Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 5 (1.3.1935)
- Date
- 1935-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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•Wj der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Gemeindeblatt Amtliches Organ -es Gemeindevorstandes * Mitteilungsblatt des Sächsischen Israelitischen Gemeindeverbändes * Verantwortliche Schriftleitung: Leo Anschel, Dresden / Verlag: Israelitische Religionsgemeinde Dresben-A. 1, Zeughausstraße 3 / Ruf 14051 und 17887 / Verantwortlich für den Inseratenteil: Iac. Gternlicht, Oresden-A. 19, Stübel-Allee 35 / Ruf 34185 / Alleinige Annahmestelle für Inserate ebenda / Die 4mal gespaltene 4H-mm-Zeile kostet 22 Pfennig, laufend Rabatt / Druck: A. Truhnert, Oresben-A. i, Ammonstr. 61 XI. Zahrg. Dresden, den 1. 3Äorj 1935 Nummer 5 Palästina — unsere Hoffnung, unsere Aufgabe Die Zionistische Ortsgruppe Dresden veranstaltet vom 3.—10. März ein» Palästinawoche, verbunden mit Palästina» schau. Aus diesem Anlaß bringen wir einen Artikel aus der Zrdrr^unseres Vorstandsmitgliedes Or. Artur Rosenbaum, der selbst einige Jahre im Lande gelebt und gearbeitet hat. (Die Red.) „Oker nur sind vir, und tief in uns rinnt Blut von Gewesenen — zu Kommenden rollts, Blut unserer Väter voll Unruh und Stolz, in uns sind alle. Wer kühlt sich allein?“ Richard Beer-Hofmann. Ein Volk lebt zerstreut über alle Länder der Erbe, vom Schauplatz seiner Geschichte vertrieben. Ein zähes Volk, 17 MMioNen Menschen. Fast allen unerwartet, wird von starker Hand die Tür zu jenem Land geöffnet, aus dem ste verjagt sind, der Ruf ertönt: »Kehret heim!* Ein Taumel durchzittert die Millionen, sie holen die Rollen ihres alten Gesetzes aus den Tempeln, tragen sie mit heller Verzückung über die Straßen und künden denen, die diesen Tag nicht erlebten, jubelnd die glückliche Botschaft. Das war die^Balfour-Deklaration am 2. November 1917, in oer die englische Regierung durch ihren damaligen Außenminister Lord Balfour das berühmte Versprechen gab, daß sie die größten Anstrengungen machen werde, um die Ern'chtung einer »öffentlichrechtlich gesicherten Heimstätte für das jüdische Volk* in Palästina zu erleichtern. Oie alte Ztonsliebe erwachte auf's Reue, denn sie schlummerte in den Menschen. Oie Verknüpfung der Iudenheit mit Palästina, die sichFwte^eln'Faden ohne Ende durch, die lange Diasporageschichte zieht: in Zeiten der Verfolgung haben sich stets Scharen» der Verfolgten nach,dem Lande ihrer Väter gewendet: in Zeiten,» in denen es Juden gut ging, offenbarte sich die Zionsliebe in Pilgerfahrten, in dichterischen Visionen, als Werbung um das verlorene Land. In allen Gebeten ist von Zion die Rede, der Talmud ist voll von Aussprüchen, über das Glück und hie Pflicht, in Er«; Israel zu leben. Hoffnung und Aufgabe zugleich. Früher zogen die Greise ins Heilige Land, um nach einem Leben voll Resignation kn dem Lande, für das sie ihre Kraft nicht mehr einsetzen konnten, dort zu leben, zu sterben, um dort begraben zu werden. Heute strömt eine rüstige Iugend ins Land, um dort Bausteine eines neuen Lebens zu türmen. Nicht die bäuerliche Aosiedlung auch von 100 000 Iuden ist bas Entscheidende bei der Kolonisatton Palästinas, sondern der Geist ist es, unter der sie geschieht. Daß die große Mehrheit der jüdischen, in der ganzen Welt zerstreuten Menschen fühlt, daß das Iudentum in seinem, physischen . Zusammenhänge wie in seiner seelischen Sttuttur an einem Wende- Punkt angelangt ist, daß es neuer Grundsteinlegung bedarf, um unseren alten Besitz in neuen Formen zu erhalten, das ist die Aufgabe, die der Wiederaufbau Palästinas für die jüdische Wett gebracht hat. In welch ungeheurem Ausmaße dieser Gedanke sich selbst beim orthodoxen Iuden durchgesetzt hat, spricht aus.den Worten, die der Prager Oberrabbiner Brody dem Misrachi zugerufen hat: »Sein oder Nichtsein ist hier die Frage."Ersi die Rettung deS Volkes, dann die Gestaltung des Volkes.' zum Gottesvolk.* Er ist überzeugt, daß heutelnur prattische Arbeit nottut, .daß^ heute die Arbeit^Bewertung finden muß, die sie in^einer^ähnlichen.,Lage' des jüdischen Volkes einst bei unseren Vätern gefunden'.hat:*als Rabbi ' Akiba und Rabbi Ehanina ins heilige Land^zurückkehrten, da küßte Lhaluzim bei der Arbeit