Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 18 (20.9.1935)
- Date
- 1935-09-20
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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nt. ii Seite 3 (BemelabeBla tt der Israelitischen Religion! gemeinbe Dresden spräche, die dem anderen über Schweres Hinweghilst. Nichts ist schwerer zu tragen als daS einsame Oahinleben ohne Gemeinsamkeit, als die ausweglose Verlorenheit, wie sie gerade ln der Großstadt Menschen überkommt. Es gilt, einander ins Auge zu schauen - bas ist manchmal mehr Tat und Opfer als die »Spende in die Gemeindebüchse". Oie Spende, die den Institutionen des Gemeindelebens die Basis für ihre unabdingbar notwendige Arbeit verbreitern hilft, ist erforderlich, aber die bestell keinen und keine von der Verpflichtung zum persönlichen Einsatz. Geld gehf durch viele Hönde, es mag schwer erworben und hingegeben sein, es bleibt doch unpersönliche Gabe. Wer heute einem jungen jüdischen Menschen zu einer Lehrstelle, zur Arbeit verhilst, tut mehr, als wenn er das Vielfache des Betrages, den er dafür aufzuwenden Höste, in eine jüdische Sammlung gibt: weil er ein Leben in seine Bahn leitet. Wer Juden um sich weiß, die seelische Not leiden, die einsam sind und in deren Zügen die Me wortlose Verzweiflung steht,.gehe zu ihnen, behutsam, mit wenig Worten, bereit zu hören. Er muß diese Menschen spüren lassen, daß bas Wort von der jüdischen Gemeinschaft, vom »Klal Jlsroel" mehr ist als eben nur ein Wort/ Wie das Jahr sich gestalten wirb, ln das wir gehen, niemand vermag'! zu wissen. Aber eine Beruhigung müssen wir in der Scheibestunde des alten Jahres mit hinübernehmen können-' daß wir zusammenstehen wollen als eine jüdische Gemeinde. l)r. 8. Pasmc Ein Begriff für beste Stoffe und vorbildlichen Schnitt Anzug oder Mantel aus unseren guten deutschen Stoffen RM 125.— POSNER & CO., HERRENSCHNEIDER HEMDENSCHNEIDER PRAGER STRASSE 32 — FERNRUF 19284 Jüdische Jugend baut ihre erste Siedlung Don Or. Siegstied Kösterich, Berlin (Eingesandt von der Z. O. G. Dresden)' Man liebt es, die Juden ein Volk des Buches und der Lehre zu nennen und ihnen einen einseistgen Hang zur Nede und Diskussion vorzuwerfen. Oft wird aber bei dieser an sich richtigen Beobachtung ein anderer mindest ebenso wesentlicher Zug des Judentums übersehen - die Tat. Za, es läßt sich wohl sagen, daß von jeher bei aller Verschiedenheit von Lehrmeinungen und Weltanschauungen gerade die jüdische Tat die Einheit des geschichtlichen Judentums in ollen Zeiten und Ländern ausgemacht hat. Nicht an der! verhält es sich heute. Wir sind in eine unerwartete Situation gestellt worden. Etwas ist geschehen, daß unser Leben von Grund auf umgestalten will. Da gibt es gewiß viele Deutungen und Erflörungen, Ansichten und Theorien. Aber sie alle bringen uns nicht weiter ohne das Handeln. Unserer Jugend ist die Lebensmöglichkelt hier genommen. Also gilt es, ihr jenseits von Diskussionen und Neflgnationen ein neues, ein sicheres und schöneres Leben auszubauen. DaS ist die wahre jüdische Tat. Besonders schwierig ist die Lage jener Jugendlichen, die aus der Schule entlassen, weder jetzt angemessene Arbeit oder Lehrstellen finden, noch für die Zukunft mit solchen rechnen können. Es bedarf keiner Erflörung, weshalb dieser Zustand der Arbeits- und Hoffnungslosigkeit bei bildsamen und entwickelungsfckhlgen Jugendlichen im Alter von 15-17 Jahren die unerfreulichsten geistigen und moralischen Folgen