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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1935-02-01 · 3 (1.2.1935) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
11 (1935)
Issue
3 (1.2.1935)
Date
1935-02-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Genie ndeblatt Her Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Amtliches Organ -es Gemeindevorstandes * Mitteilungsblatt des Sächsischen israelitischen Gemeindeverbandes > Verantwortliche Schriftleitung: Leo Anschel, Dresden /..Verlag: Israelitische Religionsgemeinde Oresden.A. 1, Zeughausstraße 3 / Ruf 14051 und 17887 / Verantwortlich für den Inseratenteil: Iac. Sternlicht, Dresben-A. IS, Etübel-Allee 35 / Ruf 34185 / Alleinige Annahmestelle ür Inserate ebenda / Oie 4mal gespaltene 46-mm-Zeil« kostet 27 Pfennig, laufend Rabatt / Druck: A. Gruhnert, Dresben-A. l, Ammonstr. 61 XI. 3af?rgv Dresden, den 1. Februar 1935 Nummer 3 Ausaegeben am 26. Januar 1935 Oie Rückgewinnung des Sabbats Von Or. Iuliu Nachstehende Ausführungen bildeten einen wesentlichen Bestandteil des Referates, welches Herr Rechtsanwalt Or. Seligsohn, prästbialmitglieb der Reichsveriretung der deutschen Iuben, am 18. Dezember 1934 vor den Mitgliedern unseres Gemeinberaies hielt. In schweren Stunden seelischer Bedrängnis und wirtschaftlicher Rot erlebt das Judentum seine Wiedergeburt. Die Rückkehr zur Religion der Väter hat bei uns eingesetzt, die Zahl der Beter im Gotteshause steigt -an. Tief ist die Sehnsucht nach den geistigen Quellen unseres jüdischen Seins, die jüdischen Lehrhäuser sind zum Teil überfüllt. Am stärkster ergriffen von dieser Welle der Umkehr ist der religiös-liberale Jude. Dem Menschen wird das Element seines eigenen Lebens gar leicht zur Selbstverständlichkeit, zum mühelosen und deshalb zum allzu gering geachteten Besitz. Was esihm wert ist, erkennt er häufig erst in der Stunde der Gefahr, wenn er dmm leiden muß oder ihm sein Verlust droht. Das Leid der Gegenwart trägt das liberale deutsche Iudentum gemeinsam mit allen Richtungen unserer Glaubens- und Schicksalsgemeinschast. Aber-keine Gruppe war in der Vergangenheit so sehr in Gefahr, ihr jüdisches Sein, ihre jüdische Lebenshaltung, ja sich selbst an die deutsche Umwelt zu verlieren'wie die Schicht, die man gemeinhin, wenn man auch häufig zu Unrecht, unter dem Sammelbegriff „liberale Juden" zusammenfaßte. Sie hatten sich im vergangenen Jahrhundert mit leidenschaftlicher Inbrunst dem europäischen und deutschen Kulturkreis verschrieben, haben ganz außer Verhältnis zu ihrem Bevölkerungsanteil Bedeutendes für deutsche Wissenschaft, deutsche Kunst und deutsches Gemeinschaftsleben geleistet; sie haben sich aber nicht mir aus den geistigen'Mauern des sShettos emanzipiert, sondern gleichzeitig auch weitgehend altväterischs Religiosität und Lebensführung verlassen. Oie in der Gegenwart auf sie eindringende Außenwelt, die ihnen bas Oeuffchtum abspricht, traf sie besonders hart. Oie deutsche Wurzel ihres Seins wurde jäh beschnitten. Oie jüdische war weitgehend verkümmert, schien vielfach zu schwach, um den Baum des Lebens zu tragen und ihn mit neuer Kraft <zu erfüllen. Erneut hinabzustoßen zum Urgrund unserer Religion-^zu den ewigen und nie versiegten Questen des Judentum wurde daher die Forderung des Tages für den religiösen Liberalismus. Ihm besonders gilt daher der Aufruf der Reichsvertretung der deutschen Iuden, den Sabbat neu zu eigen zu gewinnen. »Aber der siebent« Tag sei ein Ruhetag des Ewigen, deinem Gotte!" Oie Forderung des sozialen Ruhetages haben wir nicht nur der Welt geschenft, sondem auch selbst zu erfüllen getrachtet, soweit dies nach den Gesetzen der Umwelt, in der wir leben, möglich erschien. Doch fragen wir uns ehrlich: Wie weit haben wir auch die zweite Forderung verwirklicht, nicht nur körperlich von der Arbeit auSzuruhen, sondem diesen Tag dem Ewigen zu widmen, unserem s L. Geligsohn Gotte? Viele von uns werden beschämt keine Antwort wissen Aber gerade darauf kommt es jetzt an. Oes körperlichen Aus ruhens bedürfen leider nicht alle, da gar zu Viele ohne Arbeit und Stellung bereits die Werktage feiern müssen. Aber um so mehr ist ihrer aller Seele ob der schweren Gegenwart voller Unruhe und zerrissen. Seelische Beruhigung tut ihnen not, geistige Aufrichtigung, Halt des Eharakters und Wissen um das, was es heißt und heißen soll, in dieser Welt Iude zu sein und als Jude zu leben. Sie werden es lernen, sie werden die Ruhe aus der Unmhe ihres heutigen Lebens finden, wenn sie den Sabbat wieder nicht nur der Zerstreuung und allzuoft der Zerstreutheit widmen, sondern dem Ewigen. Damit ist nicht nur die religiöse Andacht gemeint. Sie wird, wenn Rot auch beten lehrt, von einem weltlich gesinnten Geschlecht vielleicht am schwersten wiederzugewinnen sein. Gott offenbart sich uns nicht nur in seinem Tempel, er lebt in seiner Thora, im biblischen und nachbiblischen Schrifttum, in der heiligen Sprache unserer Gebete, wir spüren sein Wirken in der Geschichte des Judentums. Wenn wir uns in diese Quellen versenken, wenn wir unS mühsam die Mittel wiedererwerben, um zu ihnen hinab- Oer Jüdische Schulverein e. V., Dresden, teilt mit: Oie Konzession zur Errichtung der jüdischen Schule in Dresden ist uns vor einigen Tagen vom Sächsischen Volksbildungs-Ministerium erteilt worden. Oie jüdische Schule ist daher für Dresden endgültig gesichert und wird nächste Ostern ins Leben treten. Wir möchten uns gem mit den Eltem der für unsere Schule in Betracht kommenden Kinder (6-iojährige) über die Ausgestaltung unserer Schule unterhalten und veranstalten zu diesem Zweck einen Eltern - ftbenb am Mittwoch, den 20. Januar 1938, abend«. Unser Schulleiter, Herr Oireftor Alfred Schäler, wird bei dem Eltemabend anwesend sein und auf alle die Schule betreffenden Fragen antworten. *• Hierzu versenden wir an die Eltem persönliche Einladungen. Sollten etwa einzelne Eltern keine Einladung bekommen, so biften wir dies im Gemeindeamt, Zeughausstraße 3, (Femsprecher 14051 und 17887) zu melden. Oie Einladung wird dann nachgeholt werden. (Antritt nur gegen Vorzeigung der Einladung.

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