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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1934-01-01 · 3a (Mitte März 1934) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
10 (1934)
Issue
3a (Mitte März 1934)
Date
1934-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Amtliches Organ des Gemeindevorstandes * Mitteilungsblatt des Sächsischen Israelitischen Gemeindeverbandes * Gemeilldevlatt Verantwortliche Schrtstleitung: Leo Anschel, Dresden / Verlag: Israelitische Religionsqemelnbe Dresden / Druck: A. Gmhnert, Oresden»B. 1 Mleinlge Annahmestelle für Inserate, Jac. Stemlicht, Striesener Platz 14 / Ruf 18SZ1 / Die 4mal gespaltene 4H-mm.ZeIle kostet 22 pfg., laufend Rabatt X. Jahrg. Dresden, Mitte März Rümmer 3a peffachvorbereitung Or. Albert Wolf - Keines unserer Feste bringt eine gleiche Unruhe in das jüdische .Haus wie,das peffachfesi. Schon Wochen vorher merkt man sein Kommen. Mazzoth, WeiN 'und andere Bedarfsgegenstände werden angeschafft. Am meisten wird in diesen Vorbereitungstagen die Hausfrau in Anspruch genommen. Sie verbindet mit der Zurüsiung des Festes das Reinigen des Hauses, Kasten, Schränke, Truhen werden durchgesehen', mancher Gegenstand, der vergessen irgendwo mhte, kommt wieder zum Vorschein, und manche Erinnerung froher und wehmütiger Art, wird geweckt durch den Anblick von Gegenständen, die einem jetzt in die Hände kommen. Aber als ^ohn für so viel Mühe winkt der Sederabend, an dem nach dem alten Scherzwort die Hausfrau matt und müde in den Sessel sinken soll. Oie Vorbereitung gehött so sehr zum Charakter des peffachfestes, daß bezeichnender Weise auch der Echulchan Aruch, der religiöse , Wegweiser des Judentums, die Ausführungen über die Vorschriften des Pessach mit den Worten beginnt: »Man befaßt sich mit den Obliegenheiten des peffachfestes schon dreißig Tage vor dem Feste". In den erläuternden Zusätzen zum Echulchan Aruch heißt es dann weiter: »Man kaust Mehl für die Herstellung der Mazzoth für die Armen, um sie rechtzeittg verteilen zu können. l."nd wer in einer Stadt schon zwölfMonate lebt, der ist religiös verpflichtet, seinen Anteil hierzu beisteuern." , Damit sind wir schon bei der wichtigsten Forderung - in diesem Jahre auch der größten Sorge - für die Religionsgemeinden angelangt. Cs ist eine heilige Pflicht, jedem Israeliten, auch dem Ärmsten, die Möglichkeit zu geben, pessach zu feiem. Doch zur rechten peffachfeier gehören nicht nur Mazzoth. am pessach soll der Tisch schöner und reichlicher gedeckt sein als Dorrst im Jahr. Oie Erinnerung soll ja ein ganzes Jahr noch davon zehren und soll die Freude wecken auf das nächste Pessach, das kommt. Zur peffachfeier am Abend, zum Seder, gehört in erster Linie der Wein. Er ist ein Symbol der Freude. Bei aller Mäßigkeit, die im jüdischen Hause üblich sein soll und wohl auch üblich ist, gibt es Gelegenhetten, bei denen man auf den Trank der Freude nicht verzichten soll, zur Vekundung dessen, daß der Mensch die Gaben der Ratur nicht mißachten, daß er sie in weiser Mäßigung zu edler Freude benützen darf. Oie Sektenbildungen im Judentum, biß den Gedanken der völligen Abstinenz propagierten und auf dem Gelübde drr Enthalssamkeit bas Leben aufbauen wollten, waren immer . unfruchtbar und sind immer dem Untergang verfallen. Oie Lebenskraft wirb immer gefördett durch die recht verstandene Lebensfreude. Von der Freude des Sehers soll und darf kein jüdischer Mensch ausgeschlossen sein. Bei jedem Gottesdienst, der ein Fest einleitet, wird vor dem Ende des Gottesdienstes im Gotteshause das Weihegebet., des Tages mtt dem Segensspruch« des Weines gesprochen. Am peffachfest kommt dieses Weihegebet, der Kiddusch, im Gotteshause in Wegfall, »denn es gibt keinen Armen in Israel, der am Pessach nicht Wein, wenigstens für die vier vorgeschnebenen Becher besäße". So ist es einer der Grundgedanken des Festes, daß "es an ihm kAyen Verlassenen gibt, daß jeder an einem Familientische sitzt, im Kreise vertrauter Menschen Lebensfreude in sich fühlt. Es gibt eine alte Formel, die vielleicht einmal in alfer jüdischer Zeit am Eingänge von Volksküchen angebracht war: »Wer hungrig ist, komme und esse". Daraus hat sich die Einleitungsformel für den Seder entwickelt. Dies das Brot des Elends, wer hungrig, komme und esse, wer durstig komme und halte pessach f. Damit ist gleichsam eine Einladung ausgesprochen, an der Eederseier teilzunehmen. Oer Bedürftige ist beim Vermögenderen zu Gaste geladen. Doch nicht allein der Arme soll^seinen Platz am Tische finden. Es war eine Weisung für den Genuß des Peffachopfers aus alter biblicher Zeit, daß Familienhäuser sich zum gemeinsamen Genuß des Peffachopfers zusammentaten. So hat sich der^Brauch erhalten und in unserer Zeit besonders stark ausgebildet, daß auch Freunde und Bekannte zum Seder eingeladen werden. Ein Sedertifch ohne Gast ist nicht ganz stilgerecht. Rie sind im jüdischen Hause Gäste so willkommen wie zum Seder. Oie rechte Vorbereitung zum peffachfesie will es, daß man auch um Gäste für die Eederabende bemüht ist. "Wer allein ist in einer Stadt, wer keinen Seder hat, der braucht sich nicht zu scheuen, für diesen Abend um Gastfreundschaft zu bitten. Jeder rechte jüdische Baal Habois (Haus- Herr) - und erst recht dir Hausfrau wird sich über solche Bitte freuen. In der Art und Weise, wie wir den Seder feiem, hat sich mit mancherlei von alten Sitten und Bräuchen, wie sie nicht allein bei den Juden, sondern auch bei anderen Völkern, insbesondere Griechen und Römem üblich waren, erhalten. Macz sitzt beim Seder auf Kiffen und polsiem, „man lehnt sich auf die linke, Seite und trintt seinen Becher", so heißt es in dem alten Haggadahbüchlein. Das Mahl spielt im Leben der alten Völker eine große Rolle. Da fanden oft große »Gelage" statt. Denn man saß nicht am Tische, man. lag auf . Polstern auf den linken Arm gestützt damit die rechte Hand ungehemmt zugreifen konnte. Vor jedem Gaste stand ein lleiner Tisch. Diener reichten die Speisen hemm, selbst das Wasser zum Waschender Hände wurde den Teilnehmern am Mahl« gebracht. Oer Jude, an Einfachheit gewöhnt, das Leben emfier nehmend, hielt sich in der Regel von solchem Fesigelage fem. Er durste, so lange die Römer die Herren im Lande waren, ost nur die Kosten für ihr Schwelgen, für ihre Gelage, bezahlen. Aber am peffachfeste fühlte auch er sich als ein Freier. Da war es-' alte Vorschrift, im Kreise von Freunden das pessachlamm zu verzehren, oder - nach der Zerstömng des Tempels - die Ertnnemngsfeier an baS Peffachopfer und an die Befreiung aus Ägypten

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