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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1934-12-01 · 12 (12.1934) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
10 (1934)
Issue
12 (12.1934)
Date
1934-12-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden llr. 12 porie wird Konsul und Kaiser und diese Beispiele ließen sich beliebig fortsehen. Das alles jedoch waren jeweils Einzelleistungen die sich durchsetzten, die natürliche Struktur der Altersklassenschichtung und -Bedeutung aber unberührt ließen. Neuartig aber mutet uns die Erscheinung unserer Tage an, in der wir in unsere Umwelt nicht etwa nur qualifizierte einzelne jugendliche, sondern eine ganze jugendliche Generation in Führersiellungen finden. Wenn wir vergleichsweise feskstellen, daß im Nom der Republik außer einem mindestens zehnjährigen Waffendienst für die kurulische Ädilität ein Mindestalter vön 37 Fahren, für die prätur ein solches von 40 und für das Konsulat von 43 Jahren gefordert wurden, während beispielsweise die Neichsverfassung von Weimar nur für das Amt des Reichspräsidenten ein Mindesialter (u. zw. nur von 3.5 Fahren) festlegt, während entsprechende Bestimmungen für andere wichtige Ämter,;. Ä. das eines Ministers gänzlich fehlen, so dürste schon diese Gegenüberstellung geeignet sein, das Symptomatische hervorzuheben. Und wenn wir uns dann aus der Praxis vergegenwärtigen, daß heute ganz selbstversiändlicherweise und auch regelmäßig M Endziel bedeutsamer öffentlicher Karrieren in einem Mer erreicht wird, in . dem nach den Anschauungen einer nicht allzu fernen Vergangenheit höchstens deren Anfangsstadium hätte durchlaufen sein können, so zeigt uns dies deutlich die Gewichtsverschiebung zu Gunsten der jungen Generation als solcher. Dieser Prozeß hat auch die jüdische Gemeinschaft ergriffen, wie aus der ^ihlreich geschehenen Hereinnahme von Fugendvertretern in Gemeinde- und Organisationsverwaltungen erstchtlich ist. Die geführte Generation wird zur führenden, die lemenden zum Meister. Wie ist dies möglich? Oie Antwort kann nur lauten: Weil die ältere Generation keine Werte, d. h. keine Tradition mehr zu bieten hatte und diese Erkenntnis gilt für die jüdischen wie für die nichtjüdischen Kreise Deutschlands z. Zt. des Einsetzens der sogenannten Jugendbewegung in den Dorkriegsjahren gleichmäßig. Denn auch eine spezifisch jüdische oder deutsch-jüdische Tradition war nicht vorhanden. Denken wir einige Generationen zurück und nehmen als Stichjahr etwa das Fahr 1300, so könnet, wir feststellen, daß in diesem einzigen Fahr gleichzeitig lebten: Goethe, Kleist, Schiller, Beethoven, Kant, Fichte, Schleiermacher, Humbold, Schlegel, Schopenhauer, um wahllos einige Namen Herauszugreisen, eine zeitliche Konzentration des Genialen, die höchstens in der griechischen Antike oder in der italienischen Renaissance ihr Gegenstück findet. Der geistige Einfluß dieser Männer und ihrer Epigonen reicht vielleicht bis zur Mitte - des ly. Jahrhunderts. Welche Sterne aber findet die Jahrhundertwende vor, welcher Katalog von Namen könnte für diese Zeit zusammengestellt werden. Die Fugend um 1900, ob jüdisch oder nicht, sie fand ein entgeistigtes leben, in dem in amerikanischem Tempo: Technik, Verkehr, Fndustrie und wieder Technik herrschten und es weiter entseelten. Die Fugend -aber war hungrig nach anderem, sie reagierte gegen das Erstarrende, Mechanisierende, Nivellierende einer krankhaft zivilisatorischen Entwicklung. Sie lehnte sich aus, die deuffche wie die jüdische Fugend, denn es war der Kampf einer im gleichen Milieu Makkabäer-Feier des J.T.V. BarKochba MAkkabi in Bild und WOrt Sonntag, den 2. De/, i934 abends 830 pünktlbhl im Trianon,'Volkswohl, Ostra-Allee Karten zum Preis (von 50 Pfennig bis Mk. 2.