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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1935-09-01 · 17 (1.9.1935) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
11 (1935)
Issue
17 (1.9.1935)
Date
1935-09-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 » ©emeinbeBIatt der Israelitischen Sfteligt onigemetnbe Dre-ben Nr. l- Papfömerien^roj^n^arben, Photo, Waschmittel/ Kempinski - Weine Qualitätswaren preisgünstig OföfficÄM freie Zusendung/Tel. 26266 / Eugeba, Galeriestraße 11 aufh auf telefonische BeBestellung. zwisthen Altmarkt, Neumarkt —t—- ( Lebens auszugestalten, dann wäre es ein ungeheurer Fehler, nun Inhalt und Form einer Kunstübung zu übernehmen und zu er> halten, die nicht mehr lebensfähig sind. Nichts erscheint mir bei der Gestaltung unserer Programme so gefährlich, wie die Modernität von vorgestern. Ihre Bevorzugung ist immer ein Zeichen von starr gewordenen Menschen, die sich an die Bildungserlebnisse ihrer eigenen Jugend klammern. Oie letzten 40 Jahre haben nur sehr wenige Kunstwerke hervorgebracht, deren Problemstellung von über» zeitlicher Art ist. In dem Jahrzehnt vor dem Kriege sind viele Werke geschn'eben worden, die zu ihrer Zeit eine aufrührende Kraft und eine über den engeren Inhalt hinausgehende Mission hatten. Auf Menschen von heute wirft in ihnen nur noch das Kostüm, das Museale. Man verstehe uns recht, es soll das keineswegs heißen, daß jetzt nur noch allermodernste Werke aufgeführt werden sollen, dazu ist ihre Zahl viel zu Nein. Mao muß aber grundsätzlich, unterscheiden zwischen dem wirklich ganz großen Kunstwerk, dessen Wirkung eine von allgemein menschlicher Art ist und dem zeitgebundenen Kunstwerk, dessen Wirkungsbereich mit der Zeit, die es gestaltet verschwindet. Es gibt Stücke von Shakespeare, die uns Menschen von heute so packen, als ob sie gerade für uns geschrieben seien, während Stücke, z. 23. von Hauptmann oder Ibsen, die zu ihrer Erscheinungszeit revolutionär gewirft haben, dem jungen Menschen von heute kaum noch etwas sagen. Gewiß besteht heute noch der überwiegende Teil unserer Zuhörer aus Menschen, deren rückwärts gewandte Erinnerungen ihre Kunstwünsche formen. Aber dieses Publikum ist ein untergehendes, und unsere Arbeit wird nur dann einen Sinn, und eine Dauer haben, wenn es gelingt, die Kräfte der jungen Generasion für uns einzuspannen. Es ist doch an sich ein erschreckender Zustand, daß das Ourchschnittspublikum unserer Kulturbünde noch mehr überaltert ist, als es sowieso schon durch die abnormale Altersstruktur der Iudenheit Deutschlands gegeben wäre. Daneben wird es von entscheidender Bedeutung sein, ob es den Kulturbünden* gelingt, ihre Mitglieder an sich wirklich zu binden. Gerade die kleinen Kulturbünde, die in ihren künstlerischen Darbietungen durch die Enge ihrer Verhältnisse so stark beschrän* sind, hätten hier eine große Ehance gegenüber den großen Bünd, / in denen das einzelne Mitglied viel anonymer bleibt. Sie könnten auch die Stellen werden, in denen neue, vom Gewohnten abweichende Kunstübnngsformen ausgebaut werden, es müßten ganz neue Wege gegangen werden, um dem in der Struktur sich wandelten Mitgliederfteis erst einmal das Verständnis für Kunstproduksion und -reprodüksion anzuerziehen. Man macht sich im Judentum Deutschlands viel zu wenig ftar, welch ungeheurer Unterschied besteht zwischen dem jüdischen Bürger auf der einen Seite mit Gymnasial- und vielleicht Universitätsbildung, mit liebevoll anerzogenem Kunstverständnis und den Vergleichsmöglichkeiten aus früherem Erleben, und auf der anderen Seite den jungen Menschen von heute mit Volksschulbildung, schwerer Handarbeit, wenig Freizeit und engen Bildungskreis. So wie für diese Menschen bas Erziehungsproblem aus dem Bereich des Individuellen in die Bezirke der Gemeinschaftserziehung verlagert worden