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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1935-03-15 · 6 (15.3.1935) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
11 (1935)
Issue
6 (15.3.1935)
Date
1935-03-15
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 ©cmttnfccllatt der Israelitische» R«lt>io»»ß«meinde Dresden Nr. b Bankhaus 6ebrHrnt)o(ö _ j? Vresden verltu 8n«iir TBmfen^autftraf« 10-22 . iVrlinrr <?au» J^lin w 0 Ptbrrnftraftc 02-03 kostenlose Beratung In asten Hypotheken n. «rundstLksangitegenhellrn in der Tat, viele unter uns nicht bedacht und nicht gewußt, und so bleibt Esther eine der edelsten Vorbilder mit ihrer ebenso großen wie schlichten Antwort, daß sie das Vettungswagm'S untemehmen wird und: „25m ich dann verloren, so bin ich verloren/ Wer so denkt und haydelt, der ist in Wahrheit nicht verloren. Deshalb ist die letzte seelische Ausbeute des Esther-Luches die Zuversicht, daß wir nicht untergehen werben, daß Geist Gottes siegreich bleibt. Diese Hoffnung haben, so wurde schon oben gesagt, die Makkabäerhelden in alten Tagen aus dem Luche geschöpft; sie blieb der Grundgedanke des purimfesies in allen Leiden des Mittelalters und bis an die Schwelle dieser heuttgen Zeit, und sie wird auch künftig seinen unveränderten Inhalt ausmachen. Erhebend die Gedanken, adlig die Menschen, zukunfiskrckfttg die Deutung dieses Luches - und von großer Herzensunmittelbarkeit daher auch das Brauchtum des Festes, das an dieses Luch sich knüpfi. „Brauchtum"? Vielleicht klingt der Ausdruck seltsam, denn im jüdischen Zusammenhänge spricht man sonst von „Ritual". Aber im Gegensatz zu fast allen anderen Festen hat Purim kein Ritual; die Verlesung des Esther-Luches und die kleine Einschaltung im täglichen Achtzehngebet sindzu anspruchslos, um als „Ritual" bezeichnet zu werden, und' so bleibt, statt der sonst gewohnten, bis ins einzelne kodifizierten Äesiimmungen das ganz freie Sich-Leschenken („Sch'lach monauß") und Fröhlich-Sein! - Menschlich wie das Luch sind auch die Züge des Festes. Man hat es den „jüdischen Karneval" genannt. Als solches werden wir es in diesem Fahre nicht begehen. Einmal, weil Purim in diesem Fahre fast unmittelbar mit dem deutschen Volkstrauertag (17. März) zusammenfällt, an dem ja auch wir unserer 12000 für das Vaterland gefallenen Helden und aller Opfer des schrecklichen Krieges gedenken; und zum anderen, weil die Zeit überhaupt für Oy ein lautes Feiern uns Fuden wenig geeignet erscheint. Um so größeres Gewicht aber sbllten wir' deshalb auf die. soziale Seite deS Festes legen; es gibt ein Fröhlich-werden durch Fröhlich-machen. Mit diesen letzten Äetrachtungen aber sind wir bereits bei der Frage, was Esther-Luch und punmsesi uns heute, unter den so gänzlich geänderten Umständen bedeuten. All) die hohen Werte, von denen wir bisher gesprochen haben, warenlja auch in früheren Zeiten bekannt, und es war geradezu' der (Sinn des alljährlich wieherkehrendes Festes, auf sie hinzuweisen. Flieder Zeit aber, die wir jetzt leben, kommt etwas Neues hinzu. Denn all das bisher Gezeigte wird gewissermaßen nur dem Einzelmenfchen in unseren Reihen gezeigt. Ein literarisch und ethisch hochstehendes Luch - es ist bas Luch deiner Gemeinschaft, deiner Religion. Mardochai und Esther Vorbilder - bemühe also du dich, ihrer wert zu werden. Gott wird, wie damals, so auch femerhin Israel erretten - so werden, mit deiner Gemeinschaft, auch Du und die Deinen leben. Ein soziales Fest - so gib auch du! Immer erfolgt di« Anwendung auf den Einzelnen. ' Wo aber kommen die Einzelnen her, und welches ist der gemeinsame Ort, auf dem die vielen einzelnen Fuden sich finden? Immer noch, immer wieder: die jüdische Gemeinde! ) Und das isss, was man noch nicht gesehen hatte: wie von Mardochai und Esther eine Kette zu jedem einzelnen Fuden und jeder einzelnen Füdin führt - „durch sie wurdest du errette/ - so führt eine Kette von allen jüdischen Gemeinden zurück nach Eusa. Denn -: wer war eigentlich Mardochai, der Onkel Esthers, wann lebte er, wie kam er nach Susa? Luch Esther, Kapitel 2, Vers 5-6: „Es lebte ein jüdischer Mann in der Residenzstadt Eusa, der hieß Mardochai; war ein Sohn Fairs, des Sohnes Sime'ls, des Sohns des Kisch, des Lenjaminiters. Welcher mit weggeführt worden war aus Ferusalem unter denen, die Rebukadnezar, König von Label, zugleich mit Fechonja, dem König von Fuda, in die Gefangenschaft geführt hatte/ Und nun lebt alles wieder auf: 507 hatte Rebukadnezar zum ersten Mal Ferusalem erobert und mit dem König Fechonja 13000 Fuden nach Äabylon verschleppt; 586 erfolgte die zweite Eroberung und diesmal, Zerstörung Ferusalems, 16 000 Fuden, darunter der geblendete König Zidkija, kamen nach Label; nachher folgte, nach der Ermordung des Gedalja, noch die dritte Deportation: 1000 jüdische Seelen. „Abgesehen von der ägyptischen Kolonie, den Versprengten im judäischen Gebiet und den durch Sklavenhandel in die Welt Gejagten ist das der gesamte damalige Aesiand des jüdischen Volles", schreibt ein moderner Geschichtsschreiber 30 000 Fuden! Sie hatten sich in Äabylon angesiedelt. Und nun lesen wir bei Oubnow: „Oer aus den Familienältesten (Sekem'm) gebildete Rat verwaltete die Gemeindeangelegenheiten in den Grenzen der den Gefangenen gewährten Autonomie.., Fn den religiösen Versammlungen der Exilzeit lag bereits der Keim zu der künftigen Synagoge.. / Und dann, 530, wurde Äabylon von Kyros, dem Perser erobert; die babylonischen Fuden lebten nun, ohne den Wohnort gewechselt zu haben, in Persien. 537 erhielten sie von Kyros die Erlaubnis zur Rückkehr und zum Wiederaufbau Ferusalems, aber nur ein Teil wandert unter Serubabel zurück; der sehr erhebliche Rest beobachtet von Persien her den Wiederaufbau der alten Heimat, unterstützt ihn finanziell und geistig. Und das wird nun zunächst das wahre Verhältnis (sehr änhnlich wie heute); die babylonischpersische Fudengemeinde ist „Mutterland", das neue Fudäa „Kolonie". Esra und Rehemia kommen aus Persien nach Fudäa, um, als die Entwicklung dort nicht den Erwartungen entspricht, Ordnung zu schaffen; nach Durchführung ihrer Aufgabe kehren sie nach Persien zurück. Dort folgt auf Kyros, Kambyses, auf ihn der Meder Darius. Terxes, an dessen Hof zu Susa sich die Esther-Geschichte zutrug, war Herrscher des medisch-persischen Weltteichs, .das von Indien OUBLITZ ■rische preiswerte Lebensmittel, Feinkost, Weine, Tabakwarei £i

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