Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 16 (15.8.1935)
- Date
- 1935-08-15
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 16 Gemeindeblatt der Israelitische» Reltgton»-emeiade Dreßden Sette S h „Wege zum Glauben"* s Professor Bruno Kisch, Doktor der Medizin, der hervorragende Physiologe, hielt den Dortrag »Wege zum Glauben" zur sechsten Eröffnung de« jüdischen Lehrhause« in Köln. Und e« ist doppelt dedeussam, wenn gerade ein Naturwissenschaftler hier erklärt, we«> halb er gottgläubig ist, und warum er glaubt, daß da« Judentum heute, wie einst und immer, die Wege zum Glauben finden muß. Kisch will nicht die Existenz Gotte« beweisen, - er meint, daß die Gottesexistenz lückenlo« zwingend nicht bewiesen werden kann, weder empirisch, noch historisch, noch logisch; aber er beweist, daß Wissenschaft und Gottesglaube, exakte Forschung und geoffenbarte Lehre der Tora burchau« vereinbar sind, denn »keine Geistes- oder Naturwissenschaft hat un« Tatsachen kennen gelehrt, die mit dem Gottesglauben unvereinbar wären". In erstaunlicher, ja erschüttemder Klarheit und Knappheit führt Kisch mit einprägsamen Gedanken und Beispielen den Beweis für seine Behauptung, führt er auf die Wege zum Glauben. Bor allem liegt e« ihm daran, zu zeigen, daß die Naturwissenschaft über den Gottesglauben im 19. Jahrhundert nur einen Gcheinsieg errungen hatte: »Ihrem Wesen nach ist die Naturforschung lediglich imstande, un« über die der Erfahrung zugänglichen Zusammenhänge etwa« auszusagen, sie ist grundsätzlich gar nicht in der Lage, etwas über die Existenz Gottes zu entscheiden." Aber es genügt Kisch auch nicht, die Humanität als Kemstück des Judentums zu predigen, oder Sprache, Geschichte und Kultur als das allein Bindende und Unvergängliche im Judentum zu sehen, oder die jüdische Mystik oder »die organische, erbmäßige Ähnlichkeit und Verbundenheit der gesamten Iudenheit in den Brennpunkt der Betrachtung zu rücken". Sondern das Grundaxiom des Judentums ist das »Ooppelaxtom von der Wahrheit des Gottesbegriffs und der Göttlichkeit der Lehre". Aber wie gegen die Naturwissenschaft, so wendet sich Kisch gegen »eine im Grunde unjüdische Art ausschließlich in ritueller Lebensführung und Talmüdstudium sich erschöpfender Neligionsauffassung". Und wie diese Tendenz zu »gottlosem Werkzauber", so kann die bloße Mystik zu „inhaltlosem Wortzauber" führen. Wir können uns die Gottesliebe nicht willkürlich unmittelbar aneignen, sonbem nur die unablässige Beschäfttgung mit der Tora führt zu Gott, so wie auch im »religionslosen Werktag die dauernde Beschäfttgung mit irgendeinem Objekt uns zu einer inneren Verbundenheit mit ihm führt". Nicht eine menschliche Ideologie, wenn sie auch noch so edel ist, sondern das stetige jüdische Lernen, bas Hinabsieigen zu den Quellen vermag in den Wesenskern des Judentums hineinzuführen; und alle modernen Betrachtungsweisen des Lebens müssen unvollkommen bleiben, wenn nicht das Leben auch »vom Standpunkt des Glaubens an Gott und die Lehre betrachtet wird". Einsicht und Wille sind nöttg, um diese Erkenntnis zu finden, die dann durch einen kleinen Schritt zum Bekenntnis wird. Denn »nur ln der praktischen Durchführung des werktättgen Judentums der Lehre kann der Mensch die unbeschreibliche Wirkung... auf die Persönlichkeit... erleben". Man scheut sich fast, diesen geistig hochstehenden, religiös tiefführenden Aufruf Bruno Kisch« analysierend nachzuschildern. Man kommt immer wieder dazu, Kisch« eigene Worte herzusehen, also seinen Vortrag abzuschreiben. Ebenso scheut man sich, dieser redlichen, innigen und leidenschaftlichen Gläubigkeit kritisch gegenüberzutreten. Deshalb kann man nur jedem Juden empfehlen, Kisch« kleine Schrift * Erschienen im Verlag p. Zink, Köln, Vosselstr. 