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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1935-09-20 · 18 (20.9.1935) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
11 (1935)
Issue
18 (20.9.1935)
Date
1935-09-20
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Sette 2 Gemeindeblatt der Israelitischen ßteligio-ntgemeinde Dresden Nr. t8 fördernder Wirkung ist, es wurde damit gleichzeitig ein Gemeindesaal geschaffen, wie ihn auch andere Gemeinden als ein gutes Mittel zur pflege religiösen Gemeinschastsbewußtseins besitzen. Daneben wird er der Ort fein, an dem künftig Kulturveranstaltungen fiattfinben sollen. (Für diesen Zweck werden etwa 370 Sitzplätze vorhanden sein.) Die Entwicklung der Verhältnisse wird auch diejenigen Gemeindemitglieder, welche dem Bauvorhaben anfänglich zweifelhaft gegenüberstanden, die Dringlichkeit dieser Aufgabe überzeugend erwiesen haben. Wenn am Abend des tausch Haschonohfestes die Trennwand zwischen dem alten Gotteshaus und dem neuen Saal zum ersten Male hochgezogen und damit die Verbindung beider Räume hergestellt sein wird, dann mag uns neben der Befn'edigung über das Geschaffene auch ein starkes und ehrliches Gefühl der Dankbarkeit überkommen für die edle Sststerin, Frau Henriette Schie, die nach 91 Fahren eines gesegneten Lebens in ihrer Vaterstadt Dresden am 24. Mai 1893 die Augen schloß und deren hochherzige Verfügung den Synagogenumbau des Jahres 1935 ermöglicht hat. Eine Erinnerungstafel in dem neugeschaffenen ZRaum soll uns alle Zeit an ihren Opfersinn gemahnen. - (Eine weitere, vom Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten gestiftete, Gedenktafel ist den Gefallenen des Weltkrieges gewidmet.) Auch das Altersheim unserer Gemeinde, das Henrietten-Stift, hält ja durch seinen Namen bereits die Erinnerung an Henriette Schie wachgestiftet wurde es von ihrem Gatten, Herrn Wilhelm Schie. Das Heim entspricht in seinen Einrichtungen nicht mehr ganz den heutigen Erfordernissen. Fm abgelaufenen Fahre konnte wenigstens die vordringlichste der Erneuerungsarbeiten durchgeführt werden und zwar aus Mitteln, die durch eine private Wohltätigkeitsveranfialtung bereit gestellt wurden. Es konnte Zeiltralheizung eingerichtet werden. Aufgabe der nächsten Zeit muß es sein, für die Bereitstellung weiterer Räume zur Aufnahme von alten Leuten zu sorgen. Bei der Überalterung der Fudenheit in Deutschland, die durch die Abwanderung vieler junger Menschen noch besonders verfiärft wird, bedarf es gar keines Hinweises auf die Vordringlichkeit, bestehende Altersheime'- in zeitgeboten bescheidener Ausstattung - zu erweitern.— Der Ruhestätte der Toten, unserem Friedhof an der Trinitatissiraße, wurde von der Gemeindeverwaltung besondere Aufmerksamkeit zugewendet und z. B. wiederum eine erhebliche Zahl von Grabsteinen auf Gemeindekosten gesetzt. Vor allem konnte, im unmittelbaren Anschluß an das vorhandene Gräberfeld, eine neue Fläche erworben werden, die für mehrere Fahre Beerdigungsland sichert. - Fn das eben zu Ende gehende Synagogenjahr fiel weiter ein Ereignis von ganz besonderer-Bedeutung: die Einweihung einer jüdischen Volksschule. Oie Schule wurde, wie noch in frischer Erinnerung, ins Leben gerufen aus privater Fnitiative mit Unterstützung der Gemeinde und der Reichsvertretung der deusschen Fuden. Oer Füdische Schulverein e. D., der Träger der Schule, kann stolz sein auf das Geleistete und die ganze Gemeinde mit ihm auf die aufbauenden Kräfte, die hier am Werke waren. »Wohl wissen wir es alle, daß den Körperschaften sowohl wie den Mitgliedern unserer Ge» meinde, die sich sei es werbend oder teilnehmend hinter das Werk der Gründung unserer Schule gestellt haben, der Ensschluß nicht leicht geworden ist, sich von der staatlichen deusschen Schule zu trennen und den größeren Teil unserer Fugend ihr zu entziehen. Fm Gegenteil, dieser Entschluss hat allen Beteiligten, man darf es ruhig sagen, geradezu.Schmerz und einen harten Seelenkampf verursacht, einen Kampf, den noch bis zum heutigen Tage eine ganze Anzahl unserer jüdischen Familien nicht zugunsten der jüdischen Schule ensscheiden fonnfen." Diese Worte sprach der Rabbiner einer rheinischen Stadt anläßlich der dorstgen Schuleinweihung in diesem Fahre und führte weiter aus, daß dennoch der Tag der Eröffnung einer jüdischen Schule ein Freudentag einer jüdischen Gemeinde sein muß, wie immer auch die Umstände und Verhältnisse sein mögen, unter denen sie ins Leben tritt. Denn nirgens könne Bankhaus ö öebr.