Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1935-11-01 · 21 (1.11.1935) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
11 (1935)
Issue
21 (1.11.1935)
Date
1935-11-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/4892693-5739429-5770152--2327-4894883
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Sette 2 ©emetnbeblatt der Israelitische« Religiontgemeind« Dresden Ilr. 21 Appell an die Hausväter Don Or. Martha Wertheimer Diele jüdische Haushaltungen befinden sich zur Zeit in einer Umstellungsie sind dabei, eine Neuorganisation herauszubilden, bei der die Hausfrau alle häuslichen Arbeiten ohne Hilfe oder mit einer sehr viel geringeren Hilf» als seither selbst ausführt. Dabei wird die Neuanschaffung von technischen Mitteln wie Haushaltapparate und dergleichen eine Nolle spielen, weit mehr aber noch eine Einschränkung im Wohnraum. Das alles sind keine unüberwindlichen Schwierigkeiten, wenn die äußere Umstellung von der inneren begleitet wirb. Aber diese innere Umstellung haben nicht di« jüdischen Hausfrauen allein zu übernehmen, sondern sie bedürfen dabei sehr wesentlich der Hilfe der jüdischen Hausväter. Ueber eine erste und einmalige Mehrausgabe bei der Anschaffung von technischen Hilfen wird jeder Mann mit sich reden lassen, zumal chr eine »ratenweise NÜckzahlung" in Gestalt der Einsparungen an Lohn und Unterhalt entgegensteht. Wett wichttger ist, daß die Männer nicht ihren Frauen eine Flucht vor der Verantwortung oder vor der Arbeit, eine Flucht aus dem Heim inS Hotel ober die Pension ermöglichen, indem sich die Frauen bei der Besprechsung von Neueinrichtungen und Umstellungen hinter Meinungen ver chanzen können wie die: »Das krieger Sie bei meinem Manue nicht fertig!' »Da bringe ich meinen Mann niemals dazu!" Solch« Derfchanzungen unterschätzen die Männer ensschieden. Unsere Männer haben sich und uns im Schützengraben bewiesen, was sie an Entbehrungen auf sich nehmen können - es wirb ein Bruchteil davon jetzt von ihnen verlangt. Und die Seneratton, die den Krieg nicht mehr mitgemocht hat, die kennt von der Fahrt und dem Lagerleben, der fröhlichen Selbsthilfe bei Lernzeiten und Tagungen all die Arbeit, die sonst die Hausfrau macht und überschätzt weder den Luxus noch das Bedientwerden. Derengvng der Lebensbedingungen von außen her braucht noch lange nicht zu bedeuten, daß man sie auch von innen her verengt. Oie Tugenden der Pünktlichkeit, Sparsamkeit und Sachlichkeit kann jeder Mann von seiner Hausfrau verlangen und di« Einhaltung ihrer »Oienfistunden", die mit seiner Freizeit zusammensallen müssen - ihre eigene Freizeit muß sie sich so einrichte«, daß derhMann nicht darunter notteidet. Aber es gibt auch eine ganze Nein von Forderungen, die jetzt für eine lange Weile nicht gestellt werden dürfen besonders während der ersten Monate, solange noch das Umg« wöhnen dauert, solange die Maschine noch etwas knarrt und manchmal stockt. Manche Handreichung, die seither ohne weiteres getan werden konnte, wie zum Beispiel das Herauslegen von Anzügen u. ä., stellt unter den veränderten Derhältnissen eine Belastung dar. Das Mitbringen eines Gastes, dem man als einem Geschäftsfreund aufmerksam sein möchte, bedeutet für viele in Zukunft, die. Hausfrau über Gebühr in Anspruch nehmen; denn es handelt sich ja nicht nur darum, daß einfach jemand mittßt sondern, daß der Tisch fn'sch gedeckt, mehr Sefihtrr gefpütt werden muß, daß man aus dem Hauskleid, und wenn's noch so sauber ist, heraus und in eia besseres für den Besuch muß. Kleinigkeiten, die als Summe viel Nachdenken, Tempo, Mehrarbett verlangen und nicht einmal als das gewertet werden. Überhaupt wird der Hausvater sich einer neuen Form der Gastlichkeit anpaffen müssen, di« der HauSfrau ganz von selbst natürlich werken wird. Oer Tischgast wird seltener werden - es sei denn, daß es ein Mensch ist, der sich