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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1934-12-01 · 12 (12.1934) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
10 (1934)
Issue
12 (12.1934)
Date
1934-12-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Nr. 12 Gemetsde-latt der Israelitischen Reltgton»g,m«tnde Dre»d«n Leite S Und wie reagierte man? Ebenfalls gleichartig. Durch die Gemeinschaftlichkeit suchte man die Gefahr zu bezwingen, schloß sich zusammen in Gemeinschaften, in Gruppen, ln Bünde. (Suchte Rettung durch Rückkehr zur llnkompliziertheit, zur Ratur, durch pflege von Wandertt, Lied, Spiel, Tanz. Aber die große Sehnsucht wurde nicht gestillt, die große erhoffte Idee, die die so bitter empfundene -teere ausfüllen sollte blieb aus. Es war, wie einer der besten Kritiker unserer Zeit, Richard Benz, einmal sagt: Ein bündischer Zusammenschluß,aber ohne den zeugenden, zusammentreibenden Gedanken eines Zieles, ohne Zdee, ohne Geist, aber ganz in Bereitschaft auf ihn. Diese Symptome galten selbstverständlich auch für di« jüdische Jugendbewegung. Auch sie brachte es über die seelische Bereitschaft, über den Kult des Gemeinschafienerlebnlsses an sich nicht hinaus. Auch sie konnte keine wirklich allgemeingültige, gestaltende Rorm finden. Und als, der deutsch-jüdische Zugendbund der »Kameraden" im Jahre -192-1 daran ging sich eine Satzung zu geben, mußte man nichts besseres oder anderes, als die Formulierungen, die sich die freideussche Zugend bei der Tagung auf dem Hohen Meißner bei Kassel im Zahre 1913 als Richtlinien gegeben hatte fast wörtlich zu übernehmen, jene damals geradezu revolutionäre Formel, die erklärte, die Zugend wolle nunmehr »nach eigener Bestimmung, vor eigene Verantwortung, mit innerer Wahrhaftigkeit ihr Leben gestalten." Der Weltkrieg brachte die Entwicklung der Zugendbewegung zum Stocken. Die Zugend Deutschlands, auch die jüdische, bis herunter beinahe zum Knabenalter stand im Feld. Alle verfügbaren Kräfte konzentrierten sich auf die Aufgabe des Ourchhaltens. Und diese ungeheure Anspannung, sie lähmte noch Zahre über das Kriegsende hinaus die Kräfte. Oie alten Bünde, die sich nach Kriegsabschluß wieder zusammen fanden und auch die sich neu gesammelt hatten, verloren zusehend 'an Anhänger, an Bedeutung, an äußerer und innerer Stoßkraft. Zm Zahre -1926 z. B. löste sich der »Blau-Weiß" geraume Zeit nach seinem tatsächlichen Verfall formell auf. Oie Zugend schien nach den Aufhören dem Aufhören des ungeheuren Alpdruck des Krieges und seiner unmittelbaren Nachwirkungen das kaum zu sättigende Bedürfnisnach Genuß zu haben. Unermüdlich schöpfte sie die in immer neuen Variattonen entstehenden Möglichkeit deS Amüsements und der Massenvergnügungen aus, füllte die Kinos, Revuen, Operetten- Dr. Michael Traub, Berlin spricht: §onntag, den 9. Dezember 1934 abends */*9 Uhr pünktlich im Festsaal der Harmonie, Landhausstraße 11. Thema: Asyl oder nationale Heimstätte? Numerierte Plätze RM 1.—, unnumenierte Plätze RM0 50, Erwerbslose u. Jugendliche RM 0.25 Vorverkauf: Sekretariatd. Z.O.G .GrunaerStr.13 Buchhandlung Strauß, Waisenhausstraße 25 Alle Gemeindemitglieder werden hierzu etngeladen. Zionistische Ortsgruppe Dresden. iheater. Es galt das Zung-Sein um seiner selbsiwisien. Denn es beideutete daß Leben genießen zu können. Auch das galt für die jß bische wie für die nichtjüdische Zugend gemeinsam, wobei Man allerdings der jüdischen Zugend nachsagt, sie habe sich an dieser Entwicklung über den ihr zukommenden Prozentanteil hinaus beteiligt und sie daher