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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1934-09-01 · 9 (9.1934) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
10 (1934)
Issue
9 (9.1934)
Date
1934-09-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Nr. 9 Seh« & Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden die Anfeindungen der offiziellen orthodoren Gemeinde, die z. B. den Mitgliedern der liberalen Gemeinden Begräbnisplätze verweigern wollen, doch mit Hilfe' des Weltverbandes werden auch, diese Schwierigkeiten überwunden werden. Aehnliche Berichte liegen aus anderen Ländern vor. So hat der Weltverband einen liberalen Rabbiner nach Süd-Afrika entsandt, und auch aus dem Bericht der dortigen Delegation ging hewor, wie auf Grund der Arbeit . des Weltverbandes geistiges jüdisches Leben auch in diesem fernen Lande neu ersieht. Delegationen ans Indien, Australien, Kanada zeigten, daß überall in der Welt der Gedanke des sich geistig erneuernden Iudentums Anhänger gewinnt und Fortschritte macht. Ein ernstes Problem bot für die Konferenz das religiöse Leben ber Juden in Palästina. Ein Redner auf der Konferenz sprach davon, daß aus Palästina geradezu Hilferufe nach einem liberalen Judentum kämen. Es sind Schwierigkeiten besonderer Art, die in Palästina vorliegen. Augenzeugen ^berichteten, daß eine. große Zahl der Einwanderer sich gerade in Palästina religiös heimatlos fühle. ES wurde eine besondere Kommission eingesetzt, mit dem Aufträge, zu prüfen, welche Möglichkeiten für die Erneuerung religiösen Lebens in Palästina vorhanden sind. Es ist zu hoffen, daß bereits im kommenden Jahre liberale Rabbiner im Heiligen Lande für eine Reugesialiung des dortigen religiösen Lebens tätig fein werden. Es ist eine ebenso betrübliche wie auffällige Tatsache, daß Palästina, das in wirtschaftlicher Hinsicht offenbar einem gewaltigen Ausstieg entgegensieht, zur Zeit für das Gesamtjudentum in geistiger Hinsicht wenig, in religiöser Beziehung nichts bedeutet. Oie'.Männer, die dort für eine Erneuerung des Judentums arbeiten wollen, werden, einen harten Kampf zu bestehen haben gegen den alten Schlendrians Fanatismus, Unduldsamkeit und nicht zuletzt gegen die Religionsfeindschaft vieler unter den Reu-Eingewanderten. So bekam man aus den Berichten der verschiedenen Delegationen, aus den Formulieruugen neuer Aufgaben in den verschiedenen Ländem einen üeberblick über das geistig-religiöse Lebten des Iudentums in der gesamten Welt. Kaum ein Land, in dem Iuden wohnen, daß nicht wegigsiens ein Mal im Laufe der Konferenz genannt wurde. Mit tiefer innerer Befriedigung konnte man feststellen, daß es einen Ort im Iudentum gibt, von dem aus die geistige und religiöse Situation des Iudentums beobachtet und versucht wird, in die erschlaffenden und erstarrenden Glieder neues Leben zu bringen. Ieder Teilnehmer der Konferenz hatte das beglückende Gefühl, zu einem Ganzen zu gehören, in dem die kleine scheinbar unsichtbare Arbeit des Einzelnen ihre Bedeutung und Rechffertigung findet. Bei einer Konferenz, zu der sich Teilnehmer ^aus vielen Ländem einfinden, sind immer die Menschen, die man sieht und spricht, das Interessanteste. Alte Bekanntschaften werden erneuert, neue Beziehungen werden angeknüpft. Da sind die bewährten Führer des Weltverbandes der greise Montefiore, ein Sinnbild der Bescheidenheit, der Güte, ein Mann, der besten jüdischen Adel verkörpert. Ihm zur Seite die unermüdliche Lily