Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 5 (1.3.1935)
- Date
- 1935-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Oemetabeilatt der Israelitische» Oelt>io»ß>emei»be LreLbe» Nr. S Babbi Akiba die Felsen^ von Akko, aber Babbi Ehanina begann sofort die steinigen Straßen wegsam zo machen. Vertrauen ist nötig, daß Palästina seine Menschen läutern wird in der neuen jüdischen Lebensgesialtung, die für den Fortschritt der Menschheit Kräfte lösen soll. Oie Erneuerung des Judentums kann nur von einem ganz bestimmten Boden ausgehen: von dem Boden seiger Heimat. „($ r hat unsere besondere Art, unsre eigentümlichen Energien erzeugt; er allein wird sie erneuern, wird sie neu zeugen können. Oie schöpferische Größe unsrer Urzeit ist einst aus diesem Boden erwacht, seine Säfte haben sie genährt, sie wuchs im Schatten seiner Berge. Es war der Loden mit seinen Höhen und Niederungen, mit seinen stehenden und fließenden Gewässern, mit seinem Tau und Bcgen, mit seinem ihm eigentümlichen Wolkenuni» Sternenhimmel. Oieft Kräfte waren es, die diese Kräfte unserer Seele schufen; zu wem sonst auf Erden könnten wir gehen, um unsere Seele zu verjüngen?* Aufgabe der Iudenheit ist es, dieses alt-neue Land durch ihre Opfer und ihre Tat zur Heimat ihrer Kinder zu gestalten. Aufgabe ist es, die Wucht persönlicher Schwierigkeiten zurückzustellen, um der Gemeinschaft wegen, deren Glied man ist, und als den Ausgangspunkt seines Tuns das Iudenschicksal zu stellen, das nach Erlösung, und Gestaltung der Zukunft schreit. Schon einmal ward uns in Erez Israel Erlösung, wagen wir es, auf unsere jüdische Zukunft in diesem Lande zu hoffen und an sie zu glauben. Tausende von Touristen, Juden und Nichtjuden, besuchen das Land von Jahr zu- Jahr. Es gibt eine reichhaltige Palästinaliteratur - die großen Weltblätter unterhalten ständige Korrespondenten in p>ssäsiina. Dieses Land, scheinbar verkarstet und unfruchtbar, bewies sich als Früchteland, es bietet sogar im Gebirge Möglichkeiten der Bepflanzung durch Terraffenkultur^ seine Ebenen sind bewäffvbar, aus seinen Sümpfen ward in wenigen Jahren gesundes, anbaufähiges Land von höchster Fruchtbarkeit. Von Jahr zu Jahr kamen mehr Menschen, die auf steinigen Boden, in sandiges Ödland und in die Sümpfe gehen, Menschen, die vor dem Mangel an Trinkwasser, vor dem 'Mangel au geeigneten Wohnstätten, die vor Bedrohung durch Malaria und andere Krankheiten nicht zurückschrecken. Oie hepräische Sprache, eine tote Sprache, wie die Welt glaubte, ist in Palästina zu neuem Leben erwacht, zeigt sich den Anforderungen des modemen Lebens gewachsen und beweist dies durch das Erscheinen hebräischer Presse von Einfluß. Jüdische Denker und Wissenschaftler denken in hebräischer Sprache, schreiben und lehren in der Sprache ihres uralten Volkes. Neue Siedlungen entstehen . überall im Lande, geschlossene Siedlungsgebiete werden geschaffen, in denen Kolonie an Kolonie sich reihet. Oie wichtigste Ebene Palästinas, Emek Iesreel, noch vor kurzem unwegsamer Sumpf, ist durch jüdische Arbeit ftuchtbares, bewohntes Gelände geworden. Unglaublich schnell war in den letzten Jahren das Wachstum der indischen Bevölkemng in den Städten in der-Hauptstadt,- Jerusalem, in Haifa, das zu einem Arbeit im pardeß ft y & , «SgSSTp Bankhaus;wlK öebr.NrnholS Vrrs-ev Vrrlia •«•«*■*«* JIM ®rH6n«r »<rff«nbau»ftra|« 