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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1934-09-01 · 9 (9.1934) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
10 (1934)
Issue
9 (9.1934)
Date
1934-09-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Sette 2 Gemeinde^latt »er Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Nr. 9 i Abstammung und blickten durch die Scheiben:s Was tun die Juden, zu denen wir plötzlich wieder gehören, an ihren Feiertagen-? führt uns noch ein Weg zu den Heiligtümern Israels? Es führt wohl kein Weg mehr ^u uns /für" die, deren Großeltern unseren Glauben verlassen, djren Ett<rn schon nichts mehr von der Religion der Juden wußten, die vielleicht selbst zu den Judengegnern gehörten, die Juden aus ihrer Gemeinschaft ausschloffen und nun plötzlich selbst als Fudenstämmlinge von jeder anderen Gemeinschaft ausgeschlossen Verden. OasvWort der Bibel wird furchtbar wahr: Oer die Schuld der Bäter »eimsucht an den Kindern bis ins 3. uftd 4. Geschlecht, bei denen, die mich Haffen... Weil die Großväter oder Großmütter auf ihr Heimatsrecht im jüdischen Gotteshaus, in der jüdische« Gemeinschaft verzichtet haben, darum sind die Enkel jetzt ohne Heimatsrecht bei uns und ohne Heimatsrecht draußen. Eie stehey nicht im Borraum unserer Gotteshäuser. Es waren die Eltern noch Juden, dle Kinder von Fugend an nicht mehr. Eie stehen im Borraum; wenn sie den Weg zu uns suchen, wenn sie eine seelische Heimat begehren, wir versperren ihnen nicht den Weg, wir öffnen ihnm die Tür zu unserem Glauben. Fm Borraum stehen Menschen, -die uns verlassen hatten, die die uns verlassen hatten aus religiöser Gleichgültigkeit, aus Ehrgeiz, aus Gewinnsucht, die glaubten, di» Welt draußen gewinnen zu können, wenn sie von unserer Welt, sich lossagten. Rückkehr heißt im Hebräischen t'sctiuwoti, t'scftuwoti bedeutet Reue. Für sie muß die Rückkehr Reue sein. Das Berhängnjs ist jetzt über sie gekommen, daß 'sie nicht dahin und nicht dorthin gehören. Das Verhängnis sollen sie abwenden, wie wir am Bersöhnungstage beten, durch Reue, Gebet und gute Taten. Wenn sie sprechen: »ich habe gesündigt", dann wird der Gott Israels zu ihnen sprechen: »ich habe verziehen". Im Borraum stehen aber auch viele, die immer zu unserer Gemeinschaft gehört haben, die aber dennoch fremden Göttem nachjagten und um den Gott Israels sich nicht kümmerten, die draußen alle Feste mitfeierten, aber selbst an den höchsten Feiertagen dem jüdischen Gotteshause f$m blieben. Deren Rückkehr wollen wir, deren Rückkehr verlangen wir. Eie sollen nicht im Borraum zögern, auch wenn sie Iahrzehnte nicht mehr eine Synagoge betreten haben. Sie sollen mit ihren Sorgen und Ängsten, mit ihrem wunden Herzen draußen nicht wie ein gescheuchtes Wild umher laufen, während sie im jüdischen Gotteshaus Frieden und Erhebung finden könnten. Wie schwer lernen selbst kluge Menschen um, daß so viele noch nicht begriffen haben, wie dankbar, wie glücklich sie sein müssen, in einer Stadt zu leben, in der sie gemeinsam mit anderen Iuden im Gotteshaus ihre Feiertage, ihre Sabbate begehen können. Me, die im Borraum stehen, sollen mit dem Psalmwort sprechen, wie einst die Wallfahrer im Borhof des Tempels zu Ierusalem: »öffnet mir die Tore der Gerechtigkeit; ich komm zurück!" M _ > . , Eindrücke von der dritten Konferenz des Weltverbandes für liberales Ludentum Dr, Albert Wolf Bom 6. bis 40. Iuli fand in Limdon 'die dritte Konferenz des Weltverbandes für das liberale Iudentum statt. Oer Weltverband für liberales Iudentum (eigentlich fortschrittliches Iudentum) (World Union for Progressive Judaism) wurde im Fahre 4926 gegründet. Oie erste der Gründungstagung von 4926 folgende Weltkonseren; fand im Iahre 4928 in Berlin statt. Ihr folgten im Fahre 4930 die zweite und im Fahre 4934 die dritte Weltkonseren; in London. In den Zwischenzeiten fanden errrieiterte Borstandssitzungen statt, die bedeussamste im Fahre 4932 jm Haag. An der Spitze des Weltverbandes sieht der greise Or. Montefiore. Das Sekretariat wird geleitet von Miß Lily Montdgu. Oie praktische Aufgabe des Weltverbandes besieht darin, dem liberalen Iudentum in allen Ländern,. in denen Fuden wohnen, Eingang zu verschaffen. Fn vielen Ländern sind die Gedanken des Fudentums nicht durch eine geistige Entwicklung lebendig geblieben, die Formen sind versteuert. Biele jüdische Menschen wollen von einem solchen Fudentusn nichts wissen. Oa ist es die Ausgabe des Weltverbandes, dafür zu sorgen, daß der lebendige Quell des Fudentums wieder fließt, daß durch eine geistige Erneuerung, durch Schaffung schöner, das Gemüt erhebender Formen, die Liebe und Treue zum Fudentsim wieder geweckt werde. Ein Beispiel für das Schaffen des Weltverbandes auf diesem Gebiete bietet die neue liberale Gemeinde in Holland. Als im Iahre 4932 der Weltverband seine erweiterte Borstandssitzung im .---j-■- Haag und in Amsterdam abhielt, geschah dies zu dem Zwecke, die Gedanken des liberalen Fudentums in dieses Land mit alter jüdischer Tradition und sehr großen jüdischen Gemeinden zu verpflanzen. Für den aufmerksamen Beobachter war es aber erschreckend, zu sehen, wie wenig jüdisches Leben in diesem Lande vorhanden war, wie wenig jüdische Menschen am religiösen Leben des dortigen Fudentums teilnehmen. Fn einer Gemeinde wie Amsterdam, in der fast 400000 Fuden leben, genügen eine bis zwei Synagogen, um selbst an den hohen Feiertagen die Zahl der Betenden aufzunehmen. Fn dem liberalen Festgottesdiensi, der damals im Haag stattfand, in dem ich selbst die Predigt hielt, nahmen Fuden teil, die seit ihrer Kindheit keinen jüdischen Gottesdienst gesehen oder überhaupt noch nie daran teilgenommen hatten. Oie einzige Verbindung, die diese Menschen mit dem Iudentum noch hatten, war die Büchse des Keren Kajameth, die allerdings in sehr vielen Häusern stand. Ohne diese Büchse wäre jede Erinnerung an das Iudentum geschwunden gewesen. Fetzt sind mit Hilfe des Weltverbandes im Haag und in Amsterdam liberale Gemeinden erstanden, in Amsterdam amtiert bereits ein liberaler Rabbiner. Oie holländische Delegation, die in diesem Fahre zur Tügung in London erschien, konnte über eine erfreuliche Zunahme des religiösen Lebens bei den Menschen ihres Heimatlandes, die bisher der versteinerten Form des dortigen Fudentums den Bücken gewandt hatten, berichten. Noch haben die jungen Gemeinden sehr zu kämpfen gegen O0BUTZ 'rische preiswerte Lebensmittel, Feinkost, Weine, Tabakwarei ¥ /

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