Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 7 (1.4.1935)
- Date
- 1935-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Gemeindeblatt der Israelitische« Religionsgemeinde Dresden Nr. 7 "" & Waldselnaidl Kaufhaus für alle unserer Tage in ihrer Beziehung zum Judentum eine ganz besondere Bedeutung hat, so müssen wir auf die 8. Grundlehre, die von der Göttlichkeit der gesamten -Lehre, Hinweisen. Hierbei ist die Formulierung im Mischnakommentar allein aufschlußreich. Seine Darlegung enthält vier Grundgedanken: 4. Oie Forderung des Glaubens an die Berbalinspiration. O. h. wir sollen glauben, daß die ganze Tora, die durch unseren Lehrer Mose gegeben worden ist, von Gott stammt, das soll heißen, sie ist von Gott zu ihm in einer Weise gekommen, die in Gleichnisform als „Jlebe" bezeichnet werden kann, nur Mose wußte, wie.sie an ihn gelangte, aber sonst ist es nicht bekannt, Mose war »wie ein Schreiber, dem man etwas diktiert"'. 2. Oer Ossenbarungscharakter der Tora gilt im gleichen Maße für alle Teile der Tora. »Es ist kein Unterschied zwischen Namensaufzählungen und Sähen wie »Ich bin der Ewige, der dich aus Ägypten geführt hat"' und »Höre Israel, der Ewige, unser Gott, ist einzig"'. Wer also behauptet, irgendwelche Erzählungen hätte Mose von sich aus erzählt und niedergeschrieben, der ist bei unseren Weisen und Propheten ein ganz besonders schlimmer Ketzer, weil er annimmt, es gäbe bei der Tora Wesentliches und Unwesentliches. 3. Dem Torawort gegenüber ist Demut erforderlich. »Iedes Wort der Tora enthält tiefe Weisheiten für den, der es zu erfassen vermag. Oer letzte Sinn kann nicht erfaßt werden. So muß also der Mensch in den Sphären Davids, des Gesalbten des Gottes Faakobs, wandeln, welcher betete: »Entblöße meine Augen, damit ich Wunderbares aus deiner Lehre erschaue.**) 4. Oie mündliche Lehre ist ebenso als göttlich geoffenbart zu bettachten wie die schn'ftliche. Oie religiösen Kämpfe der Gegenwart gehen um den Offenbarungsbegriff. So wie ihn Maimonides hier darlegt, so unverkürzt, muß ihn das gesetzestteue Judentum noch heute als für jetzt und alle Zeiten verbindlich anerkennen. Besonders wesentlich erscheint uns' für unsere Zeit die dritte Forderung dieses »Fundamentes"', die zur Demut und Ehrfurcht dem Bibelwort gegenüber. Man hat nicht das Necht, sich vom Bibelwort »ansprechen"' zu lassen und es nur dann als göttlich anzuerkennen, wenn es der Seele als unmittelbar von Gott kommend erscheint. Wir schließen mit dem Wunsche, daß das Fesijahr Maimonides für die gesamte Iudenheit wieder werden lasse zum »Führer der Irrenden"', jener großen Schar der Heimkehrenden, der sie hinführt zum unverfälschten ganzen IudentuM der Tora und der Tradition. (Kur d. Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitisch. Gemeinde Hamburg.) «) Psalm 119, 18. 7M Niederlage der „HerzM-Schake Dresden-A. » Prager Straße 2ft IfmulZsriH ‘ Aussprüche des Maimonides Stufen des Wohltuns 4. (höchste) Stufe: Vem Bebürfttgen die Möglichkeit geben, sich selbständig «mähren zu können. 2. Stufe: Wohltätig sein in einer Weise, daß der Spender und der Bedürftige nichts voneinander wissen. 3. Stufe: Oer Wohltäter weiß, wem er gibt,- aber der Arme erfährt nicht den Namen des Spenders. 4. Stufe: Oer Gebende kennt nicht den Namen des Bedürftigen, aber dieser kennt den Spender. s. Geben, bevor man gebeten wird. 6. Stufe: Geben, nachdem man darum gebeten wird. 7. Stufe: Zwar nicht ausreichend geben, aber doch m>< Freundlichkeit. 8. (niedrigste) Stufe: Mit Unfreundlichkeit geben! (Mischne Tora, Matnot anijjim X, 7 ff.) Schlimmer ist Bedrückung mit Worten (Kränkung) als Bedrükkung in Geldangelegenheiten (Übervorteilung)denn diese läßt sich berechnen, jene nicht, diese trifft das Vermögen, jene die Person. (Mischne tora hilchot mechira XIV, 48.) Selbst ein gelehrter und hochmögender Mann greife, wenn es verarmt ist, zu einem Gewerbe, und sei es auch eines der niedn'gsten, damit er nicht auf dir Unterstützung von Menschen angewiesen sei. Es ist ehrenvoller, das Fest von einem gefallenen Tier abzuziehen, als zu betteln und den Leuten zu sagen: Ich bin ein Gelehrter, ich bin ein pn'ester, gewährt mir'meine Bedürfnisse. (Mischne tora, Matnoi anijjim X, 48 f.) Spendet zu peffach »wer hungrig ist, komme und esse, wer bedürftig ist, komm« und feiere pessach.- (ssagada.) Oie Israelitische Neligionsgemeinde versorgt alle Bebürfttgen, die sich an sie wenden, pflichtgemäß für die pessachtage mit Lebensmitteln, insbesondere mit Mazzoth. Eie hat auch Personen, die in Anstalten untergebracht sintt, mit peffachkost zu versorgen. Oie Gemeindeverwaltung und die Wohltätigkeitsvereine innerhalb der Gemeinde leisten zu den entstehenden Kosten nach ihren Mitteln Beiträge. Mit diesen können aber bei der ständig größer werdenden Not undder Steigerung der Zahl der Hilfsbedürftigen die Anforderungen auch nicht im bescheidensten Umfange erfüllt werden, wenn sich nicht wohltätige Gemetndemitglieder finden, die für diesen religiös-jüdischen Zweck ein besonderes Opfer bringen. In diesem Jahre ist die Not, wie Sie all« wtffen, sehr groß. Um di« an uns gestellten Anforderungen im notwendigsten Umfang zu befriedigen, müssen wir uns daher wiederum an unsere Semeindemttglieder mit der dringenden Bitte wenden, uns für den guten Zweck eine Sondergabe zu überweisen. Wir hoffen, daß sich keiner ausschließen wird und banken schon im voraus herzlich für jede Gabe. „Oer eine wenig, der andere mehr." Oer fromme Zweck muß in jedem jüdischen Herzen Sebewilltgkeit wecken. Vorstand und Nabbinat der Ifraeltttfchen NeligtonSgemeinde. Samuel Weigsr. Max Leffer. Or. Walter Grün. Or. Artur Nosenbaum. Erich Echapira. Hermann Schocken. Nabb. Prof. Or. Winter. Nabb. Or. Wolf. Freude zu Ostern i Pralinen j Ostereier I i Bitter-Marzipan j Kreutzkamm j «9f tr/KAM4 5549