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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1936-02-01 · 3 (1.2.1936) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
12 (1936)
Issue
3 (1.2.1936)
Date
1936-02-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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-S«toe 2 nt 3 -Äe m e in>tllalt Itt gseaeltttsche» St 11 g i o * » % t m t i ■ I c DttOtn Richts einfacher als das. Große gesundheitliche Gefahren bedrohen die sexuelle Ausschweifung und Zügellosigkeit. Mancher büßt sein -Leben lang eine Stunde unkeuschen Geschlechtsverkehrs. Ist aber das der Grund des Verbotes? Und wenn die Medizin uns Mittel gäbe, jede Geschlechtskrankheit zu verhüten und zu heilen, wäre immunisierte Unkeuschheit kein Verbrechen? Immer würde sie Sünde bleiben, weil sie den Menschen erniedrigt, seelisch beschmutzt, ihn höherer Gefühle und reinen Glückes verlustig macht, weil sie ihn dazu führt, Menschen zu mißbrauchen, weil sie ihn zum Tier und unter das Tier hinäbsieigen läßt. Unkeuschheit bleibt stets verboten, well sie unheilig macht. Aber das ist die herrliche Waltung Gottes im Kosmos: daß Keuschheit auch gesund, lebensfroh und glücksfähig erhält, daß sie den Gesamtrhythmus des Daseins in höherem Schwingen erhält. Heiligkeit ist ihr Grund und ihre Absicht, aber Gesundheit ihre. ungewollte beglückende Folge. _ Es gibt keine höhere Medizin als Gutsein, keine echtere Hygiene als Sittlichkeit, keinen besseren Arzt als Gott. Wer sein Leben heiligt, der hat ihm zugleich die natürlichste Festigung und Stärkung gegeben. Religion ist wahre Makrobiotik. Aber das ist chre Folge, nicht ihr Sinn. Sie will nicht uns dazu führen, stets an unser liebes Ich, seine Gesundheit und seine Interessen zu denken. Sie lenkt uns zu hehrem Lebensziel und läßt uns dabei die Erkenntnis gewinnen, daß dabei die berechtigte Fürsorge für unser leibliches Wohl am besten betätigt ist. Darum irrt unser gelehrter Freund. Er verwechselt Ursache und Wirkung, Absicht und Folge. Das Gefährliche seines, angeblich rationellen Standpunktes ist aber, daß er den niederen Egoismus zur Triebfeder des Gesetzes und seiner Befolgung machen will. Darin folgen wir ihm nicht Wohl ist Gesundheit ein kostbares Gut, aber es ist nicht Selbstzweck. Hygiene ist eine große Wissenschast, aber nur eine Hilfswissenschaft. Sie sicht im Dienste einer höheren Wissenschaft von der Ganzheit des Lebens, von der Übereinstimmung von Seele und Leib, Der Wissenschaft von der edelsten LebenSkunst: der Religion. - . Denn Hygiene als Lehre vom Leib ist zu eng; der Mensch ist mehr als Körper. Die Hygiene als Ergebnis naturwissenschaftlicher Methodik ist zu eng, denn der Mensch ist mehr als Ratur, ist Vürger zweier Welten, ist ein Stück Übernatur. Ohne hohes Ideal keine echte Hygiene des Menschen; ohne die Beseeligung gotterfüllten Lebens keine Makrobiotik, kein Wohlbsinden. Man höre doch endlich auf, im Religionsgesetz des Judentums andere als rein religiöse Motive zu suchen. Oie Absicht, das Gesetz als zeitbedingt hinzusiellen, verleitet dabei allzuleicht zu irrigen Schlüssen. Was sollte nicht alles ausschließlich hygienische Ursachen Haben! Oie Äeschneidung (Milah), der »Bund Abrahams", die doch vor allem ist das ewige Symbol der Keuschheitsverpflichtung, der sittlichen Vollkommenheit (Gen. 17,1), durch das »die Schande Egyptens" Iosua 5,9), die Unzucht, abgewälzt wird. Die Gesetze über die Isolierung der Aussätzigen, die Strafe der Verleumder und Bösredner, wurden zu einer medizinischen Prophylaxe, obwohl der mit Aussatz ganz Bedeckte rein ist (Levit. 