Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1934-09-01 · 9 (9.1934) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
10 (1934)
Issue
9 (9.1934)
Date
1934-09-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/4892693-5739425-5770094--2051-4894635
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Gemelndeblatl der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden | Amtliches Organ des Gemeindevorstandes * Mitteilungsblatt des Sächsischen Israelitischen Gemeindeverbandes » Verantwortlich« Schriftleltung: Leo Anschel, Dresden / Verlag: Israelitische Religionsgemeinde Dresden / Druck: A. Gruhnert, Dresden»«, l Alleinig« Annahmestelle für Inserate: Iac. Sternllcht,Sttlbel-Allee 35 / Ruf 34185 / Die 4mal gespaltene 4S»mm»3«ile tostet rr pfg., laufend Rabatt X. Iahrg. \j j Dresden, September 1934 Plummer 9 „Gedenke unser zum Leben!” Sochrenu lachajim, Gedenke unser zum Leben, cjos ist die erste, dem Feste eigene Bitte, die wir am Eingang des Neujahrsfestes aussprechen und bis zum Ausgang des Versöhnungstages in allen Gebeten wiederholen. Wir beten um Leben zu dem Gott des Lebens, der will, daß wir leben. Gar vielen wird diese Bitte unangebracht erscheinen, da das Leben .voll Not, Sorge und Kummer ist. Tatsächlich werfen auch manche ihr Leben von sich, weil sie seinen Stürmen nicht standzuhalten vermögen-. Wir aber wissen, daß wir unser Leben nicht von uns haben, daß es in Goiteshand ist, der da will, daß wir leben! Leben heißt nicht' Wohlleben, leben heißt nicht sich ausleben, leben heißt sich treu bewähren, leben heißt nicht nur für sich, sondern für die Gemeinschaft leben, heißt nicht für den Tag, sondern für die Ewigkeit leben. Tausend Gefahren haben in der Vergangenheit unsem Stamm bedroht, aber wir leben, weil Gott will, daß wir leben. Aus der Kraft ihres Glaubens haben unsere Väter in schwerster Zeit gebetet: „Gedenke unser zum Leben . denn sie beteten zum Gott des Lebens. Sie beteten und ihr Gebet erhob sie über das Schwere ihres Geschicks, ihr Gebet gab hnen die beglückende Gewißheit der Gottesnähe. Auch wir sind vom Stamme dieser Glaubenshelden, auch wir wissen, daß Gott es ist, der Leben gibt und Tod. Darum beten wir demütig, gläubig und inbrünstig: „Gedenke unser zum Leben!" » Ismar El bogen. Oer Vorraum Von Rabbiner Or. Wilde, Magdeburg. 3n meiner Heimatstadt hat die Synagoge einen großen Vorraum, der durch Türen mit Glasscheiben von dem Betraum getrennt ist. In diesem Vorraum standen, als ich, noch ein Kind war, am Vorabend des Versöhnungstages viele Andersgläubiger sie blickten durch die Scheiben, um sich die Feier des Versöhnungstages anzusehen. Unter ihnen war elnfi viel« Iahre lang, so erzählte man in meiner Kindheit, eine alte Frau. Als Kind war ste dem jüdischen Elternhaus entlaufen, hatte Heimat und Glauben verlassen. Rach Iahrzehnten kam eine -vergrämte, einsame Frau zurück, lebte still für sich, mied die Juden und wurde von ihnen gemieden, unbeachtet auch von den Andersgläubigen. Aber am Vorabend des Versöhnungstages stand sie im Vorraum der Synagoge. Blickte stumm durch die Scheiben. Riemand wußte, was sie dabei empfand. Rie kam sie in die Synagoge hinein. Als man sie in einem Iahr nicht mehr sah, erfuhr man erstdaß sie vor Monaten gestorben und in asier Ssille auf fremden Friedhof begraben worden sei. Mir isss, als hätte jetzt jede Synagoge einen solchen Vorraum, als ständen in jedem Vorraum Juden und Menschen jüdffcher Hl Hilfe undTkifexui ist das Gebotdes neuen Jahres/1|| Ul driuirb die blcuie BeUragskane lür „Hille und 7\u(bau“. j|| Hl -H

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.