haben muß. Hier seht das Werk der »Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugend-Alljah" ein. Gestützt auf die Autorität der Neichsvertretung der Deutschen Juden und per zionistischen Bewegung in Oeusschlanb, gefördert durch führende Menschen aller politischen und religiösen Nichtungen im deutschen Judentum, hat diese Organisation die Aufgabe übernommen, Jugendliche im Alter von 15-17 Jahren aus Oeusschlanb nach Palästina zu bringen und sie dort in zweijähriger Lern- und Ausbildungszeit in der Landwirsschaft, in der Viehzucht, im Handwerk und im Haushalt auf ein Leben der Arbeit vorzubereiten, um sie alsdann als werktätige Glieder in die neue jüdische Gesellschaft des Landes einzuordnen. Nach einer verantwortungsbewußten Auswahl und entsprechenden Vorbereitung in einem mehrwöchenllichen Lager werden diese jungen Menschen in Gruppen zusammengefaßt unter der Leitung von Führem und Lehrern nach Palästina gebracht. Dort finden sie auf dem Lande, in Siedlungen und Kwuzoth liebevolle Aufnahme. Eie erhalten während einer Zeit von zwei Jahren eine allgemein praktische Ausbildung in der Landwirsschaft oder Handwerk, verbunden mit Unterricht im Hebräischen, jüdischer Geschichte und Literatur, Palästina-Geographie und einigen wissenschaftlichen Fächern, wie Botanik, Physik usw., soweit wie diese als Grundlage für spätere praftische Arbeit notwendig sind. Oie Kinder arbeiten täglich vier bis fünf Stunden praktisch und haben ungefähr die gleiche Anzahl Unterrichtsstunden. Oie Kwuzah verpflichtet sich, die Schüler, nach Beendigung der Ausbildungszeit, oder nachdem sie das Mer von 18 Jahren erreicht haben, als Mitglieder chrer Gemeinschaft aufzunehmen, vorausgesetzt, daß dieses aus persönlichen oder objektiven Gründen wünschenswert erscheint. Anderenfalls bemüht man sich, diese Menschen in einer anderen Kwuzah unterzubringen, oder ihnen sonst bei ihrem Fortkommen behilflich zu sein. In der kurzen Zeit ihres Bestehens hat die » Jugend-Alijah" 700 Kinder in IS Siedlungen deS Landes untergebracht. Im Herbst dieses Jahres werden weitere 900 Jugendliche im Nahmen diefts Werkes nach Palästina überführt. Bereits heute läßt sich sagen, daß das Unternehmen ein Erfolg war. Oie Leichtigkeit, mit der die jungen Menschen sich in die Sprache eingelebt haben, ihre Fähigkeit, sich den Bedingungen des Landes und ihrer Umgebung anzupassen, die Schaffensfreude, die sie an den Tag legten, wenn sie die Eindrücke, die sie von ihren Ausflügen Plastisch und in mündllcher Schilderung Wiedergaben, die Begeisterung, mit der sie neue Pläne aufnahmen und ausführten, das alles spricht für den großen erzieherischen Wert dieser Bewegung. Man braucht nur die Seiten ihrer Zeitung durchzublättern, um eine lebendige Vorstellung davon zu bekommen, was es für Hunderte von Jungen,und Mädchen bedeutet, aus einer Atmosphäre der Zurücksetzung und Abkapselung, in eine Atmosphäre der Handlungsfteiheit zu kommen, in der die schöpferische Phantasie jedes Einzelnen angefacht wirb und alle Fähigkeiten zur Enssaltung gebracht werden können. An der Spitze dieses einzigartigen jüdischen Werkes steht in Palästina die Leiterin der Jugendalijah-Abteilung der Jewish Agency, Miß Henrietta Szold. Die Verdienste dieser großen jüdischen Frau um unser Volk sind unvergänglich. Schon in ihren Mädchenjahren steht sie in Amerika im Kampf für die von ihr ins Leben gerufene Hilfsaktton für die dorthin vertriebenen pogromopfer aus Nußland im Anfang der