Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 8 (8.1934)
- Date
- 1934-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/4892693-5739425-5770090--2031-4894617- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 8 bet Israelitischen ReligionSgemeinbe Dresden Seite 7 ZW MMWiib der siir IW Das Jahr -1933, über dessen wirsschgstliche Ergebnisse für unsere Gemeinde wir heute berichten, steht noch deutlich in aller Erinnerung. Wir versagen es uns deshalb, an dieser Stelle die Ereignisse zu berühren, welche die Juden in Deutschland und damit unsere Gemeinde und ihre Mitglieder betroffen haben, und erstatten nur Vericht über die Finanzlage unserer Gemeinde in diesem Schicksal»- jahre. Schon der Äeglnn des Jahres fand die Verwaltung der Gemeinde in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Finanzielle Verluste der lebten Jahre waren noch nicht überwunden, Angelegenheiten, die einer , endgülttgen Ordnung bedurften, waren noch unerlediat. Nachdem sich der Vorstand am 79. März 7933 aus triftigen Gründen genötigt sah, den Gemeinderataufzulösen, haben die damaligen Mitgliever des Vorstandes in schwerer und verantwortungsvoller. ober einmütiger Arbeit den ganzen Nest des Jahres über astein die Geschicke der Gemeinde gelenkt. Seit Frühling dieses Jahres ist dieser vorübergehende Zustand beendetdurch Zusammentritt eines Gemetnberates ist die satzungsgemäße Vertretung der Gemeinde wieder hergestestt, die bisberiaen - Sitzungen sowie das sonstige Zusammenwirken baben eine vorbstdliche sachliche Arbeit ergeben. Es kann wohl kestgestellt werden, daß W> Gemeindevorstand, Nabbinat und soostiqe Mitarbeiter der Gemeinde, sowohl berufsmäßige wie ehrenamstkche km Laufe dieses bewegten Jahres, wählend dessen geradezu ein Sturm von Fragen und Gesuchen an die Gemeinde gerichtet wurde, ihr Äestes zur Erfüstuna der vielgestaltigen und schwien'gen Aufgaben gegeben haben, und daß im Ganzen gesehen die geforderten Leistungen von der Gemeinde erfüstt worden sinh. Nicht nur die lautende Verwaltunasarbeit wurde bewälstgt, sondem auch eine Neihe von Rückständen der letzten Jahre erledigt, sodaß seht die Gemeindetätigkeit auf dem Laufenden ist. Dies wurde von der Allgemeinen Treuhand A. G. in Dresden bestätigt, welche auch im vergangenen Jahre, wie schon seit einiger Zeit, unsere Vuchführuna und Kastenwesen prüft und die nun den Jahresabschluß und die Vermögensrechnung für 7933 aufgestestt hat. Dieser Jahresabschluß gliedert sich in zwei Teile, die Übersicht der Einnahmen und Ausgaben in Gegenüberstestung mit Voranschlag, vergleichbar der kaufmännischen Gewinn- und Verlustrechnuna. und die Vermöqensrechnung, vergleichbckr der kaufmännischen Äilant. Oie Einnahmen und Ausgaben zeigen erfreulicherweise eine erafte Verwaltungsorbeit. Der Voranschlag ist so gut als nur denkbar eingehalten worden. Oie Ansprüche dieses schweren Jahres an die Gemeinde konnten durch die Opferfreudigkelt des größten Teiles unserer Gemeindemitglteder ordnungsaemäß ersüstt werden. Gewiß hätte die Gemeinde noch »iel mebr tun sollen, denn die Not war groß, und mancher mußte ungetröstet hinweggehen, aber die Verwaltung konnte sa nur im Nahmen her vorhandenen Mittel helfen. Oie nöstgen Veträge waren aufgebracht worden durch eine Erhöhung der Gemeindesteuer, von 74 °/„ im Vorjahre, auf 20 */., Zuschlag zur Neichseinkommensteuer, also eine Steuererböhuna von 43 v. d>. Dazu wurden durch eine Sammlung bei den Gemeindemitgliedern, deren Ergebnis, fast NM 30000. -, voo der Ovferwtstigkeit unserer begüterten Mitbürger ein schönes Zeugnis ablegt, freiwtstig die Mittel zur Linderung der unmittelbaren Ezistenzschäden aufgebracht. Oa auf der Ausaabenseite durch größte Sparsamkeit, auch durch eine fteiwtstlge Gehaltskürzung unserer Angestrstten, alles getan wurde, um mit möglichst gen'ngen Unkosten auszukommen, ist es gelungen, alle Gemeindeaufgaben zu erfüllen und bei NM 238000. - Einnahmen noch den bescheidenen Überschuß von NM 3000.