Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 14/15 (29.7.1935)
- Date
- 1935-07-29
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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£«Ue i Gemeindeblatt der Israelitischen Religion-gemeinde DreLden Nr 14/15 Pqrfömerien/ Drogen/ Forben, Photo, Waschmittel/ Kempinski - Weine Qualitätswaren preisgünstig freie Zusendung/Tel.26266/Eugeba, Galeriestraße 11 zwischen Altmarkt, Neumarkt und der Schabbos kommt ihnen ohne festlichen Gruß, ohne Kiddusch, ohne lautes Tischgebet, und geht ebenso ungegrüßt, ohne Hawdoloh, wieder davon. Muß das so sein? Hängt die häusliche Feier des Schabbos für die Meingebliebenen, die Meingelassenen wirklich davon ab, daß sie sich und vielleicht den Kindern am Tisch einen »Kidbuschmann' einladen? Ost wird die schmale Haushaltkasse es nicht erlauben, daß zu jedem Freitagabend und Echabbosmittag ein Gast gebeten wird. Noch öfter wird die Frau ein Widerstreben fühlen, wenn ein Fremder die schönen Bräuche üben soll, die dem Hausvater Vorbehalten sind. Also wird sie für sich und die Ihren verzichten? Aber das soll sie nicht! Eie soll es nicht und darf es auch nicht. Denn - und dies ist der Bescheid, der mir von einem angesehenen Lehrer in Israel der konservativen Dichtung in dieser Frage geworden ist: ... . »so ist die Frau nicht nur berechtigt, sondem religionsgesetzlich geradezu verpflichtet, Kiddusch zu machen. Oie mit der Eabbathheiligung zusammenhängenden Gebote verpflichten die Frauen in gleicher Weise wie die Männer. Wenn also kein Mann an der Sabbathmahlzeit teilnimmt oder wenn kein Mann da ist, der Kiddusch machen kann, soll die Problematik der Bon Or. Werner 6 Es ist ein offenes Geheimnis, daß der »Bund' heute an die Seite von Schule und Elternhaus als dn'tter Erziehungsfaktor getreten ist. Deshalb müssen alle Erzieher mit ihm rechnen - die städtischen, weil ihre Iugend eine großenteils und jedenfalls bestenteils bünbische ist und die ländlichen, weil sie sich bemühen müssen, die ihnen anvertrauten und heute oft so unheilvoll isolierten jungen Menschen so zu führen, wie wenn sie hündisch wären oder es werden solltm. Kurz gesagt, die »Bünde' sind eine legitime Erscheinungsform des jüdischen Lebens geworben. Oie Zeit der oppositionellen Iugend-»bewegung' ist vorüber und umriffenere Formen jugendlicher Lebensgestaltung beginnen sich herauszubilden. Oer Weg von Pfadfinderschaft und Wanbewogel zu den heuftgen nichtjüdischen Organisationen ist eindeutig,- die jüdische Iugendbewegung - mag sie in ihren Anfängen »Blau-Weiß' oder »Kameraden' geheißen haben - ist ein Kind der deutschen und, wenn es in ihr und durch sie so etwas wie den Anflug einer »jüdischen Erneuerung' in unseren Tagen wirklich geben sollte, so wäre sie aus den Gnaden des deutschen Geistes entstanden. Wie die deutsch« Bewegung, aus der sie geboren ist, hat auch die jüdische Jugendbewegung das unverbindlich Schweifende, das zugleich romanttsch Sehnende und trotzig Negierende ihrer Frühzeit verloren. Nicht staatlich zwar hat sie sich gefestigt, wie die deutsche Jugendbewegung, und nicht sich weithin geeint, es sei denn, man fasse di« äußerlich-organisatorische Zusammenfassung in den Oachgebilden der Ortsringe, der LandesjugendauSschüffe und des Neichsausschuffes der jüdischen Iugendbünd« wenigstens als den möglichen Ansatzpunkt einer solchen Einigung auf: der deutph« Staat von heute hat sie nicht gerufen und der jüdisch« Staat ist nicht existent. Gleichwohl ist auch sie, die jüdisch« Iugmd in ihren vielen Bünden, nach beiden Setten hin, nach außen und nach innen, aus ihrer Fahrt ins Blau« eingekehrt in die kanft'gen Bereich« der Berantwortung. Nach außen sind es die Fragen der Berufswahl und nach innen Frau Kiddusch machm.' Oer Bescheid erstreckt sich ln gleicher Weise