-) im Vorverkauf: Rucbhardluug Karl Strauß, Waist-nhausstraße 26 KI c i n m a i> n, Sporergassc, und an der Abendkasse lebenden Generation gegen eine für alle gleichmäßig unbefriedigenden Entwicklung, eines alle gleichmäßig erfassenden Zeitgeistes. Überraschend ähnlich sind die Formulierungen der Anklagen aus beiden Lagern gegen denselben Gegner. Fch darf zunächst eine Probe geben aus dem »Sendbriest' dem Organ des »Reichstandes, Gefolgschast deusscher Wandervögel" vom April 1924. Es heißt dort: ». . . Einsam in sich verschlossen, ohne lebendige Bindung an die Natur wird der geistige Mensch der Zivilisation von der Gewalt einseitigen Spezialistentums oder Beruflebens, von der Macht der Maschine , und der Krankheit des Großstadtdaseins erdrückt, angefressen, ausgeh ölt; Sinn und Wert des Lebens werden von der Gewalt der Börsenspekulation in Frage gestellt und so vegetiert er dahin, elendes Werkzeug seiner selbst geschaffenen Marterwerkzeuge. Da bäumt sich die Seele der Fugend auf: schlagt die ganze Zivilisatton tot, werft den Baflast des Kulturlebens von euch, kehrt zurück in die alles spendende Natur: ein erster, glücklicher Ausweg! Funge Kraft will das ganze Leben packen, will alle Seiten des Daseins umspannen, deS Lebens ganze Schönheit trinken. - * Und zum Vergleich aus dem Oezemberhest 1933 des »Morgen", ein Bericht von Hanne Reißner, über die Entstehung des jüdischen Fugendbundes »Blau-Weiß", »ünbefangens Gefühl und reiner Fnstinkt junger Menschen lehnte sich gegen die Grundlagen des wilhelminischen Fmperiums auf, gegen das steinerne Gefängnis der Großstädte, gegen die mörderische Abhängigkeit des arbeitenden Menschen unter der Herrschaft des Hochkapitalismus, gegen die Mechanisierung und Verbildung des Daseins überhaupt. Die ersten Angriffspunkte, denen die jugendliche Empörung galt, waren Elternhaus und Schule. Von erheuchelten Konventionen befreit, ein anständiges und wahrhaftiges Leben zu führen, der Tyrannei unverständlicher überlieferter Stoffe und Formen zu entrinnen und sich unbelastet durch Gedächtniskram an wirklichen Werten frei zum Menschen zu bilden, war die selbstgesetzte Aufgabe der Generation mit dem Abzeichen des Vogels, der die Schwingen zum Flug breitet ... Ein ungeahntes Hochgefühl brach sich Bahn. Statt der kümmerlichen Etraßenbäume - Forsten, Kiefern- und Buchenwald. Statt rauchender Fabrikschlote - Bauerngehöste. Mittelalterliche Kirchen an Stelle von Hausfronten aus Stuckrenaiffance. And also war es schon immer Wirklichkeit gewesen, was die Großstadtjugend selbst undeutlich, aber sehnsüchtig erstrebte: zu leben im Rhythmus des Tages und der Fahreszeiten, sichtlich produktiv, in gegenseitiger Hilfe und aus innerer Verantwortlichkeit." . Eie sehen, in beiden Lagern eine überraschend gleiche Sprache, wie es ja naturnotwendig sein muß bei gleichen geistigen Nöten. G0BUTZ Yische preiswerte Lebensmittel, Feinkost, Weine, Tabakwarei^

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