Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 2 (2.1934)
- Date
- 1934-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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seit* 2 CSemeinFeblatt der Israelitischen Religio nSgeme inde Dresden Nr. 2 selten über innere seelische Vorgänge und Eltern hätten oft keine Ahnung. Das jüdische Kind müsse sich selbst ols minderwertig Vorkommen, wenn es auch von anderen nicht als minderwertig betrachtet werde. Man sage, daß man mit Kindem nicht zu weich umgehen solle, und es sei zuzugehen, daß unsere Kinder zu einer gewissen Härte erzogen werdev sollen, sie sollten jedoch nicht verhärten. Wir mußten »ns hüten, aus unseren Kindem typische Ghettomenschen zu machm, die sich eine harte Haut zugelegt haben, die von Schwierigkeiten und Bekämpfungen von außen nicht mehr getroffen würden, weil sie verhärtet seien. Es sei das Bedenken geäußert worden, die Gründung einer jüdischen Schule wäre der erste Schritt zur' Losung der Bande, mit denen wir an die deutsche Kultur gebunden sind. Dieses Bedenken dürfe man nicht begatellisieren. Es gehe, zvm großen Teil aus von einer Generation, die in anderen Anschauungen groß geworden sei, die mit den Dingen ringe und es nicht leicht habe, sich auf die neue Zeit abzustimmen. Die jüdische Schule stehe aber nicht im Gegensatz zur allgemeinen Schule. Wenn man auf der jüdischen Seite reich'er werde, brauche man auf der deutschen Seite nicht ärmer zu werden. Es tauche femer das Wort auf von der „Ghettvisicruna" des Judentums durch die jüdische Schule. ^Zst Ghetto.vorhanden, so fragt der- Vortragende, wenn man sich^nm Kulturbund Deutscher Zuden zusammenschließt, in einem jüdischen Sportverein Leibesübungen treibt, wenn die jüdische Zugend sich in Wandemereinen findet? Ebensowenig wie dies alles mit Ghetto zu tun habe, habe die jüdische Schule mit Ghetto zu tun. Man könne Anhänger dieser Einrichtungen sein und trotzdem an der deutschen Kultur mit vollstem Herzen teilhaben. Die jüdische Schule köfine entbehrt werden^ wenn im Elternhaus zweierlei vorhanden sei: erstens Ungestörtheit und Buhe der Entwicklung. zweitens positives Judentum. Zn Wirklichkeit (Vien die meisten 'Eltern unserer jüdischen Kinder mit dem Kampf um ihre Eristenz,' mit /Gram und Sorgen, ausgefüllt und die Kenntnisse vom Zudentum seien sehr dünn geworden. Darauf gründe sich die Forderung nach der jüdischen Schule. Sie sei eine Forderung nach Bildung auf geschloffener jüdischer Basis, und sei zunächst eine Forderung der Zugend gewesen. Oie Reichsvertretung der deuffchen Zuden, in der sämtliche Richtungen des deutschen Zudentums zusammengeschloffen sind, habe sie eindeutig bejaht. Der Vortragende ging weiter auf die Bemühungen der Reichs- Vertretung der deutschen Zuden eitt, in der er selber an maßgebender Stelle mit tätig ist. Oie Reichsvertretung sei auf Grund reiflicher Erwägungen zu der Erkenntnis gekommen, daß für das deutsche Zudentum zwei Dinge wichtig seien: Berussumschichtung und Schulwesen. Darunter gäbe es aber eine Rangordnung. Was sich nämlich auf die neue Generation beziehe, was dem Aufbau ihrer'Zukunft helfe, habe den Vorrar g Die Reichsvertretung sehe eck als ihre wichtigste Aufgabe an, Menschen nach einem einhettlichen Bildungsideal zu formen und dann in Berufe hineinzubringen. Da die meisten Zuden in Deutschland bleiben werden, 'müsse man sie uinbilden, damit sie sich in, ihrer wirtschaftlichen Existens und seelisch behaupten können. Wir müßten das jüdische Kind an einen Platz stellen, wo es nicht deshalb Taktik treiben müsse, weil es Verantwortung für jedes Wort und jede Geste trage auch für die Gesamtheit der Zuden. Man müsse den Kindern eine Ateistpause lassen, sich mit fieseren Fragen, losgelöst von den Schwierigkeiten der Umwelt, zu beschäftigen; sie würden trotzdem Kämpfer werden. Man müsse sie vor alleip die Frage an sich selber stellen lassen; wozu bin ich als Zude in Oeusschland und was ist meine Sendung als vorläufig letztes Glied einer Kette, die von meisten Vorvätern bjs auf mich herabreicht? Auf der