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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1935-07-01 · 13 (1.7.1935) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
11 (1935)
Issue
13 (1.7.1935)
Date
1935-07-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Sette 2 Semeindeblatt der Israelitischen ftcligionlgcmcinbe Dresden Nr. 13 chrer sprachlichen vibrierenden Lebendigkeit und in ihrem strömenden Wissen vom Judentum unübertrefflich. Wir veröffentlichen im Folgenden einig« Stücke aus den Briefen von der mazedonischen Front, an der Fränz Bosenzweig längere Zeit während des Weltkrieges stand. II. Proben aus Bosenzwttgs Triefe« von der mazedoaffchen Front Liebe Eltern, Osterferien! . . . Oer Leutnant hat mich ... sogar einen Tag früher nach llesküb geschickt als nötig war. „Sehen Eie nur schoo morgen; es ist sehr hübsch in Uesküb." ...Solomon Gabriol heißt „Jbn Gabirol" und es ist nicht gegen die ,/rllgemeine Bildung", den Namen zu kennen. Dichter und Philosoph, im Machsor des Kolnidre-Abends ist ein langes Lehrgedicht von ihm abgedruckt. - Ich dachte, ich würde unterwegs ein paar kleine politisch« Aufsähchen machen, die ich Hans für sein Sammelbuch versprach,- ich bin aber zu vergnügt dazu und so werde ich warten, bis ich wieder in meiner „Ruhestellung" bin. - . . . „Eajusmizi Basboninizi" (Schurken! Verräter!) ist bas Lieblingslteb der Bulgaren, gedichtet nach dem zweiten Bakkankn'eg, also natürlich auf den lieben Bundesgenossen vom ersten bezüglich. Oie Melodie hat wirklichen Schmiß. Heute traf ich einen Soldaten, der Vieh weidete und eine Flöte von Spazierstockformat hatte, er spielte darauf eine Melodie von den richtig volksmäßigen (ganz anders als diese hier), so daß ich geschworen hätte, die Flöte stünde überhaupt auf einer antiken oder mittelalterlichen Tonart (er griff gar keine Halbtöne), aber es stellte sich heraus, daß es einfaches Our war! (6. 4.1912.) ... Auch Sefardim habe ich viele gesehen und dem Gemeindevorsteher einen Besuch gemacht, Kaufmann, sehr würdig, aber noch viel gerissener als würdig aussehend, Frau unjüdksch aussehend, Töchter rassig, die ältere, Oro (Goldchen!) war in Saloniki auf der deusschen Schule, die jüngere, Fortune (Glücket!), vierzehnjährig, kann noch kein Deutsch, Französisch können sie alle, unter sich sprechen sie spanisch, das die Männer mit hebräischen, die Frauen mit bulgarischen Buchstaben schreiben; das versteht man mit Italienisch ziemlich leicht, wohl weil es alsspanisch ist. Jüdisches Wissen — null) jüdisches Leben dagegen selbstverständlich, verkehren nur untereinander, fühlen sich, mit Becht, als Elite. (6. 4.1912.) Liebe Eltern, wieder beim Zug, bei den protzen; . .. Also es waren wunderschöne Tage, die ich ungern aus meinem Leben streichen würde. Llesküb ist eine sehr merkwürdige Stadt. Ein völliges Neben- und Auseinandersein der'drei Nattonalitäten (Türken, Mazedonier, Juden; die Zigeuner zählen fiadtpolittsch nicht mit,-)... Man kann sich auch schwer eine Gemeinsamkeit vorstellen; in dem Eonsril Muninpal dominierten mit absoluter Majorität früher die Türken, dann unter Serbischer Herrschaft die Mazedonier,- jetzt ist nur bulgarische Militärverwaltung; natürlich macht man nur Straßenreinigung und dergleichen gemeinsam. Oer äußere Charakter der Stadt ist türkisch: sie schmiegt sich hinreißend schön ins Gelände, mittendurch fließt der frühlingshast fn'sche Warba, daran ein breiter Festungsberg; viele Kuppeln und Minarette. Kuppel und Minaret, das Bundeste und Spitzeste zusammen, ist das eigentlich Unvergeßliche des Blicks über die Stadt. Das Christenviettel ist relativ europäisch, das Türkenviertel heißt Bazarfiraße (lauter offene Werkstätten und Läden), teils leere krumme und sonnige Gaffen, die nicht von Häusern, sondem von Mauern begrenzt werden, hinter den Mauern Gärten und Häuser. Das Iudenviertel besteht ebenfalls aus Wohnhäusern,, meist ohne Läden; mit Holzveranden; etwa vier Gaffenzüge im ganzen. - Am fünften Abend, Freitag, war ich bei den Sefardim in