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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1936-03-01 · 5 (1.3.1936) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
12 (1936)
Issue
5 (1.3.1936)
Date
1936-03-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Nr. 5 (StmtinbtHal t >et Israelitische» Kt [ tgl o nt g t m t i Ute Dresden Seite Z bekehrten Sünder"— jubelte das Wort und die Melodie sagte und klagte genau wie jene, die weint: „Schau her, wie gesunken unsere Ehre unter den Heiden ist, wie sie uns gleich einer unreinen Abgesonderten verabscheuen!" . . . Irrte sich die Melodie? Irrte der Beter? Jauchzet Gerechte in dem Ewigen, den Nedlichen geziemt Lobgesang! Das Wort jauchzt'feine eigene, die Melodie schluchzt ihre eigene Wahrheit: Denn wir sind wie Ähren, in den Wind gestreut, wie Schafe sind wir zur Schlachtbank getrieben. Am Sabbat, <m Feiertagen mochten dieselben Gebete ihre fröhlichen Melodien-Kleider anlegen, an gewöhnlichen Tagen trugen sie besser diese Töne, die Töne k>er Bedrängnis sind und der Trauer, der Trauer und der Erniedrigung. Welwel betete, obschon er sonst ruhigen und sanften Gemüts war, wie die Eifrigen beten, die im Gebet entbrennen: wie die Ehassidim beten. Er betete so, wie er als Kind, als Knabe von seinem Vater zu beten gelernt hatte. Oie Stimme des längst verstorbenen Juda Mohnlcwski lebte in den Gebeten des Sohnes weiter. And so oft der Beter, dem heute feierlich zu Mute war vor der Neise, von der Melodie oder gar vom Wort abzuirren in die Gefahr kam, trat die Stimme des Vaters hinzu und-wie im dunklen Raum ein Mensch sich erhebt und einen Eintretenden bei der Hand nimmt - lenkte sie die Stimme des Sohnes in die rechte Bahn. Geist und Körper des Beters schienen an der Inbrunst gleichen Teil zu haben. Er schritt im Zimmer auf und ab, als stünden die Sprüche und Sähe in einem geheimen Verhältnis zum Vaum, das im Takt der Gesänge eben auszumeffen sei. Es kam ein Wort, das mit einer leichten Neigung des Oberkörpers gegrüßt wurde, wie ein guter Freund, den man mit einem flüchtigen Gruß Vorbeigehen läßt. Es kam ein anderes, vor dem der Beter flehen blieb und mit geknickten Knieen eine zeremonielle Verbeugung machte, wie vor einem unsichtbaren Throfi. Es kam ein Gesang, dem er in Tanzschritten entgegenhüpfte, wie einem fröhlichen Sieger. Und es kam und ging welcher, von dem er mit klagenden, mit schmerzvoll ausgebreiteten Armen Abschied nahm, wie von einem Toten. Es brachte eine Melodie einen Ton, der verhauchte wie ein Seufzer eines Träumenden. Und es trug eine andere einen anderen Ton heran, der sich frei der Brust entriß, wie der wilde Schrei eines Kosaken in der Steppe. Einmal blieb er vor dem Thoraschrein flehen, zog das Kopfstück des Gebetmantels übers Gesicht, als wollte er sich so mit dem eingefangenen Teil jener Stille vereinsamen, iu der Gott wohnt, und nach verrichtetem Spruch riß er die Arme hoch und klatschte in die Hände, außer sich gerade wie ein Kind, das einen fremden bunten Vogel im Garten erblickt hat. Zu den achtzehn Bencviktionen stellte er sich gegen die Ostwand. Im magischen Kreis der „Drei-Schritte" stand er mit geschlossenen, mit gleichsam gefalteten Füßen, einmal still an sich haltend in glückseliger Hingegebenheit,^ als hätte sich ein Vöglein auf seinen linken