Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 7 (1.4.1935)
- Date
- 1935-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr . 7 Sette 3 (8ttnelnbtM\>tt bet Israelitischen Neligionßgemelnbe Dresden BERNHARD SCHÄFER Dresden-A., Prager Straße 7 Spezialgeschäft auserlesener Geschenke in allen Preislagen / Gold« und Sllberwaren Kunst- und Luxuswaren / Feine Lederwaren oorfrJgtn und mit dem Lichterentzünden als großen Gchlußakkorb. -Hierfür mußte der rührige Initiator der Veranstaltung seine eigene Menorah mitbringen, da es im Veth Israel eine solch« nicht gibt. Auch in privatbeflh findet man hier übrigens kultische Geräte nur höchst selten. Unsere Sederschüffel mit eigenen Fächern für die drei ■ ausgezeichneten Mazzoth bildet hier die größte Sehenswürdigkeit für unsere Bekannten. Daß für eine künstlerische Veranstaltung in der uns vertrauten Form Interesse vorhanden ist, bewies der starke Besuch der Feier, der einem wohltätigen Zweck zugute kam. Für unser Empfinden fremd war die Art und Weise, in der man eine Pause dazu benützte, jeden Anwesenden persönlich um eine Spende zu bitten imd deren Höhe sofort unter Namensnennung von der Kanzel aus bekannt zu geben, gleichviel ob es flch um 2 oder 10 BM. handelte. Gewisser maßen als Gegenleistung für die abendländischen Darbietungen egt« auch der sephardische Vorsänger eine Probe seiner Kunst ab, in der sich Tonfall und Rhythmus der arabisch-türkischen Musik wiederflnben. Ein Kiddusch dieses Vorbeters, aus dem wir mühselig den hebräischen Text heraushören, wirkt auf unser Ohr ebenso eintönig wie trostlos: ich wage nicht zu beurteilen, wie stark das Ohr unserer sephardischen Glaubensgenossen von unseren liturgischen Gesängen angesprochen wirb. Alles in allem haben wir ln jüdischer Beziehung hier eines gelernt: im Orient schrumpfen die Differenzierungen im europäischen Iudentum, die von vielen so ernst genommen werden, zu einem Nichts zusammen. Hier muß vielmehr die jüdische Aufgabe, wie es die wohlgelungene Ehanukkafeier gezeigt hat, dann gesucht werden, eine Brücke zwischen den zwei großen Gruppen zu schlagen, die ohne ihr Zutun so lange von einander abgeschlossen waren. Oie Scheidewand, die sich bis in unserer Zeit zwischen Orient und Okzidentsaufgetürmt hat, ist gefallm. Wmn es auf beiden Seiten nicht am! guten Willen zur Verständigung fehlt, kann die Annähe- ’rung, die sich damit anzubahnen beginnt, zu einer Quelle des Segens für das Iudentum werden. Oie dreizehn Grundlehren des Iudeniums nach Maimonides Ein Oeutungsversuch von B. G. Iacobson. $ortfe$ung und Schluß aus Nummer 6. Welche geistigen Mächte beherrschten das Weltbild der Iudenheit zu seiner Zett, welch« Strömungen innerhalb der Iudenheit hatten ein Zerrbild des wahren Iudentums? Islam, Christentum, Philosophie und Karäismus waren die geistigen und religiösen Gehalte, um derentwillen Maimonides gewisse an sich selbstverständliche Folgeningen der Grundbegriffe Gott, Offenbarung und Verantwortung des Menschen noch besonders hervorhob, damit seine Zeitgenossen und aste späteren den rechten Weg finden. Wir betonen: er selbst hat eS nicht ausgesprochen, daß die Rücksicht auf die Umwelt ihn bestimmte, aber um sein Auswahlprinzip zu erklären, darf dieses geschichtliche und pädagogische Moment wohl herangezogen werden. Im Christentum und im^Iftam geht es doch auch um Gott