der großen Synagoge, einem sehr schönen, ganz weiß getünchten viereckigen Raum mit Kuppelkasetten und zugehörigen Säulen. Oer Machsor ziemlich wie bei uns, di« Melodien alle anders, auch die alten, aber originell und lebendig, das ,/cha dodi" war sehp. schön, eine Knabenstimme mtt Tenorvolum »der vielmehr Tenortimbre führte; die Kehrwendung bei der Schlußstrophe machm sie nicht, dagegen die drei Schritte rückwärts beim Kadtsch... S&> Bankhaus öebr.NrnholS vjMaeF Ptt»dtn4kt<ta JM4 Dffrtwt VeMmkoMedraft 19-22 StrUiKT famt: S«rUa W $, Sekrenfhraft <2-63 Dir Mfcn 33n4f4cfne m»*0d»fle «1Me In der Jttgd spesenfrei ein nnd -alten gntvszincklche «nlagewerte stets larräng. Beim Sch'ma, b. h. nur bei dem ersten Satz, pressen sie zwei Finger fest auf die geschloffenen Augen und küssen bann laut die Finger. Bon den Freitagsabendpsalmen sagen sie nur den Gewitter- und den Sabattpsalm. Oie Bänke zum Teil so, daß man dirett dem Almemor den Bücken zudreht. Oie Thorarollen eingewickelt, aber nicht iy Kinderwickel, wenigstens sind sie ganz indifferent ornamenttert. Oer Trop völlig von unserem verschieden, viel farbloser; ... Disziplinlosigkeit und Gemütlichkeit gut entwickelt. (10.4.1912.) Liebe Ettern, so war ich bis Freitag, den ü. abends; die Spaniolen gehen meist europäisch gekleidet, einige aber mehr türkisch; breiter Talar mit schwarzem, pelzbesehtem Mantel. - Zum Scher waren drei- bis vierhundert Soldaten da, auch Österreicher, Buffen und Bumänen je ra. fünfundzwanzig. Oie Bulgaren hatten natürlich einen eigenen im Hause des Turnvereins Makkabi; sie haben Nein«, ganz dicke, feste Mazzes, zwei Finger dick. -'Bon Offizieren war nur ein Artillerieleutnant ... da, sonst Arzt, Lazaretttnspektor, Apocheker; wenig Infanterie, yiel Artillerie usw. Es war große Unordnung und viel Geschimpf, dabei war alles sehr reichlich da, aber keine Organtsatton. Den Seder gab Lazarus, mit teilweiser Benutzung der schrecklichen Dichtung der Sellgmann'schen Hagada ... Um zwölf waren wir im Ouattier... Um sieben früh ging ich zu den Sefardim; es bauert« von sieben bis neun, ich erzählte schon bas Bemerkenswette; damach sah ich noch eine BttSmlle, die sehr pittoresk vettief, es wurde sehr ttntönig und viel dazu gesungen. Nachher gab es ein Zuckerwerk für die Kinder draußen. Um zehn war ln der gleichen Synagoge Militärgottesdienst. - Ich vergaß noch: es gab bei dem Sefardim eine kurze und sehr frisch unsalbaberig gesprochme predigt des Ehacham aus Sofia, der die Schule in Llesküb leitete, eines kleinm, aber schön bevollbättetm ca. 40jähttgen Mannes. Das Spanisch klingt prachtvoll energisch, schon durch die vielen „ös*-Endungen der Plural«, verstanden habe ich fast nichts. - Also um zehn; wieder ca. brtthundett Soldaten, ich machte etwas Schammesgesihäfte, indem ich die Täfelchen an die Auszumfenden ausgab und dabei einen der drei christlichen Offiziere, die, offenbar von der Ortskommandantur, aber ohne sich dem Babbiner vorgefiellt zu haben, da waren, fragte, ob „Herr Leutnant ein Cohen sind*. Als Chasan fungierte ein wirklicher aus Ltchtenberg btt Bettln, ein dreißigjähriger Landsturmmann, mtt ttnem wirklich schönen Mozarttenor . . . Oie Lewandowskischen Melodim wurdm kräftig ohne Bücher mitgesungm. Vorher Hatttt, nachher Muffas. Aufgerufen wurden erst zwei beliebige Gemeine als Cohen und Levl, dann der Leutnant, der Arzt, ein Buffe, ein Bumäne, als Mastir ich, btt den "Brachen, die ich mnterrapptta wollte, verhedderte ich mich etwas, was aber nichts schadtte, dafür wurde mir, wie ich nachher hörte,.fihwer verübelt, daß ich die Haftara, da ich den Trop nicht genügend kann, mit vernünftigem Ausdruck, wie «inen deutschen Text, las (nicht das Lesen, 7ond«rn die sinngemäße phrafiemng fand man „eingebildet", so rasch habm einen dle Menschen heraus). 13. 4. 1912 .... Also Llesküb. Ich war wohl gekommen bis da, wo der Tee herttakam. Ich woNte Nun dem Schulmttster auch etwas bttbttngen und bat jhn, mir die Stttle aufzuschlagen:

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