22. selber zu lesen und sich mit ihr auseinanderzusehen. Niemand, auch wer Kisch nicht ln allem beisiimmt, wird es bereuen, Denken, Glauben und Beweisführung dieses Mannes kennengelernt zu haben, der in einem Heftchen mehr sagt als manch anderer in einem dicken Buch. (K. p. im Berliner lbemeindeblatt vom 7. Juli 1935.) Amtliche Bekanntmachungen - Gemeindesteuer Am 20. Juli 1935 ist die 2. Rate der Äemeindesteuervoraus- Zahlung für das Kalenderjahr 1935 fällig geworden. Oie Mehrzahl unserer Gemeindemitglieder hat in verständnisvoller Würdigung der Situation ihre Steuerleistung fristgemäß abgeführt. An alle Gemeindemitglieder, welche die Bezahlung der Steuer noch nicht vorgenommen haben, richten wir die dringende Bitte, die überfällige Note umgehend Zu entrichten. Dresden, am 14. August 1935. Der Vorstand der Israelittschen Neltgionögemeinde zu Dresden. Leffer. Weiger. Vermietung von Betplätzen für das Synagogenjahr 5696 — 1935/36 Synagoge Erstmalig zu, den hohen Feiertagen dieses Jahres wird der Anbau unserer Synagoge geöffnet sein. Er gibt - unter Berücksichtigung des Umstandes, daß bereits bisher 64 Plätze in der Kleinen Synagoge für die Feiertage zur Verfügung standen - ea. 200 Gemeindemitgliedern mehr als in den Vorjahren die Möglichkeit, dem Gottesdienst in der Synagoge anzuwohnen. Es werden in dem neuen Naum 180 Männer- und 82 Frauenplähe ausgegeben. Von fast allen Männer- und Frauenplähen aus können die gottesdienstlichen Handlungen wahrgenommen werden. Für ein vollkommenes akustisches Verfolgen der Gebet« ist vorgesorgt. Orthod. Gottesdienst Oer Gemeindegottesdienst nach altem Nitus - Adaß Jeschurun - findet in diesem Jahre an den hohen Feiertagen im Saale der Fraternitasloge, Morihstraße lb, statt, dessen sämtliche Nebenräume geöffnet sind. Den räumlichen Verhältnissen entsprechend kann hier nur eine beschränkte personcnzahl Platz finden. Es ist deshalb in diesem Jahr auch bei dem Gottesdienst nach altem Nitus erstmals erforderlich, daß auch die Kinder im Besitz von Eintrittskarten sind. Ohne Karte wird, wie beim Gottesdienst in der Synagoge, niemand eingelassen. Erneuerung Den bisherigen Iahresplatzinhabern der Synagoge werden die Plätze reserviert, sofern die Inhaber bis zum 30. August dem Gemeindeamt diese Absicht schriftlich bekanntgeben, bzw. den Mietbetrag einzahlen. Bei Einzahlung auf Postscheckkonto (10288) oder Bankkontp (Gebr. Arnhold, E. Mattersdorff) werden die Karten zugesandt. Dom l. September an behält sich die Gemeindeverwaltung vor, über nicht erneuerte Karten anderweitig zu verfügen. Neuvermietung Oie Neuvermietung der Plätze für beide Gemeindegottesbiensie findet in der Zeit vom 1.-27. September, mittags 2 Llhr, statt. Wir machen schon jetzt darauf aufmerksam, daß nach diesem Zeitpunkt keinerlei Kartenverkauf mehr siatlfindet, sodaß niemand mit dem Zutritt zu den Gottesdiensten rechnen kann, der nicht bis zum 27. September mittags 2 Uhr im Besitz seiner Eintrittskarte ist.