anderen Seite müsse chnen der Zusammenhang mit deutschem Wesen gesichert werden. Wenn wir jungen Menschen die Möglichkeit geben, in. einer solchen Atempause der Entwicklung ausgewachsen, dann würden Menschen heranreifen, die sich erst recht in den Lebenskampf hineinstellen, wenn ihre Zeit gekommeis sein wird. Fünfzehn Jahre Jüdischer Zugendverein "Der „Zsidische Zugendverein zu Dresden", der sich seit kurzem .Zudische? Zugendbund" nennt, blickt in diesen Tagen auf ein fünfzehnjähriges Bestehen zurück. Dies ist kein Zubiläum im gebräuchlichen Sinn, aber für eine Zugendgemeinschast bedeuten fünfzehn Zahre mehr als für irgend eine andere. Organisafion. Zn raschem Ungestüm pflegt sich Zugend die Form zu geben, die ihr gemäß erscheint, und ein Blühen und Vergehen in kurzer Folge ist das Los ihrer hündischen Vereinigungen. Wenn aber eine Zugendgemeinschast über eine so lange Reihe von Zähren, über den Wechsel der Zeit und der Menschen sich erhalten und schwere Krisen überwunden hat, so folgt daraus, daß ihr Dasein notwendig war und daß die vielen Hunderte junger Menschen, die im Laufe der Zahre durch diesen Verein hindurchgingen, in ihm etwas Wesentliches und Erfreuliches für ihre Entwicklung gefunden haben. So darf man rückschauend seine Tätigkeit als eine segensreiche für die Dresdner jüdische Zugend bezeichnen. Zhre Voraussetzung bestand im Gedanken der Reutralität, im Ginne von Uberparteilichkeit. Der Bund achtete jede religiöse und jüdisch-politische Anschauung. Dle Angehörigen aller Richtungen und aller sozialen Schichten, sowie aller Berufe waren ihm willkommen, alle gleich lieb und wert als sucheude junge Menschen. Er wollte nicht«Menschen erziehen, die aus Parteiprogramme eingeschworen sind, sondern er wollte Menschen heranbilden, die auch andere MeiiftOgen kennen und achten lemen und die schließlich als reife Menschen eine erworbene und erkämpfte, nicht eine aufgezwungene Meinpng haben sollten. Dieses ideale Ziel konnte nicht immer ganz erreicht werden. Verschieden waren die Röte und Probleme der Rachkriegszeit, der Znstation und der letzten Vergangenheit, die an die Zugend herantraten, stets gleich aber blieb der Kampf gegen den Zndifferentismus - im Zudentum und die Sehnsucht nach aNgemeiner und jüdischer Bildung? Uber die Arbeit hinaus und durch die Altersschichten der Menschen hindurch aber schlangen sich echte Freundschaften und Kameradschaften. Viele Freunde sind durch diesm Bund für das Leben zu einander geführt worden. Zm Wirsschastskampf und in den Sorgen der letzten Zeit konnten die Zugendbündler einander manche Hilfe leisten. Vor allem bot der Zugendbund vielen ortsftemden Zugendlichen eine Heimstätte. Zn den Röten der letzten Zahre mußte der Zugendbund außer seiner erzieherischen und geseNigen Betätigung * in steigendem Maße sich sozialer Hilfsarbeit zuwenden. Hierin wurde er lebhaft unterstützt durch seine Dachorganisation, den „Verband . der Züdischen Zugmdvereine Deutschlands". ' < - Aus der Geschichte des Zugendbunds seien nur einige Tatsachen angeführt. Bis zu Kriegsbeginn hatte bereits ein neutraler Zugendverein für männliche Zugendliche bestanden. Zm Zahre 1918 wurde eine Zugendgemeinschast aus den Kreisen der Fratemitasloge gegründet. Aus ihr ging Anfang 1919 unser Zugendbund hervor mit dem Streben, die jüdische Zugend Dresdens - ein bis dahin noch nicht vorhandener Begriff! - auf überparteilicher Grundlage zu sammeln und im Sinne der Zugendpflege zu erziehen. Oie Fratemitasloge gewährt auch weüerhin in dankenswerter Weise dem Zugendbund ideelle und prakfische Hilfe. . Zn Vortragsabenden, Arbeitsgemeinschafien über religiöse, wirtschaftliche, wissenschaftliche Fragen, in geselligen Veranstaltungen und Freitag-Abend-Feiern suchte der Verein sein Arbetts- und Erziehungsprogramm zu erreichen. Wanderungen, Sportabende, Treffahrten mit andem Zugendbünden, zeitweise auch Zunggruppen-Arbeit, sind das Erbe der Zugendbewegung, das der Bund übernoipmen hatte. ludjuaus DocscUel Dresden«A Schelfelstraße 21 % Uucenst^c - - TutUc^to^c Große Auswahl Kleine Preise