Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 8 (8.1934)
- Date
- 1934-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Positionen .Ruhegehalt und hintefbliebenenversorgung von Be» amten kleinerverbandsaemeinden", sowie »Zuschuß zur Lehrerbesoldung in Bautzensind mit Rücksicht auf die durchqeführten Gehaltskürzungen im wesentlichen unverändert geblieben. herrDr. Goldschmidt, Leipzig, ist der Meinung. daß Gehaltsvorrückungen in Iuschußgemeinden unterbleiben müsien. Die Position .Landeswohlfahttsftelle" mutzte mit Rücksicht auf den Ausfall der Derteilungen au; öffentlichen Mitteln etwas reichlicher anaeletzt werden". Die Position .Darlehensrückzahlung an die Londestzaffe Sachsen für iüdiiche wanderfürsorae" wird antrograemötz auf RM 1000.— erhöbt, sodnß das gesamte Darlehen im Ltottahr 1434 zurückgezohlt wird. 2m Rahmen des Derfügunyraeldes de; Dorstandes wird auf Rntrag des Dertreters der Säckkscken Israelitischen Lehrervereinioung, Herrn Rantor Jaffö. Leipzig, belchlosien, dieservereiniguna fürRbhaltung»iner Lehrerkonferenz einen Betrag von RM Ivo.— zur Derfügung zu stellen, ferner die bereit; in den Dorsabren gewöbrten Dersorqunasbeitrüae Vaneth und ebem. Lebrer von IDolfenbüttel lSomIonschules fortzubewilliaen. Die übrigen Ltatvositionen bleiben unverändert. Reu eingestellt wird eine Position .Zuschuß an den Landesgusschuß Sachsen der Jüdischen Jugendverbände", wofür Herr Dr. Lebtffreund sich stark einsetzt. Und zwar wird für Juli mit Dezember ein Berechnunasgeld von monatlich RM 100.— bewilligt mit der Maßgabe, daß der Derbandsvorftand — nach Überprüfung der Ausgabenaufstellung desJuoendverbandes — berecktiat ist. monatlich bi; zu RM 100.— zur Derfüguna zu stellen. In der Generaldebatte nimmt Herr lohn, Rnnabera, dos Wort, um die Röte dieser Rleingemeinde zu schildern. Lr bittet, daß der Derbond da; Lebreraebalt übernimmt. Line Ruflölung der Gemeinde möchte unter allen Umständen vermieden werden. Rabb.Dr. Goldmann, Leipzio. als Vertreter der Sächsischen Rabbinertzvnierenz äußert sich dahin, daß ein überwiegendes Interelle an dem Fortbestand der Gemeinde nicht anzuertzennen sei. L; muffe dagegen selbstverständlich dafür gesorgt werden,'daß von seiten der benachbartin Gemeinde Lhemnitz, mit der Rnnabera aegebenenfall; zu oereiniaen sei, ausreichende reliaiöse und unterricktliche Dersoraung gewährleistet werde. Herr Robn, Lhemnitz, sickert die; für seine Gemeinde zu, erklärt aber, daß der verband einspringen müffe, solange noch ein tehrzr in Rnnaberg seinen Wohnsitz babe. Herr Lbanange, Rnnaberg, wünscht, daß Lhemnitz den Annaber.aer Lebrer, den er sehr gut gualifiziert, als Wanderlehrer für seine Daspora übernimmt. Herr Schocken, Dresden, bittet, die Frage der Unterbringung de; Lekrers von der grundsätzlichen Fraoe zu trennen. Lr glaubt auch, daß Rnnaberg ol« selbständige Gemeinde selbst dann erbalten werden soll, 'wenn kein Lehret dort mehr seinen Wohnsitz bat. Herr Schocken wünscht, daß überhaupt von leiten der Großgemeinden mebr als bisher der versuch gemacht werden soll, religiöse; Leben in die Rleinaemeinden und auck die Diaspora, h. h. die kleinen Städte zu tragen, wo Juden ohne eigene Gemeinde leben und nur der vezirksqemeinde angeboren (z. v. Meißen, Freiberg, Gderan. Meerane. Falkenstein i. v.f. Herr Dr. Goldschmidt. Leipzig, äußert sich grundsätzlich dabin, daß eine Gemeinde sich erst dann dem verband gegenüber al; notleidend bezeichnen kann, wenn sie den böcksten Steuersatz von ihren Mitgliedern nimmt, der in Sacklen in dem betreffenden Jahr erhoben wird. (Gegenwärtig erhebt Plauen mit 35 X den höchsten s Herr Ratz, Zwickau, nimmt lür die Gemeinde Plauen da; Wort und bittet, durch Herrn Goldberg. Plauen, upterftützt, den Verbandsvorftand aul