16-22 Strtinn- 5aut: JVrlin w 6 JVbrcnftraS« 62-63 Kostenlos« Beratung In asten Hppocheten u. «nmdststcktangelegen-elten der wichtigsten Häfen des Mittelmeeres ausgebaut^wird, in der jüdischen Stadt Tel-Am'w, 1909 gegründet und heute schon etwa 100000 Einwohner zählend. Mit neuen Arbeitsmechoden führen die Juden neue Fruchtarten ein und verbeffem die seit je angebauten. Sie eröffneten der Jaffa- Orange den Weltmarkt, ihnen ist die Entwicklung des Weinbaues, die Einführung von Tabak, der Anbau von Fmcht- und Waldbäumen aller Art zu danken. Oie Eisenbahnverbindungen im Lande und mit dem Auslande sind gut. Auf modemen, von Juden angelegten Straßen ist lebhafter Automobilverkehr. Neue Industrien sind entstanden und müssen Anfangsschwierigkeiten überwinden. Immer neue Mmschen kommen ins Land, Menschen verschiedener Herkunft. Oie erwachsene Generatton zusammenzuschweißen wird kaum gelingen. In den Kindem und Enkeln wird die jüdische Volkseinheit in Palästina erwachsen. Daher die große Bewertung der Erziehungsarbeit, daher die unermüdliche Arbeit an deu Kindern, von den Kindergärten an, in denen bas System des »Lernens* durch eine Arbeits- und Spielmethode erseht wird, über Volksschule, Mittelschule und Technikum bis zur Universität. In atten Schulen werden die modemfien Erziehungsprinzipien eingeführt, Arbeitsschule^ ist die Aufgabe: Gartenarbeit, hauswlrsschastliche Arbeit für die Mädchen, handwerkliche Arbeit für die Knaben. Bemfe lemen die Kinder, die sie zu nützlichen Gliedem der Gemeinschaft machen sollen, zu Gliedem einer Gemeinschaft, die sie lieben lernen, zum Dank für die Liebe, die ihnen entgegengehracht wird. Uber der geistigen Schulung der Jugend wird ihre Ertüchtigung nicht vernachlässigt. Tumen und Sport spielen im Schulplan eine große Bolle. Außer der Schule sorgt die Sportbewegung des Makkabi für sportliche Betättgung. Zum zweiten Male ruft gerade in diesen Tagen diese Sportbewegung die jüdischen Sportter der Welt zu einem Treffen nach Palästina. 4000 waren diesem Bus vor drei Jahren gefolgt, dreimal so groß wird die Zahl derer sein, die im April dieses Jahres in das neuerbaute Stadion Tel- Aviws einziehen, He stolz unter dem Magen David Zeugnis ablegen wollen von ihrer lebendigen Verbundenheit mit dem Lande. Sie fühlen, daß in Palästina ein großzügiger, zielbewußter Versuch k>er Selbsiregeneratton des jüdischen Volles vor sich geht, der in Nöten und Kämpfen, in Fortschritten und Rückschlägen unbeirrbar um die Emeuemng des jüdischen Menschen auf alter, geheiligter Erde kämpft. Sie wissen, daß ihnen Palästina zur Aufgabe geworden ist, die ihnen zugleich tiefste und innerste Hoffnung ist. Max Liebermann geb. 20. Juli 1S47 gest. 5. Februar 1935. Für unsere Generation, die jetzt in des Lebens Mitte steht, war Liebermann immer da. Wer vor dem Kriege verständnisvoll und aufnahmebereit der Kunst gegenüberstand, wußte, Liebermann ist der größte lebende Maler. Man wußte, daß er - reich an offiziellen Ehmngen - ein Jude war; man vergaß es nicht, denn das schmale mssige Gesicht seiner Selbsiporträt« prägte sich ein. Man wußte, daß er Berliner war,- seine Wachheit und Regsamkeit, sein Witz war urberlinisch. Nach Wölfflins Ausspruch wäre Berlin nicht vollständig ohne Liebermann. Thomas Mann hat gesagt! In »Liebermann bewundere ich Berlin, sein Berlinertum wird durch das