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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1934-12-01 · 12 (12.1934) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
10 (1934)
Issue
12 (12.1934)
Date
1934-12-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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i Gemein-eblall -er Israelitischen Tteligionsgemeinde Dresden Amtliches Organ des Gemeindevorstandes » Mitteilungsblatt des Sächsischen Israelitischen Gemeindeverbandes * Verantwortliche Schriftleitung: Leo Anschel, Dresden / Verlag: Israelitische Religionsgemeinde DreSden-A. l, Zeughausstraße 3 / Ruf 14051 und 17887 / Verantwortlich für den Inseratenteil: Iac. Strrnllcht, OreSden-A. 19, Stübel-Allee 35 / Ruf 34185 / Alleinige Annahmestelle flr Inserate ebenda / Die 4mal gespaltene 46-mm-Zeil« kostet 22 Pfennig, laufend Rabatt / Druck: A. Gruhnert, DreSben«A. l, Ammunstr. 61 ' Dresden, Dezember 1934 Weg und Aufgabe der jüdischen Jugendbewegung Don Or. Kurt Freudenthal, Würzburg Wenn es hier unternommen wird zur Situation der jüdischen Jugendbewegung Stellung zu nehmen, so macht diese Problemstellung es erforderlich, zunächst die grundsätzlichen Fragen anzuschneiden, die sich bei der Erörterung der geistig-kulturellen Möglichkeiten des heutigen deutschen Iudentums allgemein ergeben. Um hier Nare Erkenntnisse zu gewinnen erscheint, es mir notwendig, zwei sich anscheinend widersprechende Tatsachen im richtigen Verhältnis zueinander zu sehen: Einmal die staatsrechtliche und gesellschaftliche Ausschaltung des jüdischen Bewölkerungsteiles aus der deutschen Volksgemeinschaft und andererseits die vollzogene und nicht wieder rückgängig zu machende Emanzipation in geistig-kultureller Hinsicht. Was zunächst die staatsrechtliche Stellung der Juden in der deutschen Umwelt anlangt, so läßt sich die Linie dieser künftigen Entwicklung heute gewiß noch nicht mit Sicherheit absehen. Richtung weisend aber scheint mir eine Mahnung, die in der Presse viel erörterte Abhandlung deS vor einiger Zeit neu emannten Verfassungsreferenten, Regierungspräsident Or. Rikolai über .Oie Grundlagen der kommenden Verfassung" zu sein, die davon spn'cht, daß auch für die Juden ein besonderes Gesetz ihre Pflichten und Rechte regeln werde, wobei hinzugefügt wird, daß zu diesen Rechten insbesondere auch die Feststellung einer Autonomie aus kulturellem Gebiet gehören werde. Auf diesem kulturellen Gebiet aber läßt sich das Rad der Entwicklung nicht mehr zurückdrehen. . Seitdem mit der Sprengung des Ghettos die deutschen Juden, aus der absolut hermetischen Abschließung in tausendfältige Beziehung und Verknüpfung zur Umwelt traten, haben sie nun einmal sämtliche Komplexe abendländischer Wissenschaft und Kultur nicht nur kennen gelernt, sondern sie sich zum geistigen Eigengut gemacht, so gut wie irgend sonst ein abendländischer Mensch. .Kulturelle Autonomie" kann sonach nicht etwa nur bedeuten: Autonomie aus dem Gebiet des spezifisch jüdischen Gedankenguts, denn das ist selbstverständlich. Sie kann nur bedeuten: Absolute Freiheit des Schaffens und Wirkens auf jeglichem geistig-kulturellen Gebiet, wenn auch nur für und mit jüdischen Menschen. Diese Freiheit aber, sie stellt uns - und ich darf hier das Wort zum ersten Mal' fallen lassen: uns, die Jugend - nicht vor feste Richtlinien, fle zwingt uns verantwortungsbewußte Ensscheidungen zu treffen, wie wir in dieser jüdischen Rotzeit unserer Aufgabe, unserer Sendung gerecht werden können. Wenn ich in diesem Zusammenhang eben hon der jüdischen Iugend allgemein sprach, so bin ich mir bewußt, baß an die sich hier ergehenden Fragen von einem Teil der jüdischen Iugend vielleicht nur mit minderem Interesse herangegangen werden möchte: Ich meine den Teil unserer Iugend, der im Begriff steht sich eine neue, oder besser die eigentliche Heimatzu suchen und für den der Aufenthalt auf deutschem Boden nur im Rahmen einer Vorbereitung für eine an anderen Raum gebundene Zukunft erlebt wird. Es ist verständlich, daß für diese Iugend, für die die gegenwärtige Umwelt nur ein Ourchgangsstadium bedeutet, deren Mission erst im neuen Land beginnt, eine Problemstellung, wie sie hier von mir aufgezeigt werden will, neben anderen nicht vordringlich besteht. Es ist auch bereits teilweise mit Eifer hervorgehoben worden, daß konsequenterweise nur ganz peripher diese Iugend Fragen beschäftigen könnten, die nur in Verbindung mit dem Leben in der deutschen Umwelt überhaupt auftauchen. Demgegenüber kann jedoch festgestellt werden, daß auch von Seiten der paläftinaorientierten Iugend in zunehmendem Maß diese hier sich flesienden Probleme nicht nur nicht einfach negiert, sondern in der Erkenntnis, daß ja nun einmal die Existenz der Galuth nicht einfach aus der Welt geschafft werden kann und daß es auch in Zukunft eine jüdische Gemeinschaft auf deutschem Boden geben wird, ernst zur Diskussion gestellt werden. Für diesen - man kann wohl sagen - Großteil der deutschen Iuden aber, der auch weiterhin sein Leben auf deutschem Boden, wenn auch als rechtliche Minderheit, so doch im vollen Mitbesitz des Kulturgutes unserer Umwelt führen, wird ergibt sich unmittelbar hinter den wirtschaftlichen Fragen der Existenz die Notwendigkeit einer geistigen Bereitschaft für seine Sendung auf diesem Boden. Warum aber ist es gerade die Iugend, der hierbei eine Rolle zukommen kann? Run, es läßt sich schon rein äußerlich gesehen nicht verkennen, daß unsere Zeit eine ganz außergewöhnliche Gewichtsverschiebung innerhalb der Altersklassen zugunsten der Iugend als solcher gebracht hat. Wohl kennen wir aus allen Zeiten Beispiele überragender Leistungen und Erfolge Iugendlicher: Der 20jähn'ge Alexander erobert einen Erdteil, der jugendliche Bona- Heute Sonnabend, den 1. vezember aU5 Uhr in der Synagoge feierlicher thanukka-öottesbienst Ansprache des ljerm Nabbiner vr.woif an wem und lugend

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