Ärnholü 0vt*dtn4forfiii UM Prclbner -«xpeseschLft: »nffenkaueftrafe J8-22 Berliner $<mt: Berlin tD 8. Beferenftrafe 62-03 Me lösen Zlnelcheine nnd geloste Stücke In der Siegel spesenfeel ein und hollen gutveezlneliche Lnlageweele jteW voeeöilg heit jüdischen Lebens in gleicher Weise erfolgen wie auf der jüdischen Schule. (Fn diesen Tagen wirb die Absicht der Regierung bekanntgegeben, zu Ostern 1936 die nichtarischen Kinder in öffentlichen jüdischen Volksschulen zusammenzufaffen.) Um dem stark vermehrten Bedürfnis nach guter jüdischer Lektüre entgegenzukommen, hat die Gemeinde es sich angelegen sein lassen, die Bestände der Gemeindebibliothek um alle wichtigen Neuerscheinungen zu vermehren. Ausleihe und Lesezimmer der Gemeinde, wo auch jüdische Zeitungen aufliegen, werden sehr stark in Anspruch genommen. Ein Nachtragskatalog der Bibliothek ist in Vorbereitung und wird nach Erscheinen allen Fntereffenten auf Wunsch zugestellt. Kommt bereits in der Frequenz der Gemeindebibliothek der Kulturwille einer Gemeinde zum Ausdruck, so ist die Beteiligung an den Bestrebungen des Kulturbundes ein ganz besonderer Gradmesser hierfür. Es gilt der Gefahr innerer Erstarrung zu wehren, Gefühl und Geist jüdischer Menschen mit den großen Werten künstlen'schen und denkerischen Lebens in Beziehung zu halten. Sache jedes selbstbewußten Fuden muß es daher sein, in den Kulturbund einzutretrn und feine Bestrebungen so stark und erfolgreich zu machen wie möglich. Es muß dahin kommen, daß der Kulturbund wirklich ein »Bund" ist, in dem sich jüdische Menschen zusammenfinden, um als Gebende und Nehmende seelische Bereicherung und Erhebung zu erfahren. Dieses Sichzusammenschließen mit dem Ziele, in den Wechselbeziehungen von Mensch zu Mensch seelischen Halt zu finden, ist auf allen Gebieten jüdischen Daseins das Gebot der Stunde. Alle Mitglieder der Gemeinde werden in diesen Tagen den Vorsatz fassen, das alte Fahr mit einer guten Tat zu beschließen und das neue mit einem Werk der Nächstenliebe zu beginnen. Echte Hilfsbereisschast heißt es üben, aufgeschlossen sich zeigen, nicht nur, wenn die Gemeinde oder ihre Wohlfahrtselnrichtungen zum Geben aufsordern sondem auch im täglichen Leben, das uns heute so vielfältig Gelegenheit gibt, Gemeinschaftssinn zu bekunden, zu helfen. Martin Buber erzählt uns in einer der von ihm übertragenen chassidischen Geschichten, wie man in der Gemeinde zu Berdisschew Sammelbüchsen aufstellen wollte und wie der Ehassid Levi Fizchak dem entgegentritt mit dem Hinweis auf die Bürger von Sodom und Gomorra: »Wer weiß, vielleicht haften auch sie eine Gemeindebüchse, darein die Wohlhabenden ihre Almosen taten, um dem Armen nicht ins Auge zu schauen!" Hier ist das Entscheidende gesagt. Niemand kann sich dadurch, daß er pünftlich seine Gemeindesteuern bezahtt und bis zur vollen Anspannung seiner finanziellen Leistungsfähigkeit darüberhinaus gelbliche Opfer für die Erfüllung der Gemeindeaufgaben bringt, von seiner menschlichen Pflicht befreien, für den Nebenmenschen da zu sein. Solche oder ähnliche Gedanken müssen uns in den Sinn kommen, wenn wir in diesen Tagen vor dem ernsten Neujahrsfest Umschau und Ausblick halten. Oie Wege zur wahrhaften Hilfsbereitschaft sind vielgestalftg. Fn einem Leitaufsatz des Berliner Gemeindeplattes wurden sie kürzlich von Or. Kurt Fulius Riegner so umdie religiöse Belehrung und di« Erziehung der Fugend zur Ganzrissen: »Manchmal ist es ein gutes Wort, eine Stunde der Aus

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