Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 13 (1.7.1935)
- Date
- 1935-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Gemeindeblatt -er Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Amtliches Organ -es Semeindevorstandes * Mitteilungsblatt des Sächsischen israelitischen Gemeindeverbandes * Verantwortliche Schrtftleitung: Leo Anschel, Dresden / Vorlag: Israelitische Religionsgemeinde Oresden-A. l, Zeughausstraße 3 / Ruf 14051 und 17887 / / Verantwortlich für den Inseratenteil: Iac. Gtetnlicht, Dresden.A. 14, Stübel-Allee 35 / / Ruf 34185 / / Annahmestell« für Inserate ebenda / Die 4mal gespaltene 46-mm.Zeile tostet 22 Pfennig, laufend Rabatt / Druck: A. Sruhnert, Dresden.A. 1, Ammonstr. 61 | XI. Fahrg. OreSben, den 1. Luli 1935 Rümmer 13 Zu Kranz Aosenzweigs Briefen?sranz Rosenzweig, Lrlefe. Unter Mitwirkung von Ernst mon ausgewühlt und herausgegeben von Edith Rosenzweia, 743 Gelten Sroß-Ottav. Äerlln (Gchocken-Derlag) 1435. Preis ln Leinen RM 12.50. I» Kranz Rosenzweig als jüdische Gestalt Franz Rosenzweig (1886 -1424), ist eine der merkwürdigsten jüdischen Figuren der letzten Epoche, und seine maßgebende und autoritative Einwirkung auf das deutsch« Fudentum, die sich schon zu seinen Lebzeiten immer stärker geltend machte, hat sich nach seinem frühen Tode noch weiter vertieft. Mit einem Schlage bekannt tourbl Rosenzweig in jungen Jahren durch sein an den Lehrer Hermann Eohen aus dem Felde gerichtetes offenes Schreiben »Zeit ist's", das die Begründung der Akademie für die Wissenschaft des Judentums zur Folge hatte. Seine wenige Fahre später erschienene Programmschrist »Bildung und kein Ende" gab den Anstoß zur Begründung des Füdischen LehrhauseS in Frankfurt, baS Rosenzweig bis zu seiner Erkrankung selber leitete und zu einem Borbild für ähnliche Bildungsanstalten in vielen anderen Städten schuf. Ebenfalls noch im Felde entstanden ist Rosenzweigs philosophisches Hauptwerk: »Stern der Erlösung", ein vollständiges System der Philosophie von großer, noch nicht voll wirksam gewordener Tragweite. Das weitere Wirken RosenzweigS steht unter dem Schatten einer schweren Erkrankung, die ihn im Fahre 1422, also als 36jährigen, ergriff und von ihm acht Fahre lang in heldenhafter Weise ertragen wurde. Oer Herrschaft über seine Glieder, ja selbst der Sprache beraubt, wurde er, der in diesen Fahren die Hymnen Fehuda Halevis übersetzte und in bedeutenden, gedrungenen Anmerkungen dazu eine ganze Theologie gab, ferner gemeinsam mit Martin Buber die Derdeutschung der Schrift unternahm, schon zu Lebzeiten eine fast legendäre Persönlichkeit. Auch in dieser Zeit seiner Berbannung in die Krankenstube blieb Rosenzweig den Geschehnissen draußen intensiv zugewandt. Davon zeugen die aktuellen Aussätze und die zahlreichen Briefe aus dieser Zeit. Fn den Briefen Franz Rosenzweigs erschließt sich der ganze Reichtum und Ernst seiner ungewöhnlichen Persönlichkeit. Fn ihnen wird seine Wirksamkeit im jüdischen und im deutschen Geistesleben der Zeit erst ihrem ganzen Umfang nach erkennbar, wird sein Gewicht als Sprecher der westjüdischen Umkehr erst voll verständlich. Oie im^Wissen unerbittlichen, von Leid und Unrast der Zeit ttef erregten, angriffslustigen, ja ironischen, und dann doch wieder abgeklärten, überlegen weisen Briefe lassen erkennen, wie - über bas Werk hinaus - ln Rosenzweigs persönlichem Leben und Schicksal eine Zeit und ihre Frage wahrhaft Antwort gefunden hat. Das Buch enthält in chronologischer Anordnung etwa den zehnten Teil aller Briefe, die Franz Rosenzweig geschrieben hat. Sie sind so ausgewählt, daß sie, als Ergänzung und Kommentar des gedruckten Werkes, gleichsam eine innere Biographie ergeben. Oie Auswahl beginnt mit den Briefen des achtzehnjährigen Abitun'enten und endet mtt einem Brief, der wenige Stunden vor dem Tod begonnen, Fragment hat bleiben müssen. Aus dem chronologischen Zusammenhang herausgelöst und als Anhang gedruckt wurde der Feldpostbriefwechsel zwischen Franz Rosenzweig und Eugen Rosenstock über Fudentum und Christentum. Das Beispi'elmäßige bei Rosenzweig ist seine weite Ensserntheit von den Parteien. Er hat sich immer als »Richt-Zionist" bezeichnet; er kommt aus „assimilierten", „liberalen" Kreisen. Aber keiner Richtung hat er so wie dem Liberalismus - souverän und wissend - das Gewissen geschärft; er hat die Ausgehöhltheit dieser Position wie keiner erkannt, aber gleichzeitig ihre Herkunft und vor allem ihre für das Fudentum lebenswichtige" Funttion eingesehen. Auch das überlieferte Fudentum will und kann den Menschen und Gläubigen Franz Rosenzweig nicht für sich reklamieren; weder in seiner Offenbarungslehre, die durchaus nicht der „Berbatinspirations"-Theorie der heutigen Orthodoxie entsprach, noch in seiner Auffassung des Gesetzes war er orthodox. Oie vorliegende Bn'efsammlung gibt darüber unzweideutig Auskunft. Für diesen scharf denkenden und gleichzeitig gemütsinnigen, tief fühlenden Geist ist. die parteimäßige Formel ganz und gar unangemessen. Man erschrickt manchmal vor der Unerschrockenheit und Kompromißlosigkeit der Polemik, des Urteils über Menschen und menschliche Einrichtungen. Fn der nicht für die Öffentlichkeit bestimmten ungeschminkten, ja manchmal ungehobelten und beißenden Kritik liegt der Wert vieler Äußerungen. Oie Briefe Franz Rosenzweigs sind ein großes Erbe an das deussche Fudentum, in iiiiiiiiiiiiHHiiiHiiiHtiHHitiiiHiMiiniimiiiimiiMiiiHtiiuiiiiiMiiiiiimmiiMiMiiiitimiiiiimiiiimi Das nächste Gemetnöeblati erscheint am 29. Fuli 1935, das übernächste am 15. August 1935! MillHUimiMIMIIIIIHIIIIIIIIIIIIIIIIMIIMIUIIIIIIIIIimillimillllHIIIIIIIMIIIIIMIIIIIIIHIHIIIIIIIIIIIIMMI