäuerlicher Wirtschaft eine wirtschaftliche Stabilität. Es wurde dem Volke ausdrücklich geboten: „Damm sollt Ihr dgS Land nicht verkaufen für immer; denn das Land ist mein, und Ihr seid Fremdlinge und Gäste vor mir!"'') Oie Sicherung der gerechten Verteilung des Bodens durch das Institut des Iobel-Iahres wurde derart unter den Schuh^ der denkbar höchsten Autorität gestellt: Gott selber ist der Eigentümer des Bodens, sein auserwähltes Volk darf sich vor ihm nicht anders betrachten denn als eine Gemeinschaft von Pächtern und Gastsaffen. Als im -lv. Iahrhunbert aus der Iudenheit in der Golah zum ersten Mal seit langer Zeit wieder ernsthafte Versuche unternommen wurden, in Palästina eine jüdische Kolonisation in die Wege zu leiten, ja durch sie die Iudenfrage in dsr Welt zu beantworten, da erhob sich schon im Anfänge das Problem, auf welche Weise diese Kolonisation Fuß fassen sollte. Alle Siedlungsversuche vor der I) I. Luch M. 23,4 '-o II. Luch M. 23,31. ®) III. Luch M. Kap. 23. «) III. Luch M. 25,23. Ära des politischen Zionismus begannen mit Bodenkäufen. Aber es war klar, daß diese Bodenkäuse, die hier und da je nach Maßgabe der Gelegenheit und der zufällig vorhandenen Geldmittel erfolgten, wohl für diese oder jene Kolonie den Boden beschaffen, niemals aber bei ihrer Vereinzelung und Planlosigkeit als die zukünftige Basis einer allgemeinen jüdischen Kolonisation dienen konnte. Es zeigte sich dann auch sehr bald, daß die Mittel der Gesellschaften, zu denen die Zionsfreunde vornehmlich in Osteuropa sich zusammcngeschloffen hatten, durch den Kauf der Böden in einem solchen Grade beansprucht wurden, daß die dem Bodenkauf ja erst nachfolgend» eigentliche Kolonisaiion nicht mehr durch Beschaffung ausreichenden Inventars, Gewährung von Kredithilfen bei unvorhergesehenen Fchlschlägen, Mißernten und dcrgl. gestützt werden konnte. Daß dann Edmond Rothschild, »der Baron", als Vetter in der Vot eingriff und nach und nach der Protektor des ganzen Siedlungswerkes wurde, war das natürliche Ergebnis der Entwicklung. Oie llneigennützigkeit, seiner Motive ist über jeden Zweifel erhaben; aber die Kolonisation nahm immer stärker den Eharakter eines philantropischcn Unternehmens an. Oie einzelnen Kolonisten wurden zu Unterstützungs-Empfängern, die unter deb Vormundschaft der Votschild'schen Verwaltung die Lust an eigener - Initiative verloren. Auf diese Weise konnte die Iudenfrage nicht gelöst, konnte nicht einmal der Iischuw Erez Israels vergrößert werden. Auf den von privaten Gesellschaften erworbenen, schließlich unter die Verfügungsgewalt des Barons gelangten Böden saßen jüdische Kolonisten, die arabische Lohnarbeiter beschäftigten. Iüdisch waren diese Kolonien nur in ihrer gesellschaftlichen Oberschicht, die zahlenmäßig gering blieb und oftmals ihre eigenen Nachkommen nicht auf dem Boden halten konnte. Wieweit Theodor Herzl in vieler Hinsicht auch von den Ursprüngen jener Gefühle entfernt war, die die Ehowcwe Zion zur Aufnahme der Kolonisations-Tätigkeit in Palästina auch unter den ganz ungünstigen Bedingungen des türkischen Absolutismus und der unbeschränkten Pascha-Wirtschafi bewogen hatten - insoweit sah er völlig richtig, als er meinte, daß diese Kolonisation nicht den Ansprüchen genüge, die das jüdische Volk stellen müsse. Er vertrat die Auffassung, daß die Siedlung unter grundsätzlich anderen Gesichtspunkten und mit umfassender Großzügigkeit betrieben werden müsse, was allerdings erst dann möglich sei, wenn sie »öffentlichrechtlich gesichert" sei. Er wurde nicht müde zu betonen, daß man ein Land nicht privatrechtlich, sozusagen in einzelnen Parzellen, ankaufen könne, sondern daß man zuvor bestimmte Hoheitsrechte über es erwerben müße. Nun wurde freilich auch Herzl ini Lause der Zeit klar, daß selbst nach Erhalt dieser Hohhcitsrechte über Palästina, in Gestalt des sogenannten Eharters, und selbst unter der Voraussetzung, daß alle bis dahin der öffentlichen Hand gehörenden Ländereien, ohne weiteres der jüdischen Kolonisation zur Verfügung stehen würden, eine großzügige Bodenkaufstätigkcit nach privatem Vecht notwendig sei, um in genügendem Umfange Siedlungsraum schaffen zu können. So stimmte er dem Vorschläge zu, den bereits auf dem i. Kongreß in Basel 1807 Professor Hermann Echapira vorgebracht hatte, einen Fonds zu schaffen, der ausschließlich dem Zwecke des Bodenkaufs in Palästina dienen solle. Auf dem V. Zionisienkongreß in Basel 1901 wurde als solcher Fonds der Keren Kajemeth Lejisrael (Iüdischer Nationalfonds) gegründet. Fortsetzung und Schluß in nächster .'lummer.

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