als »jüdisch" bezeichnet. Sie war es nicht so wenig wie die frühere. Es war das unterschiedslose Drängen einer Generatton nach Genuß als Reaktion auf eine gemeinsam durchkostete Zeit der Entbehrungen. Das verständliche Abgleiten derer, die nach einer beispiellosen Erschütterung und Umwertung aller Webte den Weg zurücksuchen mußten. Doch was vorauszusehen war trat ein: Auch dieser Hunger wurde gestillt und die Zugend sättigte. sich mit diesen Dingen. Und nun fühlten sie plötzlich wieder die Leere, die sie vor dem Krieg in die Zugendbewegung hineingeführt hatte, stärker, noch als jemals zuvor. Denn auch daS gewaltige GemeinschaflserlebniS des Weltkrieges hatte sich nicht geistig-schöpferisch gezeigt, hatte, wie Richard Benz fesistellt, noch nicht einmal seinen Ausdruck in einem wirklichen Volkslied gefunden, geschweige denn wie einst der trojanische Krieg einen Sänger wie Homer gefunden. Fortsetzung und Schluß folgt. Jüdische Jugendarbeit in Dresden SS ist an der Zeit, der jüdischen Öffentlichkeit wieder einmal den Sinn und die Wichtigkeit jüdischer Zugendarbeit vor Augen zu führen. Oie deussche Zudenheit hat seit 20 Zähren Gelegenheit, die Entwicklung einer jüdischen Zugendbewegung zu beobachten. Wenn es nun heute - fast eine Generation nach den Anfängen der Bewegung - wieder nötig ist, über jüdische Zugendarbeit zu schreiben, so deshalb, weil der Sinn dieser Zugendarbeit ein an- , derer geworden ist. Rach dem Kriege ist die Zugendbewegung in erster Linie eine OppositlonSbewegung gewesen. Opposition gegen Schule, gegen Elternhaus, überhaupt gegen alles Bestehende, Überlieferte. Dieses Stadium hat seinen Ginn darin gehabt, daß die jungen Menschen sich nicht mit gehaltloser. Ablehnung begnügt haben, sondern einen neuen Lebensstsi gesucht haben. Es bedeutete in dieser Zeit einen schweren Kampf für jeden Zungen, und noch | . . . UND FÜR IHREN BRIDGE j l KREUTZKAMM-GEBÄCK | i 1 fkimimNtmMlIHMIIItMtMlltlltllJimillllllllimilMHIIIIIHimMIIIIIIIIHIIIIMMIMIIIIIMIIlIHMIIHIinr mehr für jedes Mädel, in einen Bund gehen zu dürfen, weil Lund und hündisches Leben uns dem Elternhaus entfremdet haben und notwendigerweise entfremden mußten. Heute ist dieses Stadiuin überwunden, da es der jüdischen Zugend weitestgehend gelungen ist, die ältere Generation von ihrem Wollen und ihren Zielen zu überzeugen. Oie jüdische Zugendbewegung ist gewissermaßen in ihr Derwirttichungsstadium getreten. Zn den jüdischen Bewegungen haben fast in allen Lagern die jungen Menschen die Führung übernommen, die ersten aus der Zugendbewegung hervorgegangenen Rabbiner verkünden ihre neuen Zdeen von den Kanzeln. Züdische Zugendarbeit ist also heute nicht mehr im eigentlichen Ginn hündische Arbeit, sondern über dem Bund steht heute unmittelbar die Möglichkeit zur Verwirklichung, d. h. zur Bewährung. Oie Rotwendigkett einer besonderen Zugendarbeit ist heute so allgemein anerkannt, daß sich z. B. das Verhältnis der Eltern zum Bund in vielen Fällen grundlegend geändert hat. Mußten wir uns die Erlaubnis, in einen Bund gehen zu dürfen, noch erkämpfen, so gerben heute schon viele Kinder von den Eltern in den Bund geschickt. Oer Bund hat dabei viel von seinem eigentlichen Wesen verloren, denn das Erkämpft« war. uns doppelt wertvosi und doppelt wichtig und wir nahmen den Bund umso emster, je msshr er angegriffen wurde. Heute hat der Bund das Glück, mit der Förderung der hinter ihm stehenden weltanschaulichen Organisatton und aller Derwaltungskörperschaften rechnen zu können. Das gibt

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