- zu erzielen/ Oie gesamten Wohlfahrtsleistungen, welche durch die Gemeinde vermittelt wurden,betrugen NM729000. - durch die Mitwirkung der Wohltätigkeit unserer Gemeindemitalieder, unserer Vereine und Stistungen und des Staates, durch Veteiliguna an der Wintechllfe 7932'33, (NM 67000. - Gemeindemistel und Sststungen, NM 29000.- von Vereinen, NM 23000.- durch private Wohltästgkeit und NM 74000.- staatliche Wintechllfe). Oie Vermögenslage der Gemeinde zeigt leider kein günstigem Äild. Oie Aftiven bestehen aus einem Anlagevermögen, und zwa-- Grundstücken, das mit rund NM 280000.- ausgewkefen ist und Umlaufs-ober flüssigem Vermögen von rund NM 783000.- nach Absetzung der notwendigen Rückstellungen. Dem sieben als Vassiven NM 363000.- Kchu'den gegenüber, davon NM 290000.- fundierte, sowie ein Eigenvermögen der'Gemeinde von rund NM 700000.-. Allerdings kann dieses Eiaenvermöqen in keiner Weise realisiert werben; denn es besteht aus Werten, welche niemals abgestoßen werben können, wie Synaaogenland usw. Oie Ausgabe der Zukunft muß also in der allmählichen Tilgung der Schulden und Sammlung neuen Vermögens durch Ersparnisse bestehen. Oa das flüssige Gemeindevermögen fast völlig jn Steueraußenständen besteht, wäre durch schnellen Eingang der letzten Steuerrückstänbe sofort der Weg zur Entschuldung der Gemeinde und Vefferunq ihrer Vermögenslage gegeben. Das Ungünstige dabei ist, daß die Gemeinde natürlich ihre sämtlichen Scbulden verzinsen muß, während sie für ihre Steuerrückstände zur Schonung ihrer Steuerpflichtigen - bisher keine Verzugszinsen berechnet hat. Möge es Nur dieses Hinweises bedürfen, um die Säumigen zu veranlasien, durch schnellere Zahlung der Gemeinde und damit allen Gemeindemitgliedern selbst Zinsleistungen zu ersparen. Or. Gr. Giifiungen In den letzten Wochen wurde ein Werk zu Ende geführt, welches die Gemeindeverwaltung viele Monate ist Anspruch genommen hat: die Neuordnung des Stiftungsweftns. Ourch die ^Verwüstungen der Jnsiation waren die mehr als 200 bei der Gemeinde bestehenden wohltätigen Stiftungen nicht nur in ihrem Vestand dez'miert, sondem sie waren auch in einem Maße unübersichtlich geworden, daß ein Sichdurchfinden fast unmöglich schien. Verschiedme Maßnahmen mußten durchgesübrt werden, um den erforderlichen Überblick und die absolut notwendige Vereinfachung in der Verwaltung zu gewährleisten. Oie abgeschlossene Arbeit, um die sich in uneigennütziger Weise Herr Vankbirestor i. N. Mat Stem sehr verdient gemacht -bat. gibt uns Anlaß, die Sitte ausrusvrechen, untere Gemeinde selbst und ihre Institutionen, wie dies'früher gerade hier kn Oresdm in so reichem Maße geschehen ist. wieder in Testamenten und bei besonderen Gelegenheiten durch Zuwendung von Kapitalen zu bedenken. Me Einn'chtunaen unserer Gemeinde bedürfen der Sicherstellung ihrer Arbeit und der Ausweitung ihrer Setätiaungsmöalichkeit. Es gibt kein Gebiet der sozialen Vetreuima, auf dem nicht das humanitäre Gewissen aebieten würde, viel mehr zu tun als die finanzielle Leistungsfähigkeit des Gemekndeetats es, gestattet. Mannigfaltig sind die Zwecke, für die Stiftungen segensreichste Wirkung tun können, nur einiae von ihnen seien besonders genannt. Vielleicht an erster Stelle möchte man die Mtttelstanbsküche der Gemeinde erwähnen,, in der täglich etwa 80 Menschen gespeist werden. Das Henriettenstift weiter, jene alte und frübtr durch Wohltäter so reich dotierte Einrichtung unserer Gemeinde, die durch M. Zucker,-Dresden Subdirektion der „Victoria-Versicherungen* Amalienstraße 7 / Telephon 14 890 \JecsicUtcuH$tH iedec Act Lehen/Unfall / Feuer / Einbruch/ Auto Haftpflicht/Transport/Refaegepftek ^^^2801870