berett findet, in der Küche mtt Hand anzulegen, wie das unter Junggeselltnnen schon lange, der Fall ist. Dafür wird sich eine neue schlichtere Form der Gesettigkeit einstellen, die nicht weniger schön und beglückend zu sein braucht. Aber Umstellung im Seist und kn den Ansprüchen muß von allen verlangt werden. Appell an die Hausväter! Kleine Derzichte und viel Se-uld, guten Willen und Bereitwilligkeit zur Mithilfe — dann tet'rt sich die Hausfrau in das Neu« ihrer Loge, leichter stnden und den Lohn davon hat - das Heim! Amtliche Bekanntmachungen Jetttafel Gemeindeamt, 3eughqu»straße 3, Telephon 14051 und 17887, geöffnet für den allgemeinen Verkehr: werktäglich von 8-13 Uhr. Sprechzett de» Syndikus u. vüroleiter vr. Saalhelmer, 11-lZUHr Gesrhäftsführender Vorsteher: Herr Max Lesser. persönliche Rücksprachen mtt den Vorstandsmitgliedern vermittelt da» Gemeindeamt. Sprechzeit«» der Herren Neddiaer. Die Herren Rabbiner sind in sömtlichen seelsorgerischen, besonder» auch persönlich-religiösen Rngelegenheiten wochentäglich zu folgenden Zeiten zu sprechen: Rabbiner Professor vr.Winter, neue Rdreffe: Sedanstratze 24, Trdg. Telephon 47355, von 11-13 Uhr. Rabbiner vr. Wolf, 3eughau»straße 1,3, Telephon 14051 und 1788T Montag», Mittwoch» und Freitag» von 10-'/,12 Uhr. Ver Gemeindedajan, Herr Rabbiner horowitz. Große Swingerstraße 5, täglich 4—12 Uhr. f Wohlfahrtafielle: Sprechstunden Montag», Mittwoch, und Freitag,- von 9-10Vi Uhr. Kleiderkammer: Rurgabe zur Zeit nur auf schriftliche» Gesuch und erfolgte Bewilligung. Wirtschaftshilfe: a) Allgemeine Beratung und Kurwanderung. Montag», Mittwoch» und Freitag» von 4—t/hl 1 Uhr, Donnerstags von 18-14 Uhr. b) Beratung für BerufrumschichMng: Montag» von . 18—14 Uhr, Mittwoch» von 11 — %1 Uhr. Darlehenskasse: Mittwoch» von 9 — V,ll Uhr und Donnerstag von 18-14 Uhr. Mitte lfiandskü che: Tffenausgabe täglich außer Sonntag von 12-13'/, Uhr, Ausgabe der Speisemarken Montag», Mittwoch» und F eitag» von 12 — 13 Uhr in der wohlfahrtsstelle. wer den Preis von RM 0.45 bezahlt, braucht keine Speisemarken. Die Rüche befindet stch 3eughau»straße 1, Trdg. Bibliothek: Ausleihe: Sonntag» von 11— 12V, Uhr, Mittwoch» und Sonnabend» von 20-22 Uhr (Kostenlos). Lesezimmer: Geöffnet Mittwoch» und Sonnabend» von 20— 22 Uhr (kostenlos). jüdische Künfilerhilf«: (Kulturveranstaltungen) Montag» bi» Donner», tag» von 10—12 und 15—18 Uhr, Freitag» von 10—15 Uhr. Personalien. Geburten: 17. Oftober 1935: Heinrich Koffler, Sohn des Hausierers, Herrn Meschullm Koffler und seine Eheftau Ehaja geb. Slanzberg, Große plauenfche Gaffe 20. Barmizwoh: 9. November 1935: Leo Szybilski, Sohn des Herrn Max Szybilski, Walpurgisstr. 22. Trauungen: 5. November 1935: Fräulein Margarethe Schwarz, Wintergaxtenstr. 21 mtt dem Laboranten, Herrn Erich Luis Silbermann, Breslau, Gartenstr. 48. 10. November 1935: Fräulein Sonny Smetanka, polierstr. 15 mtt dem Netfenden, Herrn Nathan Goldstein, Berlin NO 43, - Barnimstr. 38. Am 31. Oftober 1935 voNendete Herr Ernst Schindler, Fürstenstr. 34 fein 80. Lebensjahr. Wir gratulieren herzlichfi. t Eröffnung der Jüdischen Winterhilfe Dresden 1935/36 Oie Jüdische Winterhilfe wirb in Oresden durch eine Kundgebung im neuen Gemeindesaal am Montag, den 4. November, abends 8^ Uhr, eröffnet. Nach Maßgabe der verfügbaren Plätze konnte nur eine beschränkte Anzahl von Einladungen versandt werden. Andererseits konnte bei der Kürze bee Dorherettungszeit bas Adreffenmatertal für die Einladungen keinen unbedingten Anspruch auf Dollständigkeit erheben. ES wurde deshalb noch ein« gewisse Anzahl von Plätzen reserviert gehakten. Herren, die ihre Einladung vermissen, werden auf diesem Wege gebeten, dies dem - Gemeindeamt mttzutetlen, damtt di« Einladung nachgeholt werden kann. Ot« Einladungen gelten nur perfönltch.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.