Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 1 (1.1.1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 2 Gemeindeblatt der Israelitischen Sieligiondgemeinde Dresden Nr. l noch die Demut vor dem - Satz. Erhellung des Wortes auf Kosten des Satzes ist ein Verbrechen gegen den Geist der Sprache', Klammert der Übersetzer sich ans Wort allein, statt an den Sah, so tut er das Schlimmste, was er tun kann: Er zerkleinert statt zu umfassen, entleert die Sprache statt sie zu füllen, sterilisiert sie statt sie zu beleben und verdunkelt statt zu erhellen. Äie neue hat mit Glück diese Gefahr vermieden, erfüllt ihr Fortgang, was ihr Anfang hier in Schreibers Arbeit versprach, so werden wir bald eine richtige jüdische Volksbibel in deutscher Sprache besitzen, wofür der Dank auch besonders dem Herausgeber Harry Torczyner, dem bedeutenden Hebraisten der Universität Jerusalem gebührt. jKus den INonatsblättern de; Kulturbundes Deutscher Juden vom Dezember 1934.) Können wir trotzdem heiraten? Gestern sind sie mir begegnet. Morgen und übermorgen begegnen sie dem oder jenem. Immer sind es zwei frische, junge Menschen, jüdische Kinder, die mit dem Gleichschritt guter Kameraden Arm in Arm daherkommen, und immer ist es die gleiche bange und oft genug bittere Frage, die sie erwägen: „Können wir ttotzdem heiraten?" Dies Trotzdem ist durch die Situation unserer jüdischen Jugend in Oeusschland bedingt. Oie beiden da - die hunderte da - sind tapfere, bescheidene Menschen, jetzt noch beide auf ihren Arbeits- Posten, sparsam, aber auch bei den weit verringerten Einkünften immer noch an einen gewissen Standard gewöhnt, auf die Wahrung eines gewissen kulturellen Niveaus bedacht. Solange hier jeder für sich allein verdienen kann, geht's noch. Aber wie soll das werden, wenn sie beide von dem einen Verdienst des Mannes leben müssen? An Ooppelverdierfen ist, besonders bei Angestellten und wenn nicht ein Eheteil in einem freien Berufe tätig ist, kaum noch zu denken. Dazu kommt die Unsicherheit in der wirtschaftlichen Lage des jüdischen Arbeitnehmers, ja auch des jüdischen Arbeitgebers - und so formt sich die Frage mit dem lastenden: „Können wir trotzdem heiraten?* Trotzdem. Ist dies trotzdem nicht doch noch einzuschränken? Ist nicht noch vieles, noch sehr vieles einzuschränken möglich? Es ist ja heute nicht mehr so, wie es einmal war: das junge Mädchen geht ja nicht mehr in den Ehestand mit der Gewißheit, daß es nun auf Lebenszeit „versorgt"' sei. Sie wissen alle, daß sie nicht mehr mit Verhältnissen rechnen können, wie sie sie immer noch im Elternhaus haben durften. Sie haben heute alle, jüdische junge Mädchen und jüdische junge Männer - von ein paar Unbelehrbaren abgesehen - andere Auffassungen von einer kompletten Aussteuer und dem, was „Mitgift" heißt. Wo früher unbedingt 5 Zimmer und ein Innenarchitekt hergemußt hätten, da tut's heute die Siedlungswohnung mit hübschen, leicht zu pflegenden Möbeln. Bedienung, gesellschaftliche Verpflichtungen und was sonst alles sein „mußte" - das ist ihnen heute nur noch ein Achselzucken wert. Ihre Begriffe von Standard sind wesentlich andere geworden .mm tINMR NXHMASCHINIM in altbewährter Güte SINGER MXH MASCHINEN AKTIEN GESELLSCHAFT Ür«*ueu>A . - ««gef «stf H.iaiu^viOtiul, «vwi itM»< , is. . «* Hauptstr.6, Ruf»4i24/ Dr-LObteu: Kesselstfurfer Str.45, Ruf i73«'9 Aber - Kunstgenüsse, Kino, Bücherkaufen, Blumen im Haufe haben, sich nett und modisch anziehen, Geschenke machen - das gehört einem doch! Darauf kann man doch nicht ganz verzichten! Und dennoch wird man's müssen - um dieses Trotzdem willen. Es braucht auch gar nicht immer,der restlose Verzicht zu sein. Es kann auch da mit persönlichem Geschmack und Talent vieles, wenn auch abgewandelt, erhalten bleiben. Aber wenn die Frage schon gestellt wird, wenn die beiden da. Arm in Arm, im Gleichschritt der guten Kameradschaft, den Weg durch die kommenden Lebensjahre gehen wollen, dann müssen sie sich das Ersehnte, das Beieinander, das Heim, die Gemeinschaft von Arbeit und Feier eben verdienen. Und da es im Wirsschaftlichen schwer geworden ist, da sie beide mit schmalen Summen aus dem Erwerb des Mannes zu rechnen haben, so müssen sie ihre Arbeit und Tüchttgkeit eben an einem andern Ende ansehen. Hausftauentüchttgkeit, Sparsamkeit, Geschmack, Verzicht auf gesellschaftlichen Schein, Redlichkeit der Situation gegenüber und gegenüber den Menschen, die sie in dieser Situatton sehen, - ach, es gibt eine ganze Reihe von Talenten, die sich als gute Helfer einstellen,, wenn es nur ernstich darum geht, dies Trotzdem zu bejahen. Rur müßte noch eins von außen dazu kommen, etwas, was das junge paar nicht allein schaffen kann: das Verständnis der Umwelt. Das jüdische Haus war durch all die Iahrhundette hindurch der Ort, aus dem uns allen die Kräfte des Widerstandes gegen Rot, Schmach und Kränkung kamen, die Kräfte der Bejahung unseres eigenen Wesens und seiner Werte. Jüdisches Haus, jüdische Familie zu gründen und zu erhalten - das ist eine Aufgabe, die man nicht dem jungen paare allein überlassen kann. Richt nur der junge Mann und die junge Frau müssen umlernen - auch die Eltern und Schwiegereltem, auch die Freunde. Man darf den jungen Leuten keine wirsschaftlichen Belastungen durch Einladungen und Schenkverpflichtungen aufhalsen, man muß diesen schönen Dingen wieder alle Freiheit und Freiwilligkeit einrckumen. Man darf nicht über Gewesenes jammern, nicht töricht vergleichen. Sondern man muß mit den Augen der beiden Glücklichen werten, die sich und ihr Heim haben-; das heißt: was an Schein und Schimmer und „Standard" fehlt, das sei reiche ersetzt durch die Lebenstüchtigkeit, die Tapferkeit, dm Zukunftswillen und die Liebe. Dr. Martha Wettheimer. Alls sagen es: Inserate im Gemeindeblaftt haben Erfolg Das Urteil der Kunden bezeugt es am besten GOBLITZ ie preiswerte Lebensmittel, Feinkost, Weine, Tabakwarei^