Arm gesetzt, den das heilige Gerät umspannte, dann wieder schaukelte der Oberkörper in wilder Ausgelassenheit, rechts und links, rechts und links, und er krümmte sich und er beugte sich wie ein schwankendes Vohr vor dem Wind, hin und hergerissen wie ein schwaches Blatt im Sturme. Eine gute Stunde war vergangen. Als Neb Welwel hernach aus dem' Bctraum in den nun hell erleuchteten Flur trat, sah er an Körper und Geist erfrischt aus, als sei er eben einem stärkenden Tauchbade entstiegen. HAWA NAKHIRA! Mit gütiger Erlaubnis des Verlages Anton I. Benjamin A. G. Leipzig - Hamburg bringen wir zwei Kanons aus „Hawa naschira! (Auf! laßt uns singen!) Liederbuch für Unterricht, Bund und Haus, herausgegeben von Dr. Jos. Iacobsen und Erwin Iospe", zum Abdruck. „Hawa Naschira! äJuf, laßt uns singen! (Wie schön sind deine Zelte) Jlf?.;" ,U' Kanon für 4 Stimmen dische Menschen >m i_^ _ 2. Nosen zweig in seinem „Stern der Erlösung"), ein reiches Material musikalisch wertvoller ein- und mehrstimmiger Gesänge auf deutsche, hebräische und jiddische Terte. Besonders liebevoll wiedergegeben sind die Kanons, von denen wir einen hebräischen „Mah towah" und einen derklassischen - W Ma w $ 4 >m Lied zusammenschlie ßen. Oie immer stärker werdende Singefreu digkeit in allen Lagern der jüdischen Jugend ist ein Zeichen echten Gemeinschaftssinns. Gemeinsam gesungenes Lied ist Ausdruck gemeinsamen Empfind dens. Für diese jüdische Jugend und. für alle, die jung sind, ist unser Buch bestimmt." So Kanon für 4 Stimmen schreiben die Heraus- * i geber - Erwin Iospe?£ * » ist unsOresdnern durch 4 .f .-.p. die hervorragende Dr- Nun la-chet gelleistung beim dies to Jwu o _ ha 3. £ le . cha ja. a . kow misch _ k’ _ no . te . cha .btnc1’ tprviirc';;pbn'x (r. ,ia ,1=133) Vier lachen Lachkanons Joseph Handn's zum Abdruck bringen. Das Kanon-Singen war ja in früheren Jahrhunderten, da man eine geistvollere Ast häuslicher Unterhaltung und geselligen Sichzusammenfindens kannte als in unseren Tagen, ein außerordentlich beliebtes Mittel, Stimmung aufkommen'zu lassen, feierliche und fröhliche Stimmung, je nach'dem Josef Haydn (1732-1809'! Eharakter des Tonjis« _ ra ntj el. *E p -I'rprp?^ i j 2. h 3. £ ho, jährigen Eröffnungs konzertdesKulturbun des (Winawer Ehor) bekannt geworden - in ^ihrem 'Vorwort. Das Liederbuch hat sich seit seinem Erscheinen aller Orten Freunde erworben und ist in einer ganzen Neihe jüdischer Schulen - auch hier in Dresden - zur Einführung gelangt. Es bringt in drei Abschnitten, gegliedert nach den drei Bezirken des jüdischen Weltbildes: Mensch, Natur, Gott (den Anstoß zu dieser Dreiteilung gab Franz al.les schon,ein je.der sei_nenTon: 4. Ho, ho ho ho ho stückes. Unsere Jugend hat dies lange schon wieder erkannt und bedient sich dieser anspruchslosenKunstform bei ihren Heimabenden und bei geselligen Zusammenkünften. Möge auch in weitere Kreise das Kanon - Singen wieder Eingang finden und Freude bringen. Es ist ja an dem, daß wir nichts unversucht lassen dürfen, Entspannung im eigenen Heim zu suchen und zu finde», da wir uns manche Zerstreuung außerhalb des Hauses versagen. Das Liederbuch von Iacobsen - Iospe kann uns ein gutes Hilfsmittel dazu sein. hi, hi hi hi hi hi hi hi, he he he he he, ha ha ha ha!

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