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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1935-01-01 · 1 (1.1.1935) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
11 (1935)
Issue
1 (1.1.1935)
Date
1935-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Gemeindeblalt Amtliches Organ des Gemeindevorstandes * Mitteilungsblatt des Sächsischen Israelitischen Gemeindeverbandes * Verantwortliche Schrlstleitung: Leo Anschel, Dresden / Verlag: Israelitische Religionsgemeinde Dresden»«, l, Zeughausstraße 3 / Ruf 14051 und 17887 / Verantwortlich für den Inseratenteil: Zar. Strrnlicht, Dresden-A. 19, Gtübel-Astee 35 / Ruf 34185 /* «steinige Annahmestelle für Inserat» ebenda / Die 4 mal gespaltene 4H»mm»Zeile tostet 22 Pfennig, laufend Rabatt / Druck: A. Gruhnert, Dresden»«. 1, Ammonstr. dl Dresden, 1. Januar 1935 Nummer 1 Eine neue deutsche Bibelübersetzung Von Rabbiner Or. Emil Äernhard Lohn Als Luther die Äibel verdeutschte, gn'ff er nach dem hebräischen Urtext, schaute dabei aber, wie er sich ausdrückte, »aus des Volkes Maul". Damit legte er die zwei einzigen, dafür aber auch unerläßlichen Grundbedingungen aller Äbersetzungskunst ein für alle Mal fest: Das Schöpfen aus der Quelle und den Primat' der Sprache, in welche überseht wird. OaS gilt zumal für die Äibel, die keine Sache für literarische Feinschmecker sein soll, sondern ein Volksbuch. Oer Versuch, Rhythmus oder Sprachform der Fremdsprache wtedtrzugeben, gilt nur, soweit der schlichten Volksrede nicht Gewalt geschieht. Georges Verdeutschung Äaudelairescher Verse ist darum so meisterlich, weil man glaubt, urdeutsche und durchaus unfranzöstsche Verse zu lesen. Oie beste Verdeutschung der hebräischen Äibel wäre demnach die, die den hebräischen Urtext vergessen ließe und doch die Urgewalt des On'ginals zu'erhalten vermöchte. Oie Sprach« wandelte sich seit Luther, die Kenntnis des Hebräischen erweiterte sich. Luthers Deutsch ist nicht mehr unser Deutsch, die schöne Patina der Luthersprache ist zudem so sehr zum sakralen Äefiaisd der protestantischen Kirche geworben, daß sie für uns deutsche Juden schon darum nie in Frage kam. Eine deutsche Dolksbtbel fehlte uns Iuden bis heute, und wir begrüßen es deshalb, baß die Äerliner Gemeinde, ihrer kulturesten Pflichten eingedenk, bas Wagnis einer Reuverdeutschung eingegangen ist: Oie soeben erschienenen .Fünf Äücher der Weisung* verdeutscht von Hermann Schreiber (Verlag von 3. Kaufmann, Frkf., Ausgabe der Jüdischen Äuchvereinigung, Äerlin) zeigen uns, daß wir hoffen dürfen, endlich eine solche Volköbibel zu erhalten. Oer Vergleich mit Äuber-Rosenzweigs Verdeutschung liegt nahe und kann nicht umgangen werden. Harry Torczyner, der Heraus- ' geber der neuen Äibel, bezeichnet mit Recht Äubers Werk als einen .wuchtigen Versuch*. Er ist es schon im Hinblick auf die Größe und den Umfang des Unternehmens. Sie ist aber keine Verdeutschung im oben bezelchneten Sinne. Äel ihr ist alles wohlüberlegt, vieles hochinteressant, manches überraschend gut, manches etwas geklügelt, das Ganze aber mehr eine Delikatesse für Kenner als ein Äuch für .des Volkes Maul*. . Äubers und Rosenzweigs betonter Wunsch, vor allem dem hebräischen Rhythmus und Sprachgeist gerecht, zu werden, ergab ein sprachliches Reutönertum, das nun weder ganz hebräisch blieb noch ganz deutsch werden konnte. - Hermann Schreiber hot «ine schlichte und dadurch gelungene Arbeit geleistet. Sr wollte nicht originell sein, scheute sich nicht, sich von Äuber vielfach belehren zu lassen; aber da er verständig vorging, gelang ihm etwas - vereinzelte Mißgriffe abgerechnet - was Äuber nicht immer gelungen ist: Kuriositäten zu vermeiden und etwas nicht nur Lesbares, sondern auch Warmherziges zu schaffen, wofür wir ihm Dank schuldig sind. Ich beleuchte eS mit einem kurzen Äei'fpiel, indem ich bei einer einfachen Stelle die drei Verdeutschungen gegenübersielle: Luther, Äuber und Schreiber bringen II Moses 23, V. 14 - 17 wie folgt: Luther: Dreimal sollt ihr mir $«(t« halten im Zahr. — Da; Lest dtr ungesäuerten vrote sollst du halten, daß du sieben Tage ungesäuerter Brot essest, wie ich dir geboten habe, um die 3eit de» Monat; flbib; denn in demselben bist du au; Ägypten gezogen. Erscheinet aber nicht leer vor mir. - Und dar Fest der Trnt«, der Erstling« deiner Früchte, dt« du auf deinem Felde gesät hast. Und dar Fest der Einsammlung im Äurgang der Zähre», wenn du deine Ärbtit eingesammelt hast vom Feld«. - Dreimal im Jahr soll erscheinen vor dem Herrn, dem Herrscher, aller, war männlich ist unter dir. - Buber: , 3u dreien Malen im Zähre rundreihe mir. — Den Feft» reihen der Fladen wahre. Ein Tagstebent sollst du Fladen essen, wie ich» dir gebot, zur Lezeit der Mondneuung der Ähren» treibenr, denn in ihr bist du au» Ägypten gefahren. Nicht soll man spendenleer mein Äntlitz sehn. — Und den Festreihn de; Schneiden», der Erstlinge deiner werk«, dessen, war du säst auf dem Feld. Und den Festreihn de» heimsen» am Äurgang de; Zahr», wann du heimsest deine werk« vom Feld. — Dreifach im Zahr lasse all dein Mannroolk sich sehn dem Herrn 3HM vor» Äntlitz. Schreiber: Dreimal im Zahr sollst du mir ein Fest feiern: — Das Fest der ungesäuerten vrote sollst du .wahren: sieben Tage sollst du ungesäuert«; vrot essen, wie ich dir geboten, zur festen 3«it de; Ährenmonat»; denn in ihm bist du au» Mizraim gezogen. Und man soll nicht mit leeren Händen mein Ängesicht schauen, t— Und da; Fest de; Schnitte», der Erstreif« deiner Ärbeit, dessen, wa» du auf dem Feld« aursäst, und da» Fest de; Eindringen» beim'Äurgang de; Zahr«;, wenn du den Ertrag deiner Ärbeit «inbringst vom Feld. Dreimal im Zahr soll all dein'Mannroolk erscheinen vor dem Herrn, dem Ewigen. - ' Alles in allem: Wer überseht, darf über dem , Worte nicht die Red« vergessen. Wichtig ist die Demut vor dem Wort, wichtiger U>M««„IUU»I«.I.>..>..U«...IIIIIIUIIIII«IUI»IIIIIIIIIIIIIIIIIII..IIUIU.IMIIIIMIIIII>IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIINNMI »7 .- T ...—- - Uli Das nächste Gemeindeblalt erscheint am 15. Januar 1935

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