Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 3a (Mitte März 1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/4892693-5739425-5770067--1939-4894532- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 2 V Gemeindcblatt der Israelitischen Re l i gi o n s g e m e i n d e Dresden Nr. 3a ,u Gegeben. <?o feierte man pessach im Bewußtsein der eigenen Freiheit in den Formen, die den freien Menschen kennzeichneten. Man täte den Kriechen und Römern Unrecht, wollte man ihre Gelage allein unter dem Gesichtspunkte des Zechens und Schmausens betrachten. Das Gelage war eine eigentümliche Form der Geselligkeit im 'Altertum. Es war oft rwr der äußere Nahmen für geistige Unterhaltungen. Uns erhalten gebliebene Tischgespräche und Neben zeigen die geistige Höhe dieser Art von Geselligkeit. Hier berührte sich griechische Sitte mit jüdischer Denkart. Für die jü> difthen Menschen gehörte eine geistige Unterhaltung zum geselligen Beisammensein. zwei zusammen sind, da. müssen Worte der Lehre unter ihnen ausgetauscht werden/ So nahm auch die Sederseier dje Form dieser geistigen Geselligkeit, ganz im Sinne des Judentums und in Übereinstimmung mit den Gebräuchen der geistigen Menschen ihrer Umwelt, an. Das Wesen der Haggadah ist damit aufgezeigt. Sie ist kein. Gebetbuch. Gewiß stehen Gebete darin. Oer Kiddusch, die einzelnen Segenssprüche über Wein, über das Brot (Mazzöth), über die Kräuter, das Tischgebet, sie gehören zum Nitnal. Auch die Gesänge, die Psalmen und die späteren Lieder haben einen gewissen Gebctscharakter.' Oie übrigen Stellen aber, die eigentliche „Erzählung", die Erinnerungsstücke, die Gespräche, die sollten beim Seder nicht hergesagt werden. Es. ist kein Zufall, daß allen Ausgaben der Haggadah eine Übersetzung beigefügt - ist. Oiese Stücke sollten überall Veranlassung sein zu freier Unterhaltung. Darum sollte man sich auch für den Seder vorbereiten, daß man etwas zu fragen, und daß man etwas zu antworten hat. Oer nichts zu fragen weiß, ist ja in der Haggadah selbst der Tropf, der an letzter Stelle steht. Wie würden wir Dresdner Nabbiner uns freuen, wenn wir vor pessach recht viele solcher vorbereitender Fragen vorgelegt bekämen! Vielleicht ist auch mancher in unserer Gemeinde, der bisher nicht darauf geachtet hat, Pessach zu feiern und an einem Seder teilzunehmen, der aber durch die Ereignisse der Zeit sich auf sich selbst besonnen hat und den Weg zum Fudentum sucht. Er mag sich dessen-, erinnern, daß jeder Sedertisch in einem jüdischen Hause für Gäste zubereitet ist. Dort sieht ein Becher für den Gast, der unerwartet einkehrt, nach dem Volksmunde für den Propheten Elm. Diese Becher warten in jedem Hause in diesem Fahre mehr als je auf Gäste, die am Mahle teilnehmen wollen, die ihr Glück und ihre- Freude im Kreise frommer jüdischer Menschen suchen. Keine größere Freude könnte mir zuteil werden, alswenn ein solcher Gast sich bei mir zum Seder anmelden würde. Oie Erzählung. des peffachabends beginnt mit den Worten: „Sklaven waren wir dem Pharao in Ägypten/ Aber der Sinn des Abends wie des ganzen Festes ist auf Freiheit gerichtet. Frei ist der Mensch, der sein Leben aus seinen eigenen Lebensgesehen gestaltet. Auch das Judentum hat ein eigenes Lebensgeseh. Oer Fude wird durch die Worte, die Feste, die Gebete, die "fein eigen sind, immer wieder ermahnt, ein Freier zu sein, seinem eigenen