eine Reorganisation de; plauener Religionsschulwelen; hinzuwirken. Im Sinne der Rusfübrungen von Dr. Goldschmidt, Leipzig, wird folgende vrotokollarerklärung als Richtlinie beschloffen: .Line Gemeinde kann erst dann einen Subventionsantraa an den verband stellen, wenn sie ihre steuerlichen Möglichkeiten voll ousgeschöpft hat. Diese Voraussetzung ist insbesondere erst dann gegeben, wenn sie im vorhergehenden Jahre keinen niedrigeren Steuersatz erhoben bat als irgendeine andere verbandsgemeinde.' während der Generaldebatte wird Äie Sitzung in der Zeit von >H3 bis > .4 Uhr unterbrochen. Die Rnwelenden folgen einer Ljnloduno der Gemeinde Dresden zu einem einfachen Mitiageffen in der jüdischen Mittelftandsküche. hierauf wird der haushaltplan I4ft4, der auf beiden Seiten mit RM 22700.— abschließt und eine durckülmlage von den Gemeinden aufzubringende Summe voitzyM 16400. — vorfieht, einstimmig angenommen. VI. Festsetzung der Beiträge ,,<r Lande,kaffe Sachsen für Jüdisch« Wanderfürsorge. Herr Verwaltungsdirektor Ratzenstein al; Geschäftsführer der Landes» kaffe berichtet über die Rusgaben der Raffe im Jahre 1433. Dabei ergibt sich, daß die Grtskaffen Leipzig und Lhemnitz im wesentlichen denselben Bedarf wie im Vorjahr hatten, während Dresden den Bedarf um etwa ^senken konnte. Der ftellv. Vorsitzende, Herr Leffer, Dresden, fübn hierzu aus, daß es an sich unbillig ist, daß Dresden bei diesem Bilde sich gleichmäßig an der Umlage beteiligen soll. Mit Rücksicht aut eine zu erwartende allgemeine Verringerung de» Bedarfes für 1434 erklärt er sich mit der beantragten Festsetzung der Betträae von 3", v. T. des Reichseinkommensteuersolls 1432 einverstanden. Dos Rollegium beschließt in diesem Sinne einstimmig. Die Jahresrechnung der Landeskaffe für 1433 wird den Gemeinden demnächst zugehen. Vif. Stellungnahme zu den Richtlinien der Reich»vertretung betreffend Zorensenbetteneruna. hierzu referiert der verbandsspndiku». Das sächsische Foreniolfteuerrecht hat im letzten Jahre durch einige Lntscheiüungen de» ivberverwaltungsgettcht; und Verfügungen des Ministeriums eine Lntwicklung '? genommen, die nach einheitlicher Lösung im Zusammenwirken mit den Übrigen jüdischen Gemeindeverbänden drängt, da unter allen Umständen Doppelbesteuerungen vermieden werden müssen. Die Reichsoerttetung bat nunmehr auf Rnregung und noch den Vorschlägen de» sächsischen Gemeindeverbandes Richtlinien für die steuerliche Lrfallung von Forensenmftyliedern und Mitgliedern mit Dovpelwobnsttz aurgeorbeitet und allen verbänden zur Stellungnahme zuaeleitet. herrDr. Soalhelmer streift kurz die verschiedenen Probleme, die bereits frühere Sitzungen beschäftlat haben. Mit einiaen Modisikattonen stimmt der Sächsische Israelittsche Gemeindeverband den Richtlinien der Reichsvertretuna zu. ImIntereffe der kleinen Gemeinden, namentlich derplauener Gemeinde, welche auf diese Steueratt stark angewiesen sind, ist e; notwendig, daß auch die anderen verbände alsbald den Richtlinien beitteten. Ls wird daher beschloffen, die dringende Bitte an die Reich;- verttetung zu richten, für beschleunigte allgemeine Zustimmung zu diesen Richtlinien besorgt zu sein. VIII. Besprechung gemeinschaftlich interessierender Angelegenheiten. a) llnterrichtsfraoen. hierzu nimmt Herr Robb. Dr. Fuch» das wott, der eine starke Lrweiteruna des Religionsunterrichte; fordert. Herr Schocken, .Dresden, spricht sich für die Gründung von jüdischen Volksschulen in Dresden und Lhemnitz aus. und zwar sollen die Gemeinden selbst als Träger fungieren. Zu beiden Rnregunoen entspinnt sich eine sehr angeregte Debatte, in der die Herren Rahn»Lhemnitz, Prediger Günsberg-Zwickau, Dr. Goldschmidt-Leipziq, Dr. Lehrfteund- Leipzia und Robb. Prof. Dr. Winter-Dresden das wott ergreifen