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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1935-02-01 · 3 (1.2.1935) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
11 (1935)
Issue
3 (1.2.1935)
Date
1935-02-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seit« 2 Gemeindeblatt der Israelitische« Religion-gemeinde Dresden Nr. Ä INVENTUR VERKAUF Prager Straße 37 HERMANN HAUGK NACHF. Inhaber: Max Strelzyn zusteigen, wenn wir von neuem anfangen, zu „lernen", wie es unsere Väter taten, auch dann widmen wir den Sabbat dem Ewigen und geben ihm die Bedeutung jurikf, die ihm in asten Zeiten zukam und die ihm gerade im deutschen Judentum heute gebührt. Vor allem gilt dies für unsere Zugend, deren Zukunft die ganze Arbeit von uns Älteren dient. Oer Unterricht am Sonnabend ist durch die Einführung des Staaksjugendtages in den allgemeinen Schulen neu geregelt. . An diesem Tcige findet für das 5. bis 8. Schuljahr wissenschaftlicher Unterricht nicht mehr statt. Oie jüdischen Schüler können auf Antrag der Eltem am Sonnabend vom Schulbesuch befreit werden. Man mache von dieser durch den Staat uns gewährten Möglichkeit Gebrauch, sobald Landesverbände, Gemeinden und jüdische Organisationen die Einrichtungen geschaffen haben, die der Eabbatgestaltung der Zugend dienen. Man fürchte nicht, daß die jüdische Zugend durch das Fernbleiben von der Schule am Sonnabend ihren christlichen Mitschülern weiter entftemdet wird oder daß diese Befreiung vom Unterricht zu einer Verstimmung der Lehrer führt. Ersteres ist nicht zu besorgen, da auch di« organisierte nationalsozialistische Etaatsjugend am Sonnabend-Unterricht nicht teilnimmt. Und jeder Lehrer wird Verständnis dafür haben, wenn Eltern ihren Kindem eine betont religiöse Erziehung geben und hierzu ganz besonders die Zahre benutzen, in denen sich dies mit den Anforderungen der Schule am leichtesten verträgt. Wird in dieser Weise unsere gesamte jüdische Schuljugend aus den jüdischen und weltlichen Schulen wenigstens von \ bis zuyl 8. Schuljahr zusammengefaßt, so muß es gelingen, sie bewußt zur jüdischen Religiosität, zur jüdischen Bildung und zum jüdischen Gemeinschaftsbewußtsein zu führen. Synagoge, Familie und Bund sind die gegebenen Träger dieser Erziehungsarbeit. Eine sorgfälttge Planung hat einzusetzen, die das jüdische Wochenende, wenn man diesen Ausdruck einmal gebrauchen darf, ganz umfaßt. Oer Freitag-Abend wird dem Gottesdienst und der Familie gehören. Gerade die Abendstimmung im Tempel hat für die Zugend etwas besonders Festtägliches und Anziehendes. Letzteres gilt auch von dem längeren Ausbleiben an diesem Abend, das selbst für die Neineren Kinder unschädstch ist, wenn sie am nächsten Morgen nicht früh zur Schule müssen. Oer Sonntag ist der gegebene Tag für die körperliche Ertüchtigung unserer Kinder, mag sie vom Bund oder von der Familie wahrgenommen werden. So wird der Sonnabend, vom etwaigen Besuch des Gotteshauses abgesehen, zum Tage der jüdischen Bildung. Unsere besten Seelsorger und Pädagogen werden darin wetteifern, in unseren Zungen und durch unsere Zungen hoffentlich auch in unseren Asten die Freude am jüdischen Lernen zu erwecken. Ein Oneg Schabbat, der sich überraschend schnell die Herzen der ganzen jüdischen Zugend erobert hat, wird den Festtag beschließen und ein Gemeinschaftsgefühl froh und natürlich' emporwachsen lassen, zu dem sich manch Ältere jetzt erst mühsam unter dem äußeren Oruck der Verhältnisse zurückfinden. Es bedarf nicht der Hervorhebung, daß der feiertägliche Eharatter des Sabbats jedem Zwang auf die Zugend abhold ist. Man wird ihn nur ausnahmsweise und nur zu Anfang dort anwenden dürfen, wo ohne die obligatorische Verpflichtung zur Teilnahme das ganze Werk gefährdet erscheint. Oer Besuch deS Gotteshauses hat nur Wert, wenn er freiwillig geschieht. So planvoll die Gemeinden und Organisationen dies jüdische Wochenende gestalten mögen, von jeglicher Schematisierung halte man sich fern. Ze größer das freie Spiel der Kräfte ist, um so ftuchtbarer werden Anregungen und Versuche sein. Oie Rückwirkung von der Zugend auf das Alter wird nicht ausbleiben. Um der Kinder willen, die es fordern sollen, wird die jüdische Mutter am Freitag die Sabbatkerzen anzünden, auch wenn sie dies früher nicht zu tun gewohnt war. Oer jüdische Vater wird neu anfangen zu lernen, um teilzuhaben an dem, was Geist und Herz seiner Kinder erfüllt. Oie Veichsvertretung der deutschen Zuden hat lange gezögert, bis sie das deussche Zudentum zur Rückgewinnung des Sabbats aufrtef. Sie war sich der Größe der Aufgabe, aber auch der Schwierigkeit ihrer Erfüllung wohl bewußt. Kein Verständiger würde es dem deutschen Zudentpm zur Last legen, wenn es ihm wegen der gewalttgen Widerstände der Umwelt trotz aller Anstrengung nicht gelingm sollte, sich wirtschaftlich oder staatsbürgerlich zu behaupten. Wenn aber das deutsche Zudentum darin versagen sollte, feine religiöse Segenwartsausgabe zu erfüllen und den Sabbat zurückzugewinnen, so wäre es für diesen Fehlschlag allein verantwortlich. Nachdem aber einige mutig« Gemeinden und tatenfrohe Zugendbünde bereits beispielgebend vorangegangen sind, glaubte die Veichsvertretung, nicht länger zurückhalten zu dürfen. Alle jüdischen Vichtungen und Stellen sind nun aufgerufen, an dem großen Werke mitzuarbeiten. Oer Appell gilt besonders dem liberalen deutschen Zudentum. Seine Sache ist es zu zeigen, welch religiöse Kraft ihm heute nnewohnt. (Aus der Züb. ANg. Ztg. vom 16. Januar 1935.) njheimayer rJIJ.lUlllill.lMi ■ •■iMt.*! writ nit.-hr <iher unsere AbteiInnrjen

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