ist, muß gleiches' auf kunsipädagogischem Gebiet versucht werden. Wenn wir nicht Gefahr laufen wollen, eines Tages mtt unserer Kulturbundarbeit Menschen gegenüberzusiehen, denen schon die Voraussetzung der Kunsiaufnahme abhanden gekommen ist. Ich würde Ihnen, meine Damen und Herren, sehr empfehlen, sich sehr eingehend mit den Arbeiten zu beschäftigen, die von Karl Adler in Stuttgart geführt werden. Sie scheinen mir das weitaus Bedeutenste zu sein, was zur Zeit kunsterzieherisch im deusschen Judentum geleistet wird. Hier müssen die Kulturbünde die Führung übernehmen. Sie würden sich damit gleichzeitig die Aufnahmefähigkeit ihres Publikums sichern und aus einer Kunstabsaho^gnisation zu wirklichen »Bünden* werden können. Vor einer Auffassung kann^arnicht'ernst genug gewamtwerden: der, als ab unsere Kulturbünde nur so eine Art Notdächer wären, unter deren Schuh man ein vorübergehendes Unwetter abwartet, um dann befreiten Gemütes wieder in bas altgewohnte Haus zurückkehren zu können. Es geht mit den Kulturbünden wie mit der jüdischen Schule, nur der kann beiden recht dienen, der sie zu dauerhaften festen Wohnhäusern 'ausbauen will, der in ihnen gültige und voll zu bejahende Formen geistigen, kulturellen und künstlerischen Lebens sieht. Oie Kulturbünde sollen ein wichtiger Teil der jüdischen Öffentlichkeit werden, die aus der Summierung aller lebendigen Kräfte der Gemeinschaft entsteht, das bedeutendste Kraftzentrum unseres kulturellen Lebens. Der 19. Zionistenkongreß persönliche Eindrücke von Or. Fn'h Loebenstein-Leipzig, z. Zt. Luzern. Oer Kongreß ist im vollen Gang. Eben sind gerade die großen Neferate über die Kolonisation, über die Fonds und ihre Tätigkeit sowie über die Iugend-Alijah gehalten. Oie General-Debatte ist noch nicht beendet. In diesem Augenblick ist es schwer, einen abschließenden Ben'cht zu geben. Daher will ich nur Stimmungsbilder, Erlebnismomente Mitteilen. Auf diesen Zionisienkongreß sind die Augen der - gesamten Iudenheit gerichtet. Sagte man in früheren Jahren so etwas vielleicht mit einer gewissen Übertreibung — heute ist es ernste umfassende Wahrheit. Oie zionistische Geschichte konnte noch nie eine so große Kongreßbeteiligung verzeichnen; an die 1 V« Million Schekalim sind aufgebracht worben. Daher liegt auf diesem Kongreß auch größte Verantwortung, auf dem Kongreß und seinen Delegierten. Wenn auch das äußere Bild des Kongresses nicht mehr die Farbenfülle der ersten zeigt, bei denen man marokkanische und kaukasische Juden in ihrer malerischen Tracht anftaf, - heute ist ja alles viel fachlicher geworden - so umfaßt er doch wie keine andere jüdische Tagung die gesamte Iudenheit. Juden aus allen Ländern kommen in diesen zwei Wochen der Beratung Mammen; auö Süd-Afrika, aus ganz Amerika, natürlich aus allen Ländern Europas und am zahlreichsten aus Palästina, das mit seinen 40 Delegierten fast ein Fünftel der Gesamtheit ausmacht. Luzern, die schöne Stadt am See, erhält in diesen Tagen durch die Zionisten ihr Gepräge. Auf allen Straßen und Plätzen, auf den Dampfern des Vierwaldstädter Sees, auf den umliegenden hohen Bergen, wohin sich der Erholungssuchende einsam zurückgezogen zu haben glaubt, siehst du bekannte Gesichter, hörst du Hebräisch. Oie hebräische Sprache beherrscht das Leben draußen und erst recht drinnen, im Kongreß-Gaal. Zwischen der Schweiz und den Zionisten bestehen alte Beziehungen; fanden hier doch die meisten Kongresse statt. So ist es verständlich, daß Land und Stadt die Zionisten auf das herzlichste aufnehmen. Di« öffentlichen Gebäude, die Häuser in den großen Straßen zeigen, neben den Landesfarben, die jüdischen Farben, die blau-weiße Fahne. Und ist es nicht bezeichnend, daß der Verfteter der schweizer Negierung in der Eröffnungssitzung das jüdische

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