13,13); obwohl die Unreinheit nur vom Ausspruch des Priesters abhing, der vorsichtigerweise erst alle Geräte entfemen lassen soll, damit sie nicht vom prtesterlichm Verdikt mitbetroffen werden (das. 14,36); obwohl nach dem Talmud der Aussatzverdächtige ruhig erst inmitten allen Volkes das Fest feiern oder die Hochzeit begehen dürfe, ehe er sich dem Priester stellt. Oie Ehrfurcht vor der Religion wie die Achtung vor der medizinischen Wissenschaft sollten die Grenzen beider ehrlich respektieren. Religion ist Erziehung, Konzentration aller Äußerungen des Menschen aus eine höhere Aufgabe, »die Einheit" des Menschen und seine Einigung. In diesem einzigen Sinne haben die autortiativen Lehrer und Interpreten des Judentums all seine Gesetze verstanden und fortgebildet. So haben die Rabbinen vor dem Genuß des Brotes, der HaupMahrung des Menschen nach der Bibel, eine Händewaschung vorgeschrieben in derselben Form, wie die Priester einst im Tempel die Hände durch Übergießen aus dem Becken weihten, weil »der Tisch des Menschen Altar ist". Alles Seifen und Bürsten der Hand entbindet nicht von dem Weiheakt des Übergießens, das aber fraglos, ganz ungewollt, Reinlichkeit und Gesundheit fördert. Dieselben Weisen des Gesetzes ordneten die weihende Händewaschung am Morgen beim Erwachen sowie nach Verrichtung körperlicher Bedürfnisse an, damit sich der Mensch erneut seinen Adel zum Bewußtsein bringe. Aber gekolß wird auch die Hygiene solche Anordnung als segensreich empfinden und empfehlen. Rur dürfen die nützlichen Begleitwirkungen vom ürsinn und Endziel nicht abführen: der Weihe und der Erhebung zu vergeistigter Lebensgestaltung. Heiligung ist die beste Hygiene. Das ist die Medizin der Bibel. Von ihr aus gesehen, mag uns die Belehrung unseres gelehrten Skeptikers von höchster Bedeutung sein. Wir essen kein Krankes, kein Gewürgtes, nicht die niederen Glieder der animalischen Welt, wir reinigen Obst und Gemüse von Würmern, wir beschränken uns auf einige wenige der edelsten Haustiere und Vögel, wir verschmähen Blut und der Hintewiertel Fette, weil dies zu dem höheren Adel der Menschen in Gegensatz sieht. Weil »was der Mensch ißt, das ist er". Wir meiden Völleret und Trunksucht, weil sie das Triebleben zum Beherrscher der Geistigkeit machen und die seelische Reaktionsfähigkeit herabsetzen. Wir meiden die llnkeuschheit, well durch die Einzigkeit der Ehegattin, die Reinheit des Geschlechtslebens die Menschennatur zur Einstimmigkeit des Liebeslebens mit dem geistigen Eharakter der Menschen geführt wird. Kurzwir beachten Speise-, Ehe- und Genußregeln der Bibel als Gebote der Heiligung. Aber wir freuen uns, daß sie zugleich einen Schuhwall um unsere Leiblichkeit bilden, daß sie die unsichtbaren Schuhtrabanten sind, die vor Seuche und Epidemie, vor den geheimen Feinden des Menschenleibes eine Wehr bilden. Wir achten die Hygiene, wir schätzen auch sonst den Arzt als höchsten Freund der Menschen, weil wir im Leib ein gottgeschaffenes edles Werkzeug sehen, well unser Leben uns teuer ist als Mittel zu höchstem Dienst an Gott und der Menschheit. Heilig ist uns das Leben, heilig die Lehre von der Erhaltung des Lebens, die Hygiene, weil jeder Splitter unserer Kraft, jeder pulsschlag unseres Herzens zu hohem Zwecke dient. »Jeder Atemzug lobe den Herrn!"! INVENTUR-VERKAUF | vom 27.Januar bis 8. Februar GOLDMANN DRESDEN-A. AM ALTMARKT ]

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