Montagu, die unauffällig, aber sicher die Arbeiten des fortschrittlichen Iudentums in der ganzen Welt überwacht und leitet. Da sind Rabbiner aus vielen Ländem, aber auch Männer aus dem praktischen Leben: Kaufteute, Iuristen, Ärzte, Fabrikanten waren anwesend, Menschen, Msl-Garderobe nur durch .30 eigene Laden Telephon 36036 MÄRKKH reinigen lassen die in ihrem Berufsgebiete großes Ansehen genießen und starken Einfluß haben, Männer und Frauen, die in der ideellen Arbeit für das Iudentum, die Ergänzung ihres sonstigen Schaffens sehen. Eine besondere Gruppe hob sich in diesem Fahre von den Teilnehmern der Konferenz ab: deutsche Emigranten.' Geistige Menschen, die ihren Beruf in Deutschland ausgeben mußten, Rechtsanwälte, Ärzte, Dozenten, Lehrer, Studenten. Oie Sehnsucht nach der deutschen Heimat führte sie zur.Konferenz. Sie hofften, dort Bekannte zu sprechen, Mitteilungen aus der Heimat zu erhalten, » alte Verbindungen wieder' anzuknüpfen. Aber die Konferenz wurde ihnen zu etwas Größerem. Sie erlebten da wieder deutsche Heimat. Menschen, die früher weyig oder kein jüdisches Interesse »gezeigt hatten, die auch im fremden Lande nicht den Anschluß an das dortige Iudentum gefunden hatten, weil die Seele des Landes ihnen fremd und die Ausdruckssormen des religiösen Lebens darum unverständlich geblieben waren, erlebten bei dieser Konferenz im fremden Lande ihr deutsches Iudentum. In den Gesprächen, die ich . mit solchen »Emigranten" führte, kam immer wiedcr.das Heimweh zum Vorschein, das durch die Teilnahme an dieser Konferenz ' geweckt worden war. Hier verstanden diese Menschen, als sie deutsche Worte hörten, die Gedankenwelt des deutschen Iuden und empfanden, wie sie selbst in diese Gedankenwelt hineingehörten. Ich habe aber die Überzeugung gewonnen, daß bei aller Erschütterung, die dieses Erlebnis ausgelöst hat, viele doch gerade dadurch sich selbst gefunden haben und mit dem Wissen um ihre eigene seelischff Lind geistige Situation sich auch im fremden Lande geissig und seslisch besser zurechtfinden werden. Das Eigentümliche, daß diesen, versprengten Gliedern des deutschen Iudentums zum Bewußtsein gekommen ist, ist bei allen früheren Konferenzen des Weltverbandes schon zum Ausdruck gekommen, nämlich, daß deutsche Iuden lum, zumal deutsches, fortschrittliches Iudentum, eine geistige Welt für sich ist, ja man könnte beinahe sagen, eine Großmacht in der Welt des Iudentums. Oie jüdische Wissenschaft, die seit dem Ausgang des achtzehnten Fahrhunderts in Deutschland erstanden ist, hat das deutsche Iudentum in besonderer Weise geformt, aber darüber hinaus einen nachhaltigen Einfluß ausgeübt auf das Iudentum in anderen Ländern. Das geistige amerikanische Iudentum ist geschaffen worden von den deutschjüdischen »Emigranten" der vierziger und fünfziger Fahre. Die Männer, die in England die geistige Formung des englischen Iudentums bewirkt haben, waren bei jüdischen Meistern in Deutschland in die Schule gegangen. Ein wirkliches lebendiges, fortschrittliches Iudentum gibt es nur in den Ländern, in denen der Geist des deutschen Iudentums wirksam war. Äußeres Symbol dieser Tatsache, daß bei dieser Weltkonferenz in.London am meisten deutsch gesprochen wurde. (^ortletzung und Schluh in nächster Nummer) Größte Auswahl in Aerh/tneu-heiten Jftöntel, Kostüme, W»»W je wlu WlM Kleider, Klüsen «ULUIVIAMW und Röcke , ■ AM ALTMARKT . .... .. _ . . , ... A

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