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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1934-09-01 · 9a (Mitte September 1934) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
10 (1934)
Issue
9a (Mitte September 1934)
Date
1934-09-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 9a Gemeindeblatt der Israelitische« Religiontgemeind« Dresden Eindrücke von der dritten Konferenz des Wettverbnndes für liberales Judentum Dr. Albert Wolf Fortsetzung und Schluß. Selbstverständlich hat das fortfchrit liche Judentum in aNen Ländern seine eigenen, durch die Seele dicser Länder bedingten Formen angenommen. Mqn kann von einer spezifischen englischen Frömmigkeit sprechen. Diese englische Fror imigkeit hat auf das fortschrittliche Judentum in England vermutlich mehr Einfluß gehabt, als auf das tradittonell-gesehestreue Judentum. Bei aller Loslösung von der starren Form des alten Judentums zeigt das religiöse Leben des fortschrittlichen Judentums in England einen dem Eharakter des englischen Lölkes gemäßen kor servativen Zug. Es ist schwer, deutlich zu machen, was damit ger leint ist. Aber vielleicht hilft ein Beispiel. Ich war am Freitag Abend bei Miß Lily Montagu eingeladen. Vor dem Abendbrot find ein häuslicher Gottesdienst statt. Leiterin des Gottesdienstes, i»ie die wesentlichen Gebete laut vorlas, war Miß Montagu selbst, i Scherzhafter Weise meinte sie, die anwesenden Labbiner hätten Ferien. Aber das war mehr als ein Scherz. Es wäre undenkbar gewesen und hätte gegen die Form englischen Lebens verstoßen, in die Art dieses Gottesdienstes einzugreisen. Solch ein häuslicher Gottesdienst findet bei Miß Montagu an jedem Freitag Abends statt. Fmmer ist eine Leih« von Gästen dazu eingeladen. Oie iForm, die an dem überlieferten jüdischen Gottesdienst kaum mehr Erinnert, ist neu. Aber einmal gegeben, bleibt sie erhalten. Mqn ist in den neugeschaffenen Förmen konservativ. Fm Gottesdienst der Gemeinde kommt dies vielleicht weniger zum Ausdruck. Das Gebetbuch der Synagoge ist so gestaltet, daß es zwölf verschiedene Arten des sabbatlichen Vormittags-Gottesdienstes gibt. Es wird jedesmal angezeigt, welche Auswahl der Gebete an dem betreffenden Sabbat dem Gottesdienst zugrunde liegt. Fm Gottesdienst selbst fällt auf, daß es den Vorbeter im alten jüdischen Sinn nicht gibt. Oie Lebendigkeit und Wirksamkeit des Gottesdienstes wind dadurch nicht beeinträchttgt, sondern eher gehoben. Oie Gebete werden vom Labbiner oder von einem dazu bestimmten Laien gesprochen. Manche Gebete, wie zum Beispiel der erste Abschnitt des Schema, werden von der ganzen Gemeinde laut im Lhhthmus gesprochen. Man hat das Empfinden, daß die Teilnehmer des Gottesdienstes mit Verständnis und Andacht dem Gottesdienst folgen, mehr, als.es in unseren. Synagogen, der Fall ist. Trotzdem beschleicht den nichtenglischen Besucher ein leichtes Gefühl der Fremdheit, und er empfindet auch hier im Gotteshaus, 'daß die Verschiedenheiten der Länder auch auf die seelischen Ausdrucksformen des Fudentums ihren Einfluß ausüben. .! Diese Verschiedenheit der seelischen Haltung war auch im übrigen auf dieser Konferenz oft zu bemerken, vielleicht zum Teil noch verstärkt durch die Lücksichtnahme aus die politische Haltung in den einzelnen Ländern. Mitunter schien es, als ob eine letzte Verständigung nicht möglich sei. Das Denken der anwesenden Menschen, obwohl alle aus dem Fudentum stammend und Fudentum wollend, war doch durch die Denkungsart, die in den Heimatländern üblich ist, beeinflußt. Das zeigte sich auch nein äußerlich in der Form der Leben. Wenn der pariser Labbiüer Germain Levy das Wort ergriff, da sah man auf seine Gesten, hörte mit Wohlgefallen die französischen Laute, freute sich der leichten Art seiner geistvollen Worte. Oie englischen Ledner stellten dar, was ist. Sie sprachen von den Tatsachen, zogen daraus die Folgerungen, klar, einfach. Über Probleme sprachen die Deutschen. Wenn man die auch auf dieser Konferenz gehaltenen Leben gegeneinander hält, erkennt man leicht die Verschiedenartigkeit der Denk- und Sprechweise. Oer Sinn dieser Konferenzen des Weltverbandes für liberales Fudentum ist, von Zeit zu Zeit die religiöse Situation des Fudentums der Welt aufzuweisen, Lechenschaft abzulegen über das, was in der vergangenen Periode geleistet worden ist und neue Aufgaben für die Zukunst zu stellen. Oie eigentliche Arbeit muß dann in der Zwischenzeit von den dazu Beaufttagten geleistet werden. Aber die Konferenz selbst soll auch einen geistigen Höhepunkt religiösliberalen Lebens darstellen. Darum wird auf jeder Konferenz eine das Fudentum angehende religiöse Frage behandelt. Das Gesamtthema unserer Tagung lautete: .^ludaism and Human Destiny' (Fudentum im Spiegel menschlicher Aufgaben). Das Thema war in drei Untergruppen eingeteilt. Als erstes stand zur Behandlung das Thema: »Fudentum und die Aufgage des Menschengeschlechts". Das zweite Thema lautete: »Oie .Aufgabe Fsraels als religiöse Gemeinschaft". Fn einer dritten Sitzung wurde das Thema be> handelt: »Fudentum und die Bestimmung des Individuums". Fch selbst sprach zum ersten Thema mlt der Formulierung »Fudentum und Menschheit". Meine Ausführungen gipfelten in den Sähen: »Es gibt verschiedene Menschengruppen/ die verschieden sind in ihrer volklichen Art, verschieden an Kultur, verschieden in ihrer körperlichen Strustur. Diese Menschengruppen leben aus der Kraft, ihres Blutes. Aber Blut ist nur ein Hilfsmittel des Lebens. Es arum pflaaeman na deppalt gut und *°eb icSy)&i&&£«"Hut> Verkaufsstelle für SäffOitttt' für Damen schon von T»* •••»•••••*• mmmmmwmi mmmmm Jleyina Das $£U*eehdeTxtM^IUi&QceitDce$deH$!\ Täglich nachmittags und abends dai große Programm { Nachmittags Eintritt frei / Kein Gedecku. Weinzwang I j Waisenhausstraße / Telefon 22944

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