Lebensgefehe zu folgen, und dieses Gesetz ist das Gesetz Gottes, das ihm gegeben ist. Wir meinen, alles Geschehen unserer Tage so denken zu müssen, daß der jüdische Mensch an seine Freiheit von der Seite des Lebens her erinnert wird. Nicht das ist unsere Freiheit und unsere Ehre, daß wir unser Judentum vergessen.und dienstbar werden irdischen Gütern, das ist unsere Ehre und unsere Freiheit, daß wir als Juden unseren Weg gehen, als freie jüdische Menschen unsere Lebenspflicht erfüllen und dienen wie Gott es uns befiehlt. Zur Vorbereitung gehört auch dies, daß wir lemen, was rechte Freiheit bedeutet, daß wir geistig und seelisch bereit werden, das pessachfest zu feiem. Es ist eine wunderbare, erwartungsfrohe Zeit diese Zeit der Vorbereitung. Gönnt Euch, liebe Gemeindemitglieder, diese Freude der Vorbereitung »uf das pessachfest. iNiitniiHMiniii ihm hu ii iiiiJiiiimiiiiiiiiiiHiM hi an ninii ith i SPENDET ZUR PESSACH VERSORGUNG! iiHHiimmiMimiHiiiiiiiHHiiiatiiii miiiimiiiiim» imimiiin ..miu11“....1....... Hofstein tritt in den Ruhestand Von Or. l,eo Fantf (Reichenberg CSR.) Niemand wird es glauben. Wer Hosstein kennt und seine unverwüstliche Krafl, seine Eflmme, die den Fahren getrotzt hat und vor allem seine nie versiegende Freude am Vorbeten, der kann die Nachricht nicht emst nehmen. Aus der Ferne kann ich es nicht beurteilen, ob es eine Künstlerlaune ist oder vorübergehende Stimmung, aber eins iss sicher: es ist schwer vorstellbar, daß Hofstein an den Feiertagen untätig in einer Tempelbank stehen soll und zuhören, wie ein anderer Kol Nidre oder Neilah betet. . Es kommt mir unglaublich vor, daß Ich mich, >/oie Dresdner Freunde es wünschen, zum Nücktritt Hossieins äußenr soll. Denn ich weiß ganz genau, wenn die Herbsifeiertage kommen, wird es ihm dennoch keine Nuhe lassen, und dann wird es aus sein mit dem Nuhesiand! Aber meine Dresdner Freunde mahnen mich wiederholt um den Abschiedsgruß an den verehrten Synagogensänger. Es scheint irgend-, wie doch emst werden zu wollen. Fch bin in großer Verlegenheit. Erstens weil ich es einfach nicht für wahr halte, und zweitens weil ich ein Feind von allem Abschiednehmen bin. Es wird auch kein Abschied sein. Niemals. Denn in der Dresdner Synagoge wird immer Hofstein singen. Wer auch jetzt oder in künftiger Zeit nach ihm vor den Altar tritt, wird immer an Hofstein gemessen werden. Hofsieins Stimme wird immer in diesem Naume schweben, Hofsseins Beten, Hofsieins Seele und Her; werden die Stätte, die er so' geliebt, die er mit seinem ganzen Wesen erfüllt hat, noch in späteren Fahren durchdringen. Sollen wir ihm und uns das Her; schwer machen? Weit besser, rpenn wir ihn bitten, von seinem Entschluß abzustehen. Fetzt sind mehr denn je Menschen seines Schlages nötig, Menschen, die durch ihr Wesen, durch ihr Sein ein Lichtblick sind, die es verstehen, eine ganze Gemeinde über Sorge und Kummer, über Gram und Mißstimmung zu erheben. Wer selbst jemals beladenen Herzens es an sich erlebt hat, wie Hofsteins Beten den Hörer in andere Welten entführt, rührt und heiter rpächt, wird den Verlust ermessen, der der Dresdner Gemeinde entsteht. Fst es wirklich nötig, an dieser Stelle nochmals über Hofsteins Trühlahrs-Tieuheiten - Kleider / Complets / Mäntel / Kostüme / Blusen / Röcke Besichtigen Sie bitte zwangtos unsere Riesenläger Snoftemer Tagesware AmAHmarM GOLD MANN Am Altmarkt