und Offenbarung, wie grenzt sich der jüdische Goitesbegn'ff gegen den der Tochterreligionen ab? In der Philosophie des Mittelalters werben auch Sott und Prophette abgehandelt, wie unterscheidet sich ihr Gottesbegriff von dem des Iudentums? Wie sind Gtrö- 33DEC mungen zu beurteilen, die die uneingeschränkte Gültigkeit auch der mündlichen Lehre anzweifeln? Gegen Christentum und Islam wenden sich vor allem die Sähe 7: .die Unvergleichlichkeit der Prophette des Mose" und 0: »die ewige Gültigkeit der Tora"; Maimonides schildert in der 7. Grundlehre Mose als den größten Propheten und den vollkommensten Menschen. Cr ist der Vater aller Propheten, die je sein werden, sie alle sind chm unterlegen. Er gelangte bis zur Stufe der Engel, es gab keine Scheidewand, dieer nicht über wunden hätte, kein» körperlichen Hindernisse bestanden, für ihn, die Sinnesorgane hörten bei ihm zu wirken auf, und er wurde reiner Geist. An Hand der Bibelstelle »Mund zu Munde rede ich in chn, anschaubar, nicht in Rätseln...'*) legt Maimonides die vier grundlegenden Unterschiede zwischen Mose und asten anderen Propheten dar. Seine Prophette ist unmittelbar von Gott, im Wachzustand und nicht durch Traum oder Vision, das Wort Gottes versetzt chn nicht in Schrecken und Angst, der prophetische Zustand ist dauemb. Ist Mose größer als aste Propheten, so kann die Sendung des Stifters der christlichen Religion und die Muhammeds keine echte, die des Mose übertteffend« sein. Das Iudentum kann weder vom Christentum noch vom Islam überwunden werden: »diese Lehre stammt von Gott, von keinem anderen, ihr kann nichts hinzugefügt noch darf an ihr. etwas verringert werden, weder an schriftlicher noch an mündlicher Lehre". Sah 9. Im More Nebuchim3) versucht Maimonides die Überlegenheit der Tora über aste irgendwie möglichen Offenbarungen nachzuweisen. »Denn, was in seiner Art möglichst vostkommen ist, von dessen Art kann außer ihm nur ein minder Vostkommenes existieren." Für die Hervorhebung der Einzigkeit Gottes und seine Llnkörperlichkeit und den Mesflasqlauben (Sähe 2, 3 und 12) dürfte im gewissen Ausmaß auch die ^Herausarbeitung des Gegensatzes zum Christentum maßgebend gewesen sein. Gegen die Anschauung der Philosophie seiner Zeit wendet sich vor allem die 4. Grund, lehre. »Sie besteht darin, daß wir davon überzeugt sein sollendaß dieser Einzige der absolut Uranfänglich« ist, in Beziehung zu Ihm ist alles Seiende nicht unanfänglich." Wie wesentlich Maimonibes die Bekämpfung der gegenteiligen, von Aristoteles vertretenen Ansicht war, zeigt die ausführliche Erörterung dieses Problems im zweiten Teile des More. (Besonders, interessant sind die Ausführungen im 23. Kapitel.) j Gegen karäische Anschauung wendet sich wohl die besondere Betonung der Göttlichkeit der mündlichen Lehre. »Auch die überlieferte Erklärung zur Tora ist von der Allmacht; so wie wir heute die Gukka machen, Lulaw nehmen, Scho ar blasen, Zizis und Tefistin anlegen, so war ihr Urbild, das Gott dem Mose sagte, er verkündete es uns, er ist beglaubigt in seiner Sendung." (Ende^ der 8. Grundlehre). III. Fragen wir uns beim Überblicken der 13 Nrundlehren des Maimonides, welche" seiner Formulierungen für die Iudenheit 4. ntos. 12, 8. Teil 2, Kap. 39, Übersetzung von weih, 8. 2Ä DRESDEN PHYSIKAUSCH¬ DIÄTETISCHE HEILANSTALT Mcderade KareiaricMaa|et HnU OeMpUta. Proa^»*«