Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 5a (Mitte Mai 1934)
- Date
- 1934-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 2 1 Nr. 5a Gemeindedlatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden ZucliUaut ßOCSCUd Dresden-A . Scheffelstraße 2 t Uueetostottc - tkme**to$c - TuHudofte Große Auswahl Kleine Preise * erst wahrhaft geadelt sein. 3c, erst dann wird der Stolz wirklich Stolz und die Würde wirklich Würde sein, wenn wir künftig wissen nicht nur, wer wir sind, sondern auch was wir haben. Dann dürfen wir auch mit heiterem Gottvertrauen in die Zukunft schauen und an dem heftigen Tage, der uns den Donner des Sinai jedes Jahr aufs neue verkündet, auf den Hüter Israels schauen, der nicht schläft und nicht schlummert und uns über das Leben und den Sturm des Sinai hinweg ein liebender und erbarmender Gott sein wird, uns und unseren Kindern! (Gemelnbeblatt für die jüdischen Gemeinden Preußens.) Jüdische Jugend — treibt Leibesübungen! Don Sportarzt Or. Willy Kah, Dresden Das fük uns deussche Juden schicksalhaft gewordene Jahr 1933 in seiner tiefen seelischen Not, die keinen verschonte, der sich der jüdischen Schicksalsgemeinschaft irgendwie verbunden fühlt, hat zwangsläufig für den künftigen Lebens« und Daseinskampf unserer Glaubensgenossen. di« Leibesübungen in das notwendige und brennendste Interesse gerückt. Man hat uns oft den Vorwurf körperlicher Untüchtigkeit gemacht. Unzählige Glanzleistungen auf allen Eportgebieten legen jedoch beredlos Zeugnis von der llnn'chftgkeit dieser Behauptung ab und wir hoffen zuversichtlich, gelegentlich der nächsten Olympiade wieder «ine Anzahl jüdischer Namen zu hören. Auch wir deusschen Juden müssen - ob wir 'wollen oder nicht - endlich den Nhytmus unseres Zeitgeschehens verstehen lernen. Unsere Jugend wird sich wohl oder übel eine Äerufumschichtung gefasten lassen und sich hüten müssen,'das einstmals geprägte Wort von der Aristokratie des Bizeps falsch zu verstehen. Oie Leibesübungen werden mehr als je zuvor unserer Jugend die Ertüchtigung und Stählung des Körpers gewähren müssen, die sie als Ausgleich für ihre körperlich wohl anstrengende, absr nicht stärkende Berufsarbeit so überaus nötig haben.! Weniger wichtig ist die Frage welche Art der Leibesübungen - ob Turnen oder Sport - getrieben werden soll. Das ist Sache seelisch betonter Einstellung und schließlich sportärztlicher Beratung für Uneytschiedene. , Oie Auswahl der geeigneten Leibesübung ist auch heute noch ein Problem und man wird dabei die verschiedensten Nichtungen und Anschauungen vertreten finden. Zwischen jener Auffassung, welche die Leibesübung nur als anatomisch-funktionelles Muskelüben auftaßt, und jener Nichtung, der die Leibesbewegung nur als seelisches Ausdrucksgesialten dient, finden sich alle' möglichen Zwischenstufen. Weder ist das eine noch das ander« ganz falsch oder ganz richtig. Nichtig ist die erste Auffassung insoweit, als gute Körperübung den Bewegungsgesehen des menschlichen Körpers enssprechen muß. Falsch aber sind beide Auffassungen dann, wenn sie ihre Forderungen in rücksichtsloser Einseitigkeit aufstesten. Da echte Körperbildung immer eine Angelegenheit des ganzen Menschen, namenftich auch des sittlichen Willensmenschen ist, wird es ja leider immer so bleiben, daß zahlenmäßig nie alle Menschen in den Bannkreis dieser Aufgabe hineingezogen werden können. Immer wird es solche Menschen geben, denen träges „In-den-Tag- Hineinleben" angenehmer sein wird, als bewußtes Erfassen, ja energisches Anpacken des im Grpnde so erdenschweren körperlichen Ichs. Ob alle diese jungen Menschen, oder nur ein Bruchteil derselben durch Wort oder Vorbild eines besseren belehrt und zur Tat angeregt werden, wird die Zukunft erweisen. Oie Aufklärungsarbeit unserer jüdischen Sportverbände hat wenigstens einige Besserung gebracht, .wir möchten aber hoffen und wünschen, daß die jüngere Generation aller Altersstufen sich restlos und in der Gesinnung wahrster Sportkameradschast den bestehenden jüdischen Verbänden anschließt. Zwar werden selbst heute noch Stimmen laut, die sich gegen eine Übertreibung des Sportes auflehnen. Ethfter und Vertreter der Wissenschaft befürchten, daß der einseitige Muskel« und Nekordkult alle fteferen geistigen Lebenstriebe im Menschen unterdrücke, ja gar zu ersticken vermöge. Diese gutgemeinten Einwände kommen bei der Geistigkeit des Judentums, die oftmals in eine Art krankhafter geistiger Überzüchtung geraten ist, kaum in Betracht. Es bleiben also höchstens die geringeren körperlichen Sporsschäden bei Übertreibung der Leibesübungen übrig, die vorbeugend zu verhindern Sache sportärztlicher Betreuung ist. Wie jedes andere Heilmittel müssen auch die Leibesübungen richtig dosiert werden. Bekanntlich habendie alten Griechen nicht nur in geistiger Beziehung Ewigkeitswerte geschaffen, sondern ihre sportlichen Leistungen sind bis hente noch unerreicht. Deshalb, Ihr jüdischen Väter, seid nicht besorgt, daß durch Sport die Bildung vemächlässigt werde und schickt Eure Kinder in die Turnhallen und auf die Sportplätze - deshalb Ihr jüdischen Mütter, laßt Eure Kinder Leibesübungen treiben und sorgt dafür, daß sie nicht mehr mit gekrümmten Nücken, sondern mit gefestigtem Nückgrat, Haltung und Würde für ihren schweren Daseinskampf vorbereitet werden - deshalb jüdische Jugend, die Ihr noch keinen Silberstreifen am Horizont Eurer Zukunft seht, meidet nutzlosen Streit und Hader, redet Euch nicht auseinander in müßigen weltanschaulichen Debatten, flüchtet! Euch vielmehr in den ftiedlichen Kampf und in die treue Sportkameradschast Eurer' Sportplätze! fc'S -L 1 DasSpezialhausfürfemeHerrenkleidung fertige Herren-Kleidung Maß-Schneiderei Knaben-Kleidung » Herren-Mode-Artikel NUR KÖNIG-JOHANN-STRASSE