Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 7a (Mitte Juli 1934)
- Date
- 1934-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 2 Nr 1t Gemeindeblatt der Israelitischen Religion-gemeinde Dresden mizwoh“ Don Or. Martha Wertheimer. Das sind jetzt die Tage, in denen am einen oder andern eine fröhliche Stimme durchs Telefon Abschiedsworte spricht oder fröhliche Augen die unfern suchen und sich einen guten Wunsch für die nächsten Wochen erbitten: » '... ich. will dir gerade noch Lebewohl sagen - morgen fahre ich - *. Und dann fahren sie. In die weißen Serge, die dem Himmel näher scheinen, in dm atmendes Gebirgswald, an die Weite des Strandes und der See. Eiewerden klarere Gestime sehen und eine hellere Sonne, der Degen wird für sie eine andere Melodie habm, die Wolken tragen Märchengesichter - die Erde ist chnen anders und lieber als im Gleichtakt der Arbeitstage und der einförmig rinnenden Sorgenwochen. Gottes Schöpfung erneut sich ihnen, dmn sie selber sind neu gewordm. An einem oder dem andem Tage nehmen sie mit fröhlichen Stimmen und Hoffnungsseeligen Worten von uns Abschied; wir wissen: für zwei, drei, höchstens für vier Wochen; und dennoch ist ein kleiner Schmerz dabei und ein verschwiegenes kleines Heimweh, jetzt schon, während wir jhre Hand noch halten. Denn in jedem Abschied, und wäre es nur von heute auf morgen, ist die bange Ahnung von allem Vergänglichen und die zarte Trauer um den flüchtigen Tag. Da rührt uns eine alte Sitte an, ein Väterbrauch, der von vielen unter uns vergessen ist; aber die ihn üben, kennen die Segenskrafi, die er zwischen best Scheidenden spannt, die hüllende Wärme im Fern-von-einander und den sanften Trost, den wir in unserem Abschiednehmen brauchen, auch wenn wir es nicht eingestehen. Wo Freund vom Freund, Äind von der Mutter, Liebender von der Liebenden geht, erhofft das Herz für den Scheidenden Schuh und Segen. Das-" ist heute in der Nein gewordenen Welt des raschen Reifens nicht anders als vor Jahrhunderten, in der Gefahren unmittelbar waren. Vielleicht spüren wir sogar wieder ttefer, enger die Bindung an solche Hofftuingen und die Dotwendigkeit solchen Schuhes, wenn ein Jude die hütende Enge seiner Gemeinschaft, seines Hauses auf eine Weile aufgibt; denn die Welt ist für uns fremder, unsicherer und härter geworden. Darum greifen wir zu jenem Mittel frommer Gewißheit. Wir geben dem Scheidenden beim Abschied eine Münze mit, ein Geldstück, das einem Armen bestimmt ist, und legen ihm dabei auf, die Mizwoh der Spende statt unser an dem fernen Ort zu pollziehen, in den er reist. „Scholuoth mizwoh", ein Bote erfüllten Geheißes wird er damit. Er ist mit einem frommen Auftrag, mit einer Gabe versehen, er reist im Schutze einer reinen Absicht, eines liebevollen TunS. So wird der Schuh und der Segen über ihm fein, denn eine Mizwoh darf in Gottes Welt nicht verhindert, eine Mizwoh muß auSgefühtt werden. So glaubt das jüdische Herz, dem Wohltun notwendig ist wie die Luft, die der Mensch atmet. Eine zarte Sitte rührt uns da an; und wer sie pflegt, spürt das holde Sand, das sie zwischen Femen knüpft.. Wir nehmen Abschied - aber zu irgend einer femen Stunde an einem femen Ort tut ein Mensch, der uns lieb hat, eine Mizwoh an unserer Statt, für uns - und hin und zurück strömt das Glück dieses Tuns und bindet Gettennte aneinander. Ober uns beiden wölbt der Segen dm Friedensbogen, der da heißt: »Sorge dich nicht-". Kür die Serien! 1. Bleibe in Deutschland soviel als -irgend möglich! Wir haben die religiöse Verpflichtung: »Fördert das Wohl des Landes, in das euch Gott geführt hat! Denn sein Wohl ist auch euer Wohl!" (Ier. 29, 7). 2. Bevorzuge jüdische Hotels-amd Restaurants,- im Interesse der notleidenden jüdischen Wirte/ - und in deinem eigenen Interesse: _ Dort ist Ruhe unter Gleichg/sihnten and Gottesdienst und Sabbat und Tischo B’Av. 3. Vergiß nicht Eiddur uist> Ehummosch, jüdische Bücher und Zeitungen, für dich unJr deine Kinder mitzunehmen! Was sonst durch Arbeit vielfach /unmöglich/ wird in den Ferien möglich: Jüdische Bildung! 4. Für die Hierbleibeflden gilt./dasselbe: pflegt Judentum! Lest jüdische Zeitungen! Geht zunvGottesdiensi und schickt eure Kinder dotthin! Vergeßt nicht Den Tmuertag des Judentums, den 9. Aw (Sonnabend, den 21. Juli/Abends Klagelieder, und Sonntag, den 22. Juli!). Lest unp /erpt Jüdisches, lernt womöglich Hebräisch! , 5. Wohin du auch kommst, - vergiß nie, die jüdischen Gemeinde- Institutionen und -Erinnerungen und -Sehenswürdigkeiten zu besuchen! »Mit jüdischen Augey durch deutsche Lande" und auch durch fremde Länder gehen, das ist/heute ein Stück praktischen Judentums! ' 6. Vergiß deine Reisesteuer nicht! Wem Gott Freude und Erholung, gönnt, der muß auch für den gleichen Zweck etwas für andere übrig haben! Es warten genug dringend bedürfttge Kinder und Alte darauf! Dur so wird Gott deine Reise segnen! 7. Man muß nicht überall dabei sein! Das Trauerjahr des deutschen Juden ist noch nicht zu Ende! Die darf ein Jude dort sein! wo es keine Ehre für ihn ist! Im Zweifelfall bleibe lieber fort, Entweihe dm jüdischen Damen nicht! Sei Mensch als Jude, sei Jude als Mmsch! Heilige den Damm Gottes, durch Anstand, Ehrenhafttgkeit und Güte! ' Rabb. Or. Fuchs (Abdruck aus der Iüd. Zeitung für Mittelsachsm.) Werkstätten Karl Franz Innenausbau // Wohnungseinrichtungen // Ltnzelmübel Vautifchlerarbeiten / Ladeneinrichtungen / Tapep er erarbeiten Freital l / Untere Dresdner Straße 4a früher £. öerrmann &- Aähne^/ Fernfpr.: 4315Ö, Freital 3304 Dr, Hans-Dietrich Pohly Bücherrevisor Mitglied des Verbandes der Bücherrevisoren u. Steuerberater Viktoriastraße 12 // Ruf: 19450 o Zucker, Dresden Subdirektion der »Victoria-Versicherungen* Amalienstraße 7 / Telephon 14 890 VtcsicUccuHQtt* fcdec Act Leben/Unfall / Feuer/Einbruch/Auto Haftpflicht /Tranaport/ Reisegepäck H e r r e n m o d e w 'a r e n Gusf. Tuchler Nachf. , Dos 20jährige Fachgeschäft Dresden König-Johonn-Slr. 2 i