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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1935-10-19 · 20 (19.10.1935) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
11 (1935)
Issue
20 (19.10.1935)
Date
1935-10-19
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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ttr. SS Semeinßettatt btt Israelitische» Relißto»tß«met»d« Dretbe» Sette i An die Juden Dresdens! Da* Winterhilfewerk de« Deutschen Volkes betreut in diesem Jahre jüdische Hilfsbedürftige nicht und zieht die Juden auch nicht als Spender heran. Im Rahmen der JÜDISCHEN WINTERHILFE haben die Qemelnden die schwere Pflicht auf sich genommen, die Aufbringung der nötigen Mittel und Ihre Verteilung an die jüdischen Hilfsbedürftigen sicherzustellen. Heute geht der Ruf unserer Gemeinde an alle unsere Mitglieder: Opfert für die Jüdische Winterhilfe In dem gleichen Maße, in dem Ihr In den vergangenen Jahren gegen Wintersnot und -Külte angegangen seldl Die Leitung der Jüdischen Winterhilfe unserer Gemeinde wird In Kürze an jedes unserer Mitglieder I herantreten, um sein Opfer an Einkommen oder Vermögen In den gewohnten Formen des Winterhilfswerks zu erbitten. Kein Hungernder unserer Gemeinde darf in diesem Winter ohne Nahrung, kein Bedürftiger ohne Kleidung und niemand ahne Obdach seinl Unsere jüdischen Gemeinden und die jüdische Gemeinschaft In Deutschland, die In diesem Jahre im Kampfe gegen Wintersnot und Külte auf sich allein gestellt sind, werden niemanden Im Stich Isssen. Jeder aber muB durch den Einsatz seiner Person und seiner finanziellen Kraft sich zu seiner Gemeinschaft durch die Tat bekennen. Vorstand und Rabbinat der Israelitischen Religionsgemeinde zu Dresden Max Laaatr Erich Sehepira Dr, Walter QrOir Or. Artur Roeenbaüm Hermann Schocken Samuel Welger. Rabbiner Prof. Dr. Winter Rabbiner Dr. Albert Wolf. An die jüdischen Kiüneninhaber! Wir bitte«, die Winterhüss-Lohnabzüge Ihrer jüdischen Ange» stritten (10 % der Lohnsteuer) monatlich gesammelt aus unser Postscheckkonto Dresden 10288 überweisen zu wollen zusammen mit Ihrem eigenen monattiche« Opfer gemäß den Sähen des Winterhttsswerfes des Deutschen Volles, weiche anordnungsg«. mäß auch für die Iüdifche Winterhilfe Geltung haben. Israelittsche Veligionsgemeinde Dresden Jüdische Winterhilfe Sprechstunden in allen hauswtrischaMchen Angelegenheiten Dienstag 19-20 Uhr J Mittwoch 7,10-11 Uhr Donnerstag 10—12 Uhr Oie jüngst erlassenen Neichsgesehe über die arischen Hausgehilfinnen ln jüdischen Haüshattungen lassen das Problem der jüdischen Hausgehilfin, über bas ln den letzten Iahren bereits viel gesprochen worden ist, plötzlich von neuem in den Vordergrund des Interesses treten. Notzeiten erfordern Notmaßnahmen. Sie verlangen auch Überwindung liebgewordener Vorstellungen und Gewöhnungen. Oie jüdische Frau wirb die neu vor ihr liegenden Aufgaben bewcklttgen können. Sie wird dadurch Gelegenheit haben zu beweisen, daß fle zu Höchstleistungen fähig und ihrer Würde als Jüdin sich bewußt ist. Sie wird mtt Verständnis und Geduld den Forderungen des Tages gerecht werden. Oie soziologische Strukturwandlung der jüdischen Bevölkerung in Deutschland drängt in ihrer Entwickelung ja ohnehin zur Vereinfachung der Haushaltungen. Oie Hausfrau .wird viel stärker als es bisher der Fall war, selbst Mitarbeiten müssen, durch Heranziehung der Kinder zu Hilfeleistungen.sich aber manche Erleichterung schaffen können. Zweifellos werden viele Haushaltungen,' die bisher Hausangestellte beschäftigten, in Zukunst ohne solche oder mit Stundenfrauen oder Tagesmädchen auskommen kennen. Aber trotz alledem bleibt noch eine große Zahl von Haushaltungen, in denen Hausangestellte gebraucht werden, sei es, daß der HauShatt zu groß, daß es Familien mit Kindern sind, daß die Hausfrau berufstätig oder kränklich ist. In so gelagerten Fällen wird die berechtigte Nachfrage nach Hausangestellten besondere Beachtung finden müssen. Oie Führung des EinzelhauShatts wird Srleichterungen erfahrm durch Weggabe der Wäsche, Vermietung von Staubsaugern, Einrichtung von Kleiderpflege, abendliche Äetreuung der Kinder usw. Währerb aber bisher die Hausangestellte mit Wohngemeinschaft in den Haushaltungen die Norm war, wird jetzt ein neuer Be< rufstyp, bas Tagemädchen, eine vollwertige Erscheinung auf dem Arbeitsmarkt werden. Oie jüdischen Mädchen haben den Hausangestelltenberuf vor allem wegen der Oienstbereitschaft bis in den späten Abend hinein gescheut. Nun kommt die Entwicklung zum Tagesmädchen ihren Wünschen entgegen. Oie Beschränkung auf «ine bestimmte Arbeitszeit, in der allerdings' durch intensive Arbeit ebensoviel wie bisher in iS ständiger ArbeitSbereisschast geleistet werden wirb, die Möglichkeit zur Fortbildung durch Freizeit,. k>ie Anerkennung und Wertung der Leistungen wird die Neigung "zu diesem Äerufe wecken. In Palästina und Amerika haben wir bereits das Vorbild von Haushaltsgehilfen, di« nicht mehr zur Familie gehören, chre S bis 9 Stunden am Tage arbeiten, dann nach Hause gehen und Herrinen ihrer Zeit find. In dieser neuen Form wird dem neuen Erwerbsberuf auch eine andere soziale Stellung' und Achtung zu lest werden. Auch die Erkenntnis wird sich immer mehr Sahn brechen, baß durch di« Verengung des jüdischen Lebensraumes auf eine geringe Anzahl von Äerufen, der häuslich« Beruf

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