aus das laut verrichtete Tischgebet - Mesuman- Benschen können Frauen jedoch nicht - und auf die Hawdoloh. Mit dieser schönen Pflicht muß sich uns Frauen sogleich die- Mahnung verbinden: erfüllt sie auch! Oie Schwestern am Sabbachtisch, die Freundinnen, die verwitweten Mütter, die Frauen mit der großen Sehnsucht nach dem Fernen - all die tapferen Arbeiterinnen, solange der Werstag fl« braucht, die können und sollen am Schabbos die häusliche Feier für sich selbst und für die bereiten, die ihnen nahestehen. Es ist nicht schwer: den Tisch zu rüsten lernt sich leicht auch für die, denen er im Elternhaus nie so gedeckt wurde, und für dl« anderen hllst Erinnerung an Motters sorgend« Hände bei der Borberektung. Erinnerung weckt auch die Melodie des Kibdusch, wie sie ihn aus dem Munde des Kantors in der Synagoge oder aus dem des Daters oder Großvaters gehört hat - es lernt sich leicht, wenn man liebt. Und es gibt heute viele jüdisch« Menschen, Männer und Frauen, die gem bereit sind, all das zu lehren, was an reinem Wissen zur Feier fehtt: Worte des Segens und den Nigun dazu. Das lernt sich und wird Besitz, wirb kostbares Gut und eins, das nicht mehr verloren gehen kann. Oie Hausstau macht Kiddusch - die Frau bereitet sich und den ihren den Eingang des Schabbos, seinen Höhepunst und seinen Abschied nach dem Brauch in Israel und bindet so sich, di« Ihren und ihr Haus immer von neuem an die Gesamcheit, nicht nur der Gegenwart, sondem im Geist der Überlieferung an die Heimgegangenm und an die Zukünftigen, an alle »Bne Iisroel', denen befohlen ist, daß sie des Schabbos gedenken sollen, um ihn zu felem, auch häuslich zu stiem, wie wir's lemten: mit Kiddusch, Tischgebet und Hawdoloh. Martha Werthelmer. jüdischen Bünde ahnmann-München find es die Fragen des »Lernens', an denen sich die problemattk jüdischer bündischer Iugend von heute mtzündet. Oie Frage der Berufswahl steht unter dem Zeichm der Ehaluziut. Das soll heißen, baß die soziale Umschichtung, die von Iahr zu Iahr deutlicher in' Erscheinung tritt, sich vollzieht in der Ausrichtung auf das Gemeinschaftsempfinden, in der Idee des Borkämpfertums. Dies aber bedeutet für das Bemfsechos, daS im jüdischen jungen Mmschen herangebklbet wirb, eiy« Umwälzung, die man sich gar nicht radikal genug vorstellen kann. Das Zeitalter des Frühkapitalismus war der seit Iahrhunderten gezüchteten Beranlagung der Iuden, ihre Geschäfte unter eigener Berantwortung und zu eigenem Borteil ober Nachteil zu führen, weit entgegengekommender wagende Kaufmann, der untemehmungslustige Kopf war der Mann der Epoche. Ie mehr man dann in den letzten Iahrzehnten von der freien zur gebundenen Wirtschaft mit ihren Massenorganisationen überging, je mehr der Typ des emsigen Wirsschaftsbürostaten der allgemein gefordert wurde, desto mehr wurde der hoch hinaus strebend« jüdische Individualismus aus einer förderlichen zu einer lästigen Eigenschaft. Es bleibt das Verdienst des zionistischen Flügels der jüdisch, n Iugendbewegung, zumal des Hechaluz, aus der Not ein« Tugend gemacht und große Telle der jungen Generation zum kollekttvm Herabschraubm ihrer Bemfsansprüch« veranlaßt zu haben. Für diese Iugmd hat sich bas Wort Serzls bewahrheitet, baß eine Fahne nicht ein Fetzen Tuch ist, sondem eine Realität. Oie deutschjüdische Iugend hat es aus vielen Gründen sehr viel schwerer. Wer der Erhaltung des deusschm Iudentoms dimen will, muß vlsstn, daß Umschichtung in landwirtschaftliche Bemst, so, wie die Dinge'heute liegen, gar nicht und in handwerkliche Bemst nur in sehr geringem Ausmaß möglich sein wird. Es wird die große und domlge Aufgabe des Bundes der deusschjüdischen Iugmd sein, die jungen Mmschen, di« seiner Parole folgen, in die kaufmännischen Beschäfttgungm hinelnzuführen, berm Lehrstellen heute ln so verhängnisvoller