und die mit der Annahme nachstehender Reloluftonen endet: »Da der schulplanmäßig obligatorische Religionsunterricht nicht mehr genügt, fordett der Sächsische Israelitische Gemeindeverband von seinen Gemeinden deffen Erweiterung nach Stundenzahl und Lehrziel." .Der Sächsische Israelittsche Gemeindeverband fordett von seinen Gemeinden die beschleunigte Lrttchtung jüdischer Volksschulen entsprechend den Richtlinien derReichsvettretung derveuffchen Juden." kerr Weißkopf, Lhemnitz, bringt die Frage der Befreiung der jüdischen Schüler ogm - Unterttcht an den Sabbaten zur Sprache, wegen der im Zusammenhang mit der Linführung de; Staatsiugendtages neu ouftauchenden Probleme soll eine Anfrage an die Reichsvertretung gerichtet werden. d) Gefonaenenseelsorge. Da; Sächsische Justtzministettum hat jede Möglichkeit zur tttuellen vettoroung von Sttafgefangenen, auch zur Mozzenversorguna am peffackkeste, aufgehoben. Ruch in dieser Frage soll ein Gutachten der Reichsoerttetung beigezogen werden. c) 3ur Frage gemeinschaftlicher Kulturarbeit bettchtet wiederum Dr. Saalbeimer. Die Gründung eine; Jüdischen Rulturbundes,Sachsen dürste sich wegen vettchiedener, in der Struktur einzelner Gemeinden liegender Schwiettakeiten nicht empfehlen, dagegen müffe mehr al, bisher auf Austausch von Programmen der Runstabende und auch die gemeinschaftliche Verpflichtung vonRednern hingearbeitet werden. Den Rleingemeinden werde freigeftellt. Redner und künftlettsche Veranstaltungen von den benachbatten Großgemeinden anzufordern, wobei diele und auch der verband als solcher zu finanziellen Opfern bereit find. In diesem Zusammenhang schneidet Herr Rabb. Dr. Fuchs die Frage der Lrwachsenenbildunq an, die jedoch den einzelnen Gemeinden überlaffen bleiben soll. d) Steuerfragen: Die im Vorjahr in Aussicht genommene Muster» steuerordnung konnte mit Rücksicht auf die Schwierigkeiten in der rechtlichen Beutteilung der Forensensteuer noch nicht erstellt werden. Nunmehr soll überdies das Lrgebnis der allgemeinen Steuerreform, welche auch eine Neuregelung des Religionrsteuerrechtes bringen dürfte, abgewattet werden. e) Herr Leffer, Dresden, stellt den Anwesenden die inzwischen erschienene vettrtterln der Zenttalwoblfahttsstelle, Fräulein Blank, Berlin, vor. welche jn der sich anschließenden Sitzung des Sozialausschuffes über die Beitrag»kortenaktton der Jentralwohlfahtt»- ftelle bettchten soll. Herr Leffer ttchtet die dttngende Mahnung an alle, auch die kleinen Gemeinden, diese Hilfsaktion durchzuführen, fall; ihre Zulässigkeit außer Frage steht, worüber den Gemeinden in den nächsten Taaen aus Berlin bettchtet wird. (Die vestättgung der Zulässigkeit ist inzwischen erfolgt.! IX. 3um Punkt verschiedene« wird lediglich eine Lrsatzwahl für den von Leipzig verzogenen Herrn Motttz Uri) in dos Kuratorium der Rttowitsch-Ltiftüng vorgenommen. Gewählt wird sein Sohn, Herr Walter Urp. Mit Dankeswotten des Vorsitzenden. Herrn Larl Goldschmidt, Leipzig, an die Gemeinde Dresden und de; stellv. Vorsitzenden, Herrn Max Leffer, Dresden, an den Vorsitzenden wird die Sitzung um 6'/« Uhr geschloffen. Ls schließt sich an: eine Sitzung de; Sozialen Ausschüsse» de; verbände; unter dem Vorsitzenden der Landeswohlfahttsftelle, Herrn Max Leffer, Dresden, und starker Anteilnahme der in der Wohlfahrtspflege der verbandsgemeinden tätigen pettonen. Die Landesfüttorgettn, Fräulein Schwab, erstattet einen Bericht über die Tättgkeit der Landeswohlfahttsftelle im abgelaufenen Jahr. Fräulein Blank von der Aenttalwohlfohttsstelle Berlin refettett insbesondere über Linzelfrogen der vettragskattenaktton für Hilfe und Aufbau. Im übttgen dient die Sitzung dein Lrfahrungsaustausch in den praktischen Fragen der wohlfahttspflege